Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-10-30 · 44 (30.10.1841) · p. Spalte 675-676

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
44 (30.10.1841)
Article
Biographische Notizen
Date
1841-10-30
Page
Spalte 675-676 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897505-2366636--1799-2366660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

675 Biographische Notizen von Dr. Eljakim die Christen gegen die Juden, die man der Beihilfe zu dieser Zerstörung anklagte, auf, ohne lange die Richtigkeit dieser Anklage zu untersuchen; man verfolgte sie überall; die einen wurden geschlachtet, die andern ersauft, noch andere verbrannt, und manche gaben sich selbst den Tod. Gerfchom, obgleich noch jung, verfertigte meh-" rere Klagelieder8 über diese Metzeleien; in einem dieser Trauerlieder bezeichnet er das Jahr 951 nach der Zerstörung d. i. das Jahr 1019 der gewöhnlichen Zeitrechnung. — Nach dieser blutigen Verfolgung eröffnete Gerfchom eine berühmte Schule; von allen Enden des Reiches trafen bald Massen von lernbegierigen Schülern ein, unter welchen man bald Jakob Ben Jakar p ipyi) bemerkt, welcher nach dem Tode seines Meisters den Lehrstuhl geerbt. 9 — Gerschom lehrte den Talmud mit seinen eigenen Commentaren, welche einen großen Ruf hatten. 10 * * Natan Ben Jechiöl citirt lobend 8) Von diesen Liedern kennt man nur fünf in dem Machasor und in den Selichot der Aschkenasim, nämlich: a) rpN' 'Di niNiuni n^iun "pniNDSJ b, lj) tw *]1öü'n 'Dl, c) '07 yrUN D3DN, cl) Nlpxi ND2 “11DT '01, e) 'Ol oiy wo sich auch das Akrostich rnrp findet. S. Zunz a. a. O. Heidenheim 8. V. Red. 9) Ueber Jakob Ben Jakar vgl. Zunz a. a.O. S. 315. Red. 10) Von diesen Talmud - Commentaren ist nach A s u 1 a t (Schem ha-Gedolim I, f. 14 a. N. 2) nur ein Fragment zu Makkot 24a gedruckt, sonst nur einige Parthieen handschriftlich vorhanden. Den zu Seder Kodoschim kennt Asulai, denn er sagt (a. a. O.) o O'LDp ->Nv b bjj. 1VN2 UDN SV’l, und daß sie sehr ausführlich und umfangreich waren, wird gesagt von Menachem Ben Serach im Vorworte zu seinem Zede la- Derech. Uebrigens citrren diese Commentare der Aruch (8. v. pbn, Nßn), &e*-JIDD f. 40 c, 52 a, 54 d, 107 d und Mordechai f. 26a, 93d, 102a, 1346. Siehe Zunz a. a. O. S. 310. Bei dieser Gelegenheit verdient noch ein unserem Autor zugeschriebenes nJttfD TiD und die ihm zugeschriebenen NDOlll einer Erwähnung. Samuel Ben Meir zu Baba Batra 42 a citirt von Gerschom ein TiD, welches Zunz (q. a. O.) mit dem großen Talmud-Kommentar identificirt; S. Bloch (a. a. O. f. 24 Anm. 32) macht aber mit .Recht darauf aufmerksam, daß dort nicht von einer Erklärung sondern von einer Lesart die Rede sei, und offenbar nicht von einem eigenen Werke oder von seinem Commentar, sondern von seinem Mischna-Epemplar die Rede sein kann. 2lus dem Exemplar Gerschoms erwähnt Raschi eine Lesart Sukka 40 a, und Tosakot zu Menachot 30 6, 65 6, 70 a, und daß nur so dcr Ausdruck rWD "NO verstanden werden kann, steht man aus Tos. Ketubot 81 beginnend mrw, Raschi zu Schebuot 35a, Tos. zu Aboda-Sara 67b. Was aber seine Tosafot anlangt, so sind sie unstreitig mit seinem'Commentar zu identiffckren, da ihnen außer Mordechai zu Chulin c. 3 ob. f. 132 d keiner gedenkt, und was bei der Weitschichtigkeit seines Commentars auch wahrscheinlich wird. Das von ihm citirte HD^n (Moses Cozzi in Semag Hil. Tresot od. f. 141 e; Mordechai zu Chulin e. 3 od. f. 132 d, Tos. zu Chulin 47 a) gehört wahrscheinlich zu seinem Chulm.