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Der Orient · 1841-10-02 · 40 (2.10.1841) · p. Spalte 615-616

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
40 (2.10.1841)
Article
Methodologie des Talmuds [Rezension]
Date
1841-10-02
Page
Spalte 615-616 (sequence 4)
Language
German
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0i5 Lit.Uebersichten. Methodologie des Talmuds. Dk.^Aioschseld. Die Predigten v.Dr.Holdhiem. 616 ist brauchbar, nur nschi gut durchgrfkihrt. - Es habe drei Klassen derselben gegeben: die erste habe alle diejenigen Gesetze und Gebräuche umfaßt, welche mit klaren Worten entweder in der Bibel verzeichnet, oder von Moses an von Geschlecht zu Geschlecht mündlich überliefert worden, waren; für letztere durste ihrem Wesen nach keine Bestätigung in .der Bibel gesucht werden, auch waren sie sonst mit der zweiten oder dritten Klaffe zusammengefallen. Die zweite Klaffe umfaßte alle Vorschriften, die nach der herrschenden Ansicht in den Worten der mosaischen Gesetzung involvlrt lagen und sich gelegentlich hernusstellten. Der Vers, sagt: im Geiste der mos. Ges., muß aber, wie auch die Schlußworte von §. 89 beweisen, den Text gemeint haben, weil sonst seine zweite Klasse gänzlich mit seiner dritten zusammen siele, und ja doch die als in den Worten Mosis involvirt angesehenen und durch die Middot deducirten Gesetze immerhin eine eigene Klaffe ausmachten. Dieser schiefe Ausdruck hat den Vers, auch verleitet, gegen sein besseres Wissen jenes „gelegentlich" nicht auf die Aert der Anwendung jener ekgenthümlichen talmudischen Exegese zu beziehen, sondern mit den auf David, Salomo, Hiskia k. zurückgeführten Einrichtungen in Verbindung zu bringen. Diese letzteren Einrichtungen gehören aber der dritten Klaffe an, welche die aus dem Leben und dem Charakter des Volkes hervorgegangenen oder durch Zeitumstande herbeigeführten rittpn und NNU umfaßt. Der dritte Abschnitte die Exegese des Talmuds, ist gelungen zu nennen. Um des Verfs. Ansicht kurz zu fassen: dem Talmud war es darum zu thun, die Gesetze und Gebrauche, wie sie sich einmal vorfanden, um jeden Preis in der Bibel nachzuweisen. Das Bestreben, dies durchzuführen, machte die Annahme möglich, die Ausdrucksweise der Bibel sei nun einmal „keine gewöhnliche, und das Wie und den Zusammenhang habe der Mensch nicht zu begreifen, das liege außer seiner Sphäre. ....... Zn diesem Streben wäre nun die größte Willkühr nicht zu vermeiden gewesen re." (§. 99). Indessen um ein solches Verfahren einigermaßen zu legalisiren, erzählt uns der Vers. §♦ 94 „die Bibel, selbst wie sie uns erscheine, könne nicht auf eine gewöhnliche Weise verstanden werden. Sie enthalte in der That, und zumal in den Gesetzesstellen, so viele Undeutlichkeiten und sogar Unbegreiflichkeiten, daß man gar leicht versucht werden dürste, ihr einen anderen als den gewöhnlichen Wortsinn, einen tieferen, besonderen bekzulegen." Seltsam daher, daß er §. 96 hinzufügt, in unüberwachten Stunden, und wenn kein besonderes Moment einer nüchternen Erkermtm'ß hemmend mtgegengetreten sei, habe die Gewalt einer natürlichen Auffassung gesiegt. Ja, um gewissermaßen jene Legalisation fortzusetzen, kommt er §. 117 auf seinen Liebling ssatz zurück, in jeder Exegese werde der Text gezwungen, dem einmal substituirten Inhalte sich zu fügen, und dieses bleibe der einzige Zweck der Exegese! Nein, auch ich möchte gern das Verfahren des Talmuds legitimsten, aber nun und nimmer möchte ich ihm zu Liebe die entsetzliche Behauptung unterschreiben. Das Schlußkapitel dieses Abschnittes und zugleich der ersten Abtheilung giebt endlich eine gelungene Eintheklung der Grundformen der talmudischen Exegese: 1) freilich auch diese Form, wie die folgenden, unter dem Einflüsse der talmudifchen Grundansicht von der Bibel angewendet. 2) Man untersuchte die Lehren, um .ihre Beziehungen zu einander, ihre Einwirkungen auf einander, die möglichen Schlüsse von den einen auf die anderen zu ermitteln, das sei Der Vf. macht hierbei die fruchtbare Bemerkung, daß man alle Gesetzesbestimmungen, auch wenn sie für Einzelfälle ausgesprochen warm, als allgerrreingiltl'g annahm; jedoch nicht, wie er meint, „weil Gott mit seiner Weisheit sie angeordnet, und alle eine tiefe Bedeutung haben" (§. 119), sondern wohl ursprünglich, weil man ihren Umfang nicht kannte, und lieber zu viel als zu wenig thun wollte, späterhin auch aus Formalismus, wovon nachher mehr. (Beschluß folgt.) 34-) Antrittspredigt bei der feierlichen Jntroduction in sein Amt als Rabbiner in Schwerin, am Sabbat <2. — Jakob und Israel. Predigt für den Sabbat n^l. — Die sittliche Reinigung des Menschen. Predigt gehalten am Sabbat DtSHD. — Das ganze Kleeblatt von Dr. Sam. Hold heim. Schwerin, 1841. bei C. Kürschner. Ueber das nutzlose, verderbliche Predigtdrucken von Unbefähigten und Unberufenen wird schon von vielen Selten her geklagt; seit Jahren schon hat fast jeder wissenschaftlich gebildete Rabbiner es sich zur Aufgabe gemacht, sich von dieser Verirrung fern zu halten, und wir bedauern, Hrn. Holdheim auch in einem solchen Irrwahn zu sehen. Wir Juden haben nur sehr wenige Männer, die durch ihr Talent der Beredsamkeit befähigt sind, .Predigten für's Volk drucken zu lassen; aber Hr. Holdheim wird selbst nicht so unbescheiden sein, sich zu diesen wenigen zahlen zu wollen, und überdies lassen diese wenigen Befähigten, mit Ausnahme des Dr. Salomon, ihre Predigten nicht drucken. Die Sucht, sich aus dem Titel einer Predigt gedruckt zu sehen, sich von einigen aus dem Lande Sabbat Nachmittags bewundert zu wissen, ist zu einer Krankheit geworden, die mehr noch als das Einhandeln des Doctortitels für 60 Tha- (er Aeugniß giebt von der niedrigen Stufe, aus welcher viele unserer Rabbiner noch stehen; und mit Recht betrachtet das jüdische Publikum, welches deutsch zu lesen versteht, viele der gedruckten Predigten nur als monia paupertatis. Aber nicht als Ieugniß der physischen, leiblichen Armuth dienen solche gedruckte Predigten; denn iw Gegentheil, in dieser Beziehung sind sie gerade ein Beleg für dm Wohlstand jener anmaßenden Schwätzer, die sie aus eigene Kosten drucken lassen, aber wohl geben sie ein Aeugniß von.der tiefen Geistesarmuth und von dem gänzlichen Mangel an Selbsterkenntniß. Mich dauert es, daß auch Hr. Holdheim, sich mit dieser leichtfertigen Literatur, mit diesen Ma-

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