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Der Orient · 1841-10-02 · Heft 40 (2.10.1841) · p. Seite 262

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 40 (2.10.1841)
Article
Jerusalem: Bericht
Date
1841-10-02
Page
Seite 262 (sequence 2)
Language
German
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262 versichern. Nachdem sie nun jahrelang von ihren hartherzigen Gläubigern unmenschlich.gedrückt wurden, sielen .sie f'n NUDH })m) in ihre Synagoge ein, verbrannten 40 heilige Gesetzrollen (^jd) und alle vorhandene Subsellien und nahmen die Vornehmsten ihrer Schuldner gefangen (vgl. nnNt!/), Dieser geräumige Hof lag nun ganz verödet, und seine zahlreichen Gebäude unter Schutthaufen. Endlich im Jahre }$pn im Monat jr>D schickten wir eine Deputation an Mehmed-Ali, den Vicekönig von Egypten, nach Alexandrien ab, die Zurückgabe des gedachten Besitzthuws unserer deutschen Vorfahren zu erwirken. — Es wurde unserem Gesuche, für welchessich die' dortigen zwei Generalconsuln von Oesterreich und Rußland sehr menschenfreundlich verwendeten, gottlob vollkommen willfahren. Der edle Greis nahm unsere Deputation sehr gnädig auf, und erklärte derselben, daß er ihrem Gesuche, nur mit der Bedingung willfahre, wenn sie auf genanntem Platze unter andern eine große prachtvolle Synagoge erbauen, damit das Andenken an feine Güte durch diesen Bau Ln Jerusalem gleichsam begründet werde und fort bestehe. — Sogleich erging der strenge Auftrag cm die hiesige Behörde , gedachten Hof unverzüglich zu unserer beliebigen Verfügung zu stellen, die darauf haftenden Schulden als gänzlich erloschen zu betrachten, und uns die diesfallsigen Schuldscheine (im Jahre jon ausgestellt, und vom erwähnten mirp '") nsann unterzeichnet) auszuhän-dkgen. Sämmrliche Konsuln dahier. wurden zum genauesten Vollzüge dieser Vorschrift und zur Handhabung der friedlichen Ordnung angewiesen; namentlich wurde i^pn hbkt PP der Konsul zu Jaffa hieher beordert, um die Befehle des Paschas zu vollziehen und den neuen Bau anzuordnen und zu leiten. Nun begann die Arbeit am benannten Platze mit Wegraumung des Schuttes, und es wurden sämmtliche ehemalige Gebäude vorgefunden, als die Synagoge, das Kellerbad (pppB) und einige dreistöckigen Wohnhäuser (noch in sehr gutem Zustande erhalten), ferner verschiedene von Verfasser des Liedes ahy Jim PP Unterzeichneten Urkunden aus den Zähren Es wurde nun eine große prachtvolle Synagoge darin erbauet. — Die jetzige bürgerliche Verfassung der Juden in Palästina läßt nichts zu wünschen übrig. Der Jude ist. zwar vom Militärdienste gänzlich befreiet, kann jedoch zu jedem andern Staatsdienste gelangen, und ist in jeder Beziehung den übrigen türkischen und christlichen Bürgern gleichgestellt. Außer einer jährlichen Kopfsteuer, Charag (nJtd)/ hat der Jude keine Abgabe zu entrichten. Er kann alle möglichen Gewerbe und Geschäfte treiben, und wenn es ihm zusagt, seinen Nahrungs stand beliebig ändern. Ansäffigmachungen sind unbeschränkt, von Schutz, Matrikel 2C. weiß man durchaus nichts. Sämmtliche hiesige Aerzte sind Juden. Der Türke studirt nicht Medizin. Selbst bei dem — auch aus auswärtigen Abgeordneten der Städte, wie EDjy und zusammengesetzten — Divan dahier, sitzt ein jüdisches Mitglied. Ein gewisser riß1?