Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 47 (20.11.1841)
- Article
- Versuch einer wissenschaftlichen begründeten Metrik für die neuhebräische Poesie
- Date
- 1841-11-20
- Page
- Spalte 729-730 (sequence 4)
- Language
- German
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TÜ9 ßit Uebersichten. Hoiti Persici et Arabien, 730 weitschweifige Paraphrasen ins Triviale herabzuziehen. Alle die jungem Herren der neuhebräischen Poesie haben noch keine Werke geliefert die solchen, wie: nQ^>D TD, romv, n^n«/ nrpDl rc. an die Seite gesetzt werden können." ,— Wenn diese scharse Rüge auch nur zum Theil gegründet ist, so müssen wir doch die ihr zu Grunde liegende Ansicht, daß die nmhebraische Poesie, als solche, der Tradition nicht fremd bleiben darf, — als eine ri chtige anerkennen. Diese Ansicht ist auch in neuerer Zeit von einem achtungswerthen jungen Philologen und Aesthetiker, dem Dr. Delitzsch in seiner bereits erwähnten Gesch. der jüd. Poesie ., unumwunden ausgesprochen worden. „So bald die jüdische Poesie" heißt es das. S. 105, „das Centrum des judenthümlichen Glaubens rc. verliert — verliert sie auch ihre Seele und ihre edelsten Kräfte rc." —* Was uns betrifft, so haben wir, dieser Ansicht beipflrchtend, bei der Abfassung unseres bereits mehrmals erwähnten Schöpfungshymnus die Tradition nicht unberücksichtigt gelassen. Um diesen aber auch dem uneingeweihten Leser zugänglich zu machen, begleitet ihn ein vollständiger Commentar^ der die hagadischen Quellen uachweist und Anspielungen und Bilder erläutert. Es werden demnach hier nur solche Stellen mitgetheilt werden können, die keines weitern Commentars bedürfen. Doch werden wir die Auszüge schon so einzurichten wissen, daß sowohl dem Zusammenhang der Fragmente, als auch der Totalanschauung der hebräischen Hexameter kein Abbruch geschehe. — (Beschluß folgt.) Literarische Ueberfichte«. 33) Horti Persici et Arabici. (^Latii valles transtuleunt Odoardus Amthorus etrArminius Pritzschius. Pars prima. Melocabi et Lipsiae 1842. 8. Pagg. Vlü et (H. Dieses Werkchen enthalt Dichtungen persischer und arabischer Dichter in lateinischer, durch den vereinten Fleiß der Herausgeber bewirkter metrischer Uebersetzung, persische und arabische Blumengärten, in die Thäler Latiums verpflanzt und nach orientalischer Sitte^ in einen Hoi’tus voluptatis, HotIu.s gloriae und Horlus sapientiae abgetheilr. Der allerdings sehr naheliegenden Frage: cui bono? suchen die Herausgeber in der Vorrede zu begegnen. Liebe zur lateinischen Sprache, Lust zur Sache, so wie das Beispiel eines William Jones und des Uebersetzers des Hafis in horazischen Versmaßen — das waren die Hebel bei dieser mühsamen, aber mit augenscheinlichem Enthusiasmus unternommenen Arbeit. Zugleich sollen diese Uebersetzungsproben zeigen, daß die lüigua absolulisma der Römer nicht allein die dem klassischen Alterthum geläufigen Gedanken, sondern auch die glühenden und üppigen Dichtungen der Perser und Araber in geeigneter und ansprechender Form wiederzugeben im Staude ist — eine Wahrheit, die niemand in Abrede stellen wird, welcher bedenkt, daß die lateinische Sprache auch schon in ihrer goldenen Zeit ein asiaticum diccndi genus auszuweifm hatte, daß die Zeit des Verfalls der Classisicitat vorzüglich durch den eindringenden Orientalismus herbeigeführt wurde und daß die stolze Jmperatoren-Sprache zuletzt sich demüthigen mußte, um das auf morgenlandischen Boden herangereiste Christmthum zu predigen und den weltüberwindenden Glauben als Posaune zu dienen. Mit der freudigsten Gewißheit sprechen wir es aus, daß die Herausgeber sowohl das gründlichste Verstandniß ihrer orientalischen Texte, als ein in unserer Zeit immer seltener werdende Meisterschaft in der lateinischen Sprache bekunden — aber eben so gewiß erscheint es mir, daß der Farbenschmelz auf den Schmetterlingsflügeln der mitgetheilten Dichtungen nicht selten verwischt ist und daß die klassische Rede- und Denkweise die orientalische in einem solchen Grade verschlungen hat, wie es bei Uebersetzungen, welche der getreueste Reflex ihrer Originale seyn sollen, nicht der Fall seyn darf. Ich glaube auch den Grund dieser Erscheinung angeben zu können; er liegt nicht .in der Fähigkeit der Uebersetzer, sondern in ihrem Principe. Es ist kein Spiel, orientalische Gedichte ins Lateinische zu übertragen; das Lateinische ist und bleibt die Sprache der gelehrten Welt, solche Uebersetzungen haben somit einen universalen Charakter und machen ihre Originale nicht zum Eigenthume einer Nation, sondern mit Einem Male pur Eigenchum der Gebildeten aller Nationen (was die Herausgeber in der Vorrede hätten urgirm sollen). Aber die Uebertragung soll nicht geschehen in die Sprache Horazens, sondern Auson's, nicht in die Sprache Virgils, sondern Lucans. Ich meine, nicht das Latein der aews aurea soll gezwungen werden, das zu leisten, was es ohne Alterirung der Originale nicht vermag, sondern die Sprache auf diejenigen Staffel ihrer Ausbildung, wo sie unter orientalischen Einflüssen sich bereits zu einer solchen Rivalität befähigt hat, soll und muß gewählt werden. Wir müssen die Engherzigkeit, die alles nach dem Kanon der goldnen Zeit abschatzt, fahren lassen, es muß uns vor allem um adäquate Nachbildung zu thun sein, gleichviel ob es den auf die goldne Zeit bomirten Tatinisten, zumal sie fast ausgestorben sind, ein Akroama ist oder nicht. -Auch der orientalsche Reim ist, wo möglich beizubehalten; die lateinische Sprache hat in dem Mittelalter auch reimen gelernt, und fürwahr! ohne ungereimt zu werden. -