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Der Orient · 1841-10-09 · 41 (9.10.1841) · p. Spalte 627-628

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
41 (9.10.1841)
Article
Methodologie des Talmuds [Rezension]
Date
1841-10-09
Page
Spalte 627-628 (sequence 2)
Language
German
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627 Geist der talmudischen Exegese von. Dr. Hirschfeld, beurtheilt von Dr. Herzseld. 628 Formen instinktmäßig zu gebrauchen verstand, doch nicht in aller Scharfe die unabänderlich einer jeden derselben inwohnende einzige Bedeutung erkannte; denn es fand neben jedem Derasch doch auch der Peschat Anerkennung, vgl. Iebamot 24, a, und wenn auch jener, doch nicht dieser durfte ungrammatisch ausgedrückt sein. — §.132 identisicirt die Masoreten und Talmudisten, was bekanntlich durchaus unstatthaft ist, — Es folgen nun im zweiten Kapitel mehrere gut zusammmgestellte ästhetische Ansichten der Talmudisten über den biblischen Ausdruck; nur nenne ich es pretiös, daß der Vers. §. 143 bei Gelegenheit der Vorschrift map -JY? KTthrb DIN W* thfyb sagt: Ein Beweis ist dafür (für diese Vorschrift) aus der Schrift nicht gebracht, und konnte auch nicht angeführt sein; denn um dieses anzudeuten, konnte füglich die Schrift nicht gut Buchstaben zu viel schreiben 2c," Oft genug, meine ich, gab der Talmud sich selbst den Einwand w &Ä1 NH Nb ^luch ist §. 145 der Satz H'D NLP NIpD durch: „gewöhnlich ergeht sich die Schrift nicht in einer ungewöhnlichen Ausdrucksweise" — unrichtig genommen; er soll heißen: die Schrift wolle nie den Wortsinn völlig über den Dercssch aufgegeben, sondern höchstens beide anerkannt wissen. — Ein drittes Kapitel handelt von den hermeneutischm Grundsätzen des Talmuds, verständig und einfach, nur daß §. 162 eine zweimalige, zum LH eil wörtliche Wiederholung des in §. 161 Gesagten enthält. Auch ist der Grund, weshalb R. Jehuda wenigstens bei den Gesetzen und Gebräuchen im Deuteronomium die Theorie der DOIDD gelten läßt, wohl nicht, „weil sie daselbst thrils wiederholt, theilS in einem gewissen Durcheinander, also in einer auffallenden Stellung stehen", sondern weil sie, als in fortlaufender Rede vorgetragen, mit mehr Absichtlichkeit an einander gereihet werden konycen. Die drei nun folgenden Abschnitte, der Darstellung von £TOD, Nlfcrn unb'-pj angewiesen, hätten am besten im ganzen Buche ausfallcn sollen, weil der Vers, hierin beinahe allein Vorarbeiter, und zumal gründliche, hatte; allem das ist nach meinem Dafürhalten nicht der Fall. Er hätte müssen jede einzelne der unter diese drei Grundformen der talmudischen Exegese fallenden exegetischen Formen logisch entwickeln d. h. m der ewiggiltigen allgemeinen Logik Nachweisen; dann die zwei nothwendigen Stadien in diesen Formen oder Middot (1, ihr d.unkeles Ahnen von dem noch unentwickelten Geiste, 2) ihre Erhebung zu erkannten und untrüglichen, wenn auch eigenthümlich modisicirtm Regeln) hervorheben; hierauf, soweit der Talmud dazu Belege liefert, Nachweisen^ daß die ältesten Talmudisten und welche von ihnen jenem ersten, daß die folgenden Talmudisten und welche von ihnen jenem zweiten Stadium angehören; endlich, unter was für Einflüssen diese lebendige exegetische Logik znm Formalismus herabgesunken sei, was für Abwege dieser eingeschlagen habe, und wiederum, daß die jüngeren Talmudisten und welche von ihnen diesem letzten Stadium angehören. Dadurch hätten wir miteins eine Geschichte der talmudischen Exegese erhaltenwährend uns — rechnen wsir die dürftigen Notizen §, 324 dritte Note, §, 343 Note, §, 393 ab — der Vers, eigentlich nur die talmudische Exegese darstellt, wie sie zur Zeit von Nabma und Rab Asche aussah, und die Logik in jeder Menschenbrust für die ganze fernere Dauer seiner noch 300 Seiten fortlaufenden Darstellung ignorirt oder, wie §§. 