® '“l, ein kenntnißvoller, in großem Ansehen stehender Manu, welcher schon 2 Mal Deutschland bereiste, ist Vicedom -- Vikil genannt — gleichsam Stellverter des Konsuls, und steht mit diesem, ja selbst mit dem Pascha, in beständigem Rapport» Die Juden haben ihre eigene Jurisdiction (^^ minpi Dly)/ die bei allen Behörden in großem Ansehen steht. Nicht selten ziehet es der Türke, welcher mit einem Juden prozessirt und diesen eigentlich bei der weltlichen Behörde belangen sollte, vor, sich von der jüdischen Recht sprechen zu lassen. Wird jemand vom jüdischen Gerichte zur Gefangniß- oder Leibesstrafe — die dieses niemals selbst ausübt — verurthettt, so wird lediglich der Landesobrigkeit hiervon Anzeige gemacht, und diese vollzieht unverzüglich die ausgesprochene Strafe ohne die Angelegenheit im Mindesten zu untersuchen. Die jüdischen Richter verwalten ihr Amt ganz uncntgeldlich und es haben die Partheien keine amtlichen Gebühren zu entrichten. Der Türke hat namentlich gegen den Juden durchaus keinen Religionshaß. Der frommglaubige und Gelehrte —- Chacham — wird von ihm hochverehrt, während er den freisinnigen in Rcligionssachen tief verachtet. Er rechnet es sich zur größten Sünde, wenn der Jude durch ihn ein Rckigionsgesetz verletzen sollte. Will z. B. ein Jude aus Jrrthum Fett der. Kamele für Butter kaufen, die bekanntlich schr leicht mit jener verwechselt werden kann, so ruft er ihm mit größter Gewissenhaftigkeit zu: Charam, Charam I das ist dir verboten. — Jerusalem wird im Allgemeinen, selbst von Nichtjuden, heilige Stadt Al Kades genannt. Als Muttersprache der hiesigen Einwohner ist die arabische und spanische Sprache zu betrachten; die Sesardim sprechen spanisch. — Es befinden sich in Palästina noch Sprößlinge der berühmten Familen Karo, Luria, Atschech, Vital, Asulai, Misrachi rc. Jerusalem, das ungefähr 50,000 Seelen zählt, worunter 3000 Juden, ist bewohnt und wird stark besucht von Personen verschiedener Farben und Länder — als: aus Deutschland, England, Frankreich, Holland, Italien, Spanien, (Gibraltar), Ungarn, Polen, Rußland, Türkei, Amerika, Afrika (aus Egypten, Fetz, Tunis, Algier, Marokko Persien, (Babylonrc.) Palästina hat wenig Productioität und Fabriken. Der größte Handel wird mit England betrieben, jedoch auch mit Triest, Livorno, Venedig und Marseille. Die Waarenversendung nach dem Ausland besteht einzig und allein in Baumwolle, Seide und in Oliven und Sesamöl. Baumwolle wird nur in der Gegend von Sichern producirt, beide nur am Libanon; Oliven und Sesamöl hingegen im ganzen Lande. Die Umgebung und nächste Begränzung der Stadt Jerusalem ist außerordentlich öde und unfruchtbar; ebenso der südliche Theil Palastina's, das sogenannte min1 pbn; aber der Libanon, Damascus, Aleppo aottP QNtt und das übrige Syrien hingegen weit fruchtbarer und schöner. Bergwerke giebr es weder in Syrien, noch im ganzen türkischen Reiche, obgleich sich in den Bergen Syriens alle Arten Metalle vorsinden würden; allein die Bewohner verstehen nichts von der Bergbaukunst. Die gangbarsten Münzsorten in Syrien sind folgende: a) Para, sehr gering; 40 geben eimn Piaster (Groschen), d) Piaster, 47 geben einen Dukaten, o.) Turus Spania oder Realis im Werth von 22 Piaster. Es giebt auch: d) Bayerische Thaler — ebenfalls Realis genannt, gelten blos 21 Piaster. e) Duplon, die werthvollste Münze aus gediegenem spanischen Gold, 15 Realis an Werth. Es kursiven natürlich auch kleinere Münzen, als •§ | -§ rc. Piaster. Meinem früherm Versprechen gemäß habe ich vor einigen Monaten folgende Gegenstände an Dich, m. g. Bruder, über Egypten und Italien abgesendet, und bm überzeugt, daß diese Sendung so unbedeutend deren innern Werth auch sein mag. Dir dennoch nur willkommen sein kann, wegen der notwendig damit verbundenen heiligen Erinnerung. a) Verschiedene Erdarten von dem auf der östlichen Sekte von Jerusalem gelegenen Oelberg nrran NN, DTITH NN. b) Einige Steinarten 1) von dem Überreste des heiligen Tempels (imz??2 2) von dem Grabmahl des Propheten Sacharia; 3) von dem Denkmale DI^&tQN4 “P (vergl. Sam. 2, 18. 18.), nahe daran steht noch das uralte Slechenhaus (PMNN NO) in welchem der König ippty krank lag (vgl. Chron. 2, 26. 21.). Von diesen drei zierlichen Monumenten, welche am Fuße des Oelbergs in dem jetzigen Gottes-

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