Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 39 (25.9.1841)
- Article
- Dorsche Haddorot. Entwickelungsgeschichte des mosaischen Ritualgesetzes [Rezension]
- Date
- 1841-09-25
- Page
- Spalte 595-596 (sequence 2)
- Language
- German
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595 596 Dr. M. Creizenach; Entwickelungsgeschichte des mosaischen RitualgefttzeS. nen Thieren zu machen hattet „Die Menschen erhalten die sogenannten noachidischen Gebote, durch welche ihnen der Mord und der Genuß des Blutes untersagt und die Bestrafung des Mordes befohlen wird", wobei die Meinung des Talmuds von 7 Geboten verworfen wird (S. 5). „Abraham erkannte den Einzigen durch seinen frommen Ernst und die unverfälschte Reinheit seines Gemüthes, und wiewohl andere seiner Zeitgenossen, z. B. Malchizedek, zu derselben Einsicht gelangt zu sein scheinen, so machten doch die unerschütterliche Festigkeit von Abrahams Vertrauen und sein unbedingter Gehorsam gegen den göttlichen Willen, ihn der höchsten Bestimmung würdig, der Gründer zu werden einer Heiligen Glaubensgemeinde, durch die die Verehrung des Einzigen sich über alle Völker der Erde verbreiten sollte (S. 6). Gott erschien Abraham im Traume unter der Benennung Schaddai und schloß mir ihm einen Bund für ihn und seine Nachkommen, und zum Zeichen dieses Bundes wurde die Beschneidung eingesührt. Daß Abraham, fahrt unser Verfasser fort, noch andere Gebote von Gott erhalten habe, läßt sich nicht Nachweisen. Es heißt zwar Gen. 26/ 5. Er beobachtete meine Vorschrift, meine Gebote, meine Gesetze^ und meine Lehren,'dies kann sich aber auch ganz wohl auf die Pflichten beziehen, welche der Mensch durch Vernunft und sittliches Gefühl erkennt. So viel ist sicher, daß die mosaischen Ritualgesetze den Erzvätern noch nicht bekannt waren, indem diese mehreren derselben entgegen handelten. So sehr wir nun mit dem Hrn. Verfasser in diesem letzten Satze übeceinstimmen — und das muß ein Jeder, der die S. 7 aufgezahlten Beispiele in Erwägung zieht, — so entschieden erklären wir uns gegen die Behauptung, daß die Worte mim '»n'Jpn WO THOt^O sich auf die Pflichten der Vernunft und des sittlichen Gefühls beziehen,5 6 7 und wir finden diese Behauptung nicht minder sonderbar, als jene der Talmudisten, daß Abraham nny NW beobachtet habe; daß ferner „die Entrichtung der Zehnten an die Priester schon in der Familie der Patriarchen gebräuchlich war, und daß es Priester gab, bei denen . man Orakelsprüche holte" wie S. 8 behauptet wird^, möchte sehr zu bezweifeln sein. Denn erstens soll wahrscheinlich durch das 7oo Gen. 14, 20 moüvirt sein; allein ob hier das auf Abraham zu beziehen sei, ist noch die Frage und die neuern Uebetsetzer gaben es auch daher mit Recht schlicht weg durch „und er gab" wieder. Die zweite Behauptung stützt sich gewiß auf das nn» nK-ssrr£> “jbm Gen. 25, 22. 5) Vergl. unsere Kusari-LuSgabe S. 4t. Anm. 1'. 6) So lauter die Mendelss. Uebersctz. Hingegen gibt Zu.nz DPN richtiger durch weine Satzungen wieder;, man nrgl. Raschi zur Stelle, 7) Bergl. v. Bohlen Genesis S. 269. Aber schon Jonatan übersetzt dies richtig durch ->ZOo'p porn und Nachmani bemerkt zu dieser Stelle iwrn mao nS mrp m wr? DyoD, fennb pi nm ^sv Man vergl. auch Raschi und Raschbam daselbst. — Zu loben ist was der Verfasser Cap. 10—17 über die ersten Religionsgebote, die Kalenderbestimmung, das Pesachftst, die Heiligung der Erstgeborenen, die Verordnungen zu Marcch, den Krieg mit Amalek, Einrichtungen durch Jitro und den sittlichen und religiösen Zustand der Israeliten vor der Offenbarung am Sinai, sonst nur vergißt er auch hier wieder zuweilen seinen Standpunkt.. So z. B. wenn er S. 17 sagt: „Der Umstand, daß die Israeliten schon beim Auflesen des Mannabrodes die Sabbatruhe beobachten mußten, beweist nicht, daß der Sabbat schon vor der Offenbarung am Berge Sinai eingesührt war; denn der Befehl, eine Flasche voll Manna vor das Zeugniß niederzustellen, laßt vermuthen, daß nicht Alles, was vom Manna erzählt wird, schon in der Wüste Sinn vorgefallen ist." Was ist aber dann mit den Worten mp row praty tid nirpb Er. 16, 23, und das. mni om Mw -o 25. oder V. 29. rnt^n trh jni mir O anzufangen? Doch, wir gehen zum zweiten Zeitraum über. Was der Verfasser im Eingang zu demselben S. 21. und 22 sagt, können wir, mit Ausnahme, „daß die Bestimmung Israels war und ist, durch, ein lautes Bekenntniß, aber mit Vermeidung aller direkten Bekehrungsversuche, es dahin zu bringen, daß der Herr eins sei und sein Name eins", durchaus nicht billigen. Denn um zur klaren Einsicht zu gelangen, wie das Judenthum von den verschiedenen Generationen, durch welche es ging, ausgefaßt und entfaltet wurde, ist es durchaus unumgänglich nöthig, zuerst dessen Idee zu erforschen, wodurch sich auch zeigeü würde, daß das religiöse Element zu keiner Zeit in'den politischen Schicksalen der Nation ganz im Hintergründe ruhete, wie wir uns hierüber in diesen Mattem 8 bereits ausgesprochen haben. Wir müssen aber gestehen, daß uns die nächstfolgenden 38 Ca« pitel im höchsten Grade befriedigt und deren Inhalt uns zum Theil überrascht habe, daß wir Zuweilen die Zartheit, Innigkeit, Tieft, Hoheit und Bestimmtheit des Ausdrucks und der Darstellung- sowie die Fälle des Joeenrei.chthums bewundern mußten, daß wir bei dauernder Betrachtung immer neue Reichthümer in dem Gelesenen entdeckt haben,, zu denen d-er erste Eindruck nur die Grundlinien lieferte. Im Einzelnen jedoch hätten wir so manche Ausstellungen zu machen. So heißt es S. 28: Bei diesem Feste (Bundesschluß) drängten sich im Taumel der Lustigkeit mehrere der anwesenden Jünglinge vor, vermuthlich auch Nadab und Abihu, welche bei der Einweihung der Stlftshütte wegen eines ähnlichen Frevels bestraft wurden, und sie schaueren, ft weit es Ihnen 8) LB. des Orients 1849. Nr. 14 u. 15.