372. 398, mit einigen unbedeutenden Phrasen abfertigt. Doch wir müssen, uns an dem Gegebenen halten, und innerhalb seiner ziemlich eng gesteckten Grenzen das Gute anerkennen, daß Verwerfliche rügen. Da der Vers., wie ich oben darzuthun suchte und es an sich wahrscheinlich ist, für talmudischgebildete Leser schrieb, so hätte er das Verstandniß sehr gefördert, wenn er statt der neu und nicht immer glücklich geschaffenen Kunstausdrücke zur Bezeichnung der exegetischen Regeln und Formen, oder mindestens neben ihnen, die herkömmlichen und jedem Talmudisten durchsichtigen talmudischen Kunstausdrücke an die Spitze seiner Kapitel und Paragraphen gestellt hätte, z. B. §§, 219. 226. 235. 236. 237. 243 und noch sehr oft. — Der §. 197 2 angegebene Unterschied zwischen Vjty und DJp — jener, weil das Mittel, den Menschen von seinem gegen Gott begangenen Vergehen zu sühnen, könne auch an der Person des Delinquenten, als dem Eigenthume Gottes; dieser, weil bloße Vergütigung des beschädigten M e nschen, dürfe nicht an der Person vollzogen werden, sondern nur an deren Eigenthume, und falle darum auch mit dem Tode des Delinquenten weg — ist durchaus unhaltbar. Erstlich ist nach jüdischer Ansicht jede Beschädigung des Nebenmcnschen zugleich eine Sünde gegen Gott; dann ist B. nmb mnn doch wohl nicht als blos an dem Eigenthume des Uebelthäters ausgeführte Vergütigung der Lädirtcn cmzusehm; endlich geht Onesch ebensowenig auf die Erben über, wie Knas, ja nach der Theorie des Verfs. sollte Knas gerade vererblich sei». — Unter pr,aj ttTinD versteht derBerf. (ib. 12) nicht blos, daß die Bestimmungen eines Chiddusch nicht auf andere Gegenstände übertragen werden dürfen, sondern auch, daß ein Chiddusch kerne Bestimmungen von einem anderen nicht auffallenden Gesetze annehme. Ich weiß nicht, woher er dies hat; auch ist Pesachim 24 6 und eine andere Talmudstelle dagegen. — Von §. 199 an bis §. 282 hat der Vers., um das Wesen des ü«*Dnn und n?p zu erläutern, mathematische Formeln beigegeben. Wenn aber in irgend einer Disciplin die mathematische Form ungehörig erscheint, so ist es wohl hier. Zugegeben auch, sie sei hier adäquat, so kann sie doch überhaupt nur angewendet werden, entweder um die Bündigkeit und -Nothwendigkeit eines Schlusses anschaulicher zu machen, oder um durch einmal ausgeprägte Formeln für die Zukunft das Geschäft des Folgerns zu erleichtern und abzukürzen. Keiner aber von diesen beiden Zwecken laßt sich innerhalb der zwei genannten Formen der talmudischen Exegese erreichen. Denn bekannt und von keinem Talmudkundigen bestritten ist es, daß der Talmud mit Hilfe dieser beiden Middot den Objecten, auf welche er sie anwendet, selten nach einer inneren Nothwendigkeit Bestimmungen zu- und absprich't, sondern in Folge entweder ganz fremdartiger biblischer Aussprüche — ich nenne beispielsweise nur den p j'p lnr Gegensätze

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