Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 38 (18.9.1841)
- Article
- Die Psalmüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung
- Date
- 1841-09-18
- Page
- Spalte 581-582 (sequence 3)
- Language
- German
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581 Psalrnüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung. 682 cs umgekehrt sonderbar, daß nie in den Psalmen selbst <jnