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Der Orient · 1841-10-02 · 40 (2.10.1841) · p. Spalte 613-614

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
40 (2.10.1841)
Article
Methodologie des Talmuds [Rezension]
Date
1841-10-02
Page
Spalte 613-614 (sequence 3)
Language
German
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613 Halachische Exegese v. Dr. Hirschfeld, beurtheilt v. De.Herzfeld, Rabb. m Braunschweig. 614 und zum wenigsten ohne allen Beleg hingestellt; zu Len gegen Ende des Paragraphen für sie angeführten sechs Wörtern lassen sich freilich leicht noch zweimal so viel hmzusügen, allein es ist nicht schwer, denselben Wechsel in den abendländischen oder vielmehr in allen Sprachen mindestens eben so oft nachzuweisen. Das erste Kapitel des zweiten Abschnittes will die von den Talmudisten Vorgefundenen Gesetze und Gebrauche, deren biblische Abstammung nachzuweisen ihr Hauptgeschäft war, als im Ganzen entweder wirklich biblischen Ursprunges oder doch, wenn „durch historische und klimatische Ereignisse hervorgerufat", durch ihre Existenz aus Zufälligkeit zur Nothwendrgkeit geworden hinstellen. Daß Letzteres eine hohle Phrase ist, leuchtet ein. Ferner, gesetzt auch, man dürfe diejenigen Gesetze und Gebräuche, welche Palästina und das selbstständige Leben des jüdischen Volkes ins Dasein riefen, als gewissermaßen vom biblischen Geiste geschaffen ansehen: aber auch die unter kanaanitischem, persischem, griechischem, römischem Einflüsse entstandenen, so sehr sie judaisiren? Ueberhaupt aber kann jedes einmal Existirende in seinen unabweislichen Folgen wohl der Zukunft eine Nothwendigkelt aufbürden, nicht aber sich selbst als nothwendkg ausgeben, es sei denn, daß wir uns in die Fesseln eines ganz neuen Optimismus schlagen ließen. Wenn aber der Verf. das spätere Entstehen von Gesetzen und Gebräuchen unter Einfluß der Bibel oder des biblischen Geistes Z. 60 als das ausgiebt, was die Talmudisten unter?)Wuh n±n verstanden hätten, so fällt er aus der Rolle des objectiven Referenten; der Talmud versteht unter thn cm auf dem Sinai schon fertiges Deutoronomium, was der Verf. Z. 85 mit anderen Worten selbst sagt. — Was nun die Geschichte der Gesetze und Gebräuche betrifft, so ist das ihr gewidmete nächste.Kapitel vielleicht das unergiebigste im ganzen Buche. Zwar hat der Verf §. 61 Recht, daß wir über den Ursprung der meisten aller geschichtlichen Belege entbehren; doch ist es höchst mißlich, diese vom philosophischen Standpunkte aus a priori zu ergänzen, wie der Verf. thut. Er spricht: 1) über die Entstehung von Gebräuchen überhaupt, was nicht hierher gehört, wie er selbst am Ende von §. 68 sagt, und doch sehr breit ausgefallen ist. Dabei habe ich gegen seine Bemerkung §. 67: „gegen die Überlieferung herrschte darum eine innere Scheu, eine gewisse Veneration, die durch die Uebereinstimmung des innereu Gewissens mit ihnen entstand" einzuwenden, daß eben so häufig grade umgekehrt der Mangel an einem mit den Traditionen homogenen Gefühl sie zu etwas Ueberirdischem, Heiligem gestempelt hae.. 2) Die alten Gebräuche hätten nun durch die Offenbarung eine Weihe erhalten, soweit sie mit derselben vereinbar oder unabweisbar waren; in Folge dessen habe sich eine neue Auffassung derselben geltend gemacht, man hielt sie bald für selbst geoffenbart (§. 70). Gut. Was §. 71 über die Wunder gesagt ist, gehört zwar nicht recht hierher, ist aber treffend; eben so gut und ingeniös §. 