-Comrnentar, da es wie, erwähnt, von seinem Commentar heißt, daß er weitschichtig gewesen. Red. Carmoly in Brüssel. Rabbenu Gerschom. 676 diesen Commentar in seinem Aruch, und Salomon Ben Jizchak, genannt Raschi, hat sich desselben bedient bei der. Abfassung des seinigen, nach dem Urtheile des Gelehrten Josef del Medigo (Noblot Chochmcr, Vorrede). — ^Jm Jahre 1030 berief er zu Wor m s eine Synode von 300 Rabbinen, um seinen Einrichtungen Geltung und Ansehen zu geben, von denen die merkwürdigste und nützlichste die Abschaffung der Polygamie^ und der willkührlichen Ehescheidung (!)13 war. Diese Institutionen wurden von sämmtlichm Juden in Europa adoptirt (s. Nissi'm aus Gerona, Gutachten ad. Rom 1566. 4. §♦ 38.; Josef Kolon, Gutachten cd. Venedig 1517 s. §. 110). — Dieser große, Mann lebte noch nach dieser Zusammenberufung einer. Synode 10 Jahre, verehrt und bewundert von seinen Glaubensgenossen. Alle die in jener Zeit eine gewisse Berühmtheit erlangt, suchten einen Ruhm darin, mit ihm in Verbindung gestanden zu haben, so namentlich die großen Lehrer Jizchak Ben Josef, Simeon Kohen und Elijahu Ben Elijahu, deren Briefe auf uns gekommen. 14 — Vor seinem Tode (1040)hatte der fromme Gerschom noch den bittern Schmerz zu sehen, daß sein Sohn von der Religion seiner Vater abgefallen; er betrauerte ihn, als wenn der Tod ihn entrissen (Müir Rothenburg in Sefer Semachot tz. 181). 15 — (Fortsetzung folgt.) 11) S. d. vorhergehende Anm. Red. 12) Die Monogamie war schon früher im Gebrauche, nur hat Rabbi Gerschom ein strengeres Festhalten dieses Gebrauches eingesührt, und als Consequenz natürlich mußte er die Levirathsehe, den aufheben. S, nrn nW §• 108. Was die Annahme dieser Institution betrifft, so ist die Aussage Maimuni's in seinem Briefe an seinen Sohn (Jgrot Maimuni 6d. Amsterdam 1712 S. 26) von den französischen Juden merkwürdig, wenn er sich darüber äußert: ’-jHN □W W np^ nnn by iDnD, woraus wenigstens erhellt, daß selbst nach fast 150 Jahren die Institution Gerschoms eher in Spanien als in Frankreich Wurzel geschlagen, und nur eben daraus ist zu erklären, warum Elieser aus Metz 1190 eine Ausnahme statu'rt, und D'pDÜ zwei Frauen zu nehmen gestattete (Mordechai f. 101a), weil die Institution selbst Jahrhunderte nach Gerschom noch nicht ganz festbegründet war. Der leugnet auch die Annahme dieser Institution in Spanien, denn er sagt in einem Gutachten (Jos. Kolon GA. 101) bn rwsru vh) ttw um.) wm rupn UTflSDN* S. Bloch ö. o. O. Anm. 30. Man hat stch diesemnach die Einführung Gerschom's ganz anders zu denken, als sie hier dargestellt ist. Von einer Synode erwähnt Zunz a. a. O. nichts. Red. 13) Diesen Ausdruck für Abschaffung des Dp’ verstehe ich nicht. Red. 14) Von dieser Correspondenz erwähnt Zunz a. a. O. nichts, um so mehr bitten wir Hrn. Carmoly die Belegstellen nachzutragen, oder gar einiges aus dieser Corr. mitzuthcilen. Red. 15) Die Stellen, welche Zunz (a. a. O.) zum Beleg dazu citirt, sind Mordechai f. 36 d; Hagahot Aschen zu Mocd Katan 416. Da nur aus dieser Relation der merkwürdige Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.