72, daß in Zeiten, wo die Natur noch wenig durchsichtig, und daher großer Spielraum für den Wunderglauben war, grade weil in Folge dessen ein Wunder nichts Seltenes war, die Wunder auch nicht soviel Überzeugung weckten, als ein vollkommen beglaubigtes Wunder in aufgeklärten Zeiten wecken müßte. Zu rügen finde ich in dieser Partie des Buches nur etwa noch die Behauptung §. 74, daß an den Gebräuchen und den Aeußerlichkeiten der Offenbarungsidee während der Prophetenperiode im Allgemeinen sek gehalten worden. Ich glaube das nicht, der Vers, selbst wohl auch nicht ernstlich. Ferner, die beinahe an Blasphemie streifende Phrase zu Anfänge von Z. 75: „Wohl ermüdete der schöpferische Weltgeist in der Hervorbringung solcher Gebilde", unter welchen wohl prophetische Gewüther verstanden werden sollen. Die Prophetie, richtig gefaßt, kann nie erlöschen; daß nach Malachi keine Propheten alter Art mehr austraten, davon liegt die Schuld an der philologischen Richtung, welche damals unter den Juden aufgekommon war. 3) In der riachprophetischen Zeit seien die Gebräuche, als von Gott zur Heiligung und zum Heil Israels geoffenbart, „mit der innerlichen Natur und Bestimmung des Menschen idcntisicirt" worden. Man sieht, daß dieses sein drittes oder talmudisches Stadium der Gebräuche wesentlich durchaus nicht von dem vorhergehenden Stadium verschieden ist; innerhalb des ursprünglichen Offenbarungsglaubens galten sie genau für daffelbe. Mir scheint vielmehr, daß die dem zweiten Stadium vindicirte Aufnahme der Gebräuche in den Ossenbarungsglcmben schon als der Anfangspunkt des Talmudismns zu betrachten ist; denn jeder Offenbarungsglauben, in eine unmöglich ganz zu mgrrende und auch wohl nicht in allen ihren Theilen negivenswerthe Außenwelt hineingesetzt, wird eine Art Talmudismus, ein Hineintragen Vorgefundener Verhältnisse in die Offenbarung, neben sich sehen oder gar neben sich erzeugen. — Der Verf redet in §. 80 , der mit Unrecht dem zweiten Kapitel entzogen und an die Spitze des dritten gestellt ist, auch von Addltamenten, die „sich aber nicht immer, insofern nämlich sie nicht m einer frischen Lebendigkeit und Regsamkeit des Gemüthes, nach der Natur und Beschaffenheit des Lebens und der Lehre sich ergaben, in der Zeitenfluth behaupten; sie schieden wieder aus." Wir fänden solche selbst noch im Mittelalter, und R. Jehuda Hachasid's Testament, Luriu's Verordnungen gäben uns darüber das beste Zeugniß. Der Vers, hat aber hierin zweimal Unrecht. Die ältesten und in der größten Geltung gebliebenen talmudrschen Satzungen verdanken ihren Ursprung keiner im mindesten frischeren Lebendigkeit des Gemüths als R° Jehuda Hachasid's Vemrächtniß oder Lucia's Verordnungen; und dieselbe neuere Richtung, welche die letzteren umfloßt, ist es, die sich an den ältesten und angesehensten talmudischen Satzungen vergreist und schon nach manchen biblischen die Hand ausstrecktt Die talmudische Richtung, die ich zuvor als in ihren Anfänge» mit der Offenbarung gleich alt bezeichnet habe, reicht in ihrer Entwickelung in die neueste Zeit hinein, dev Talmud ist factisch vielleicht niemals, mit Recht gewiß niemals geschloffen worden, und läßt sich niemals abschließen, wenn nicht von denen, welche seine Prmcipien verwerfen. — Die nun in diesem dritten Kapitel gegebene Klassisication der Gesetze und Gebräuche 40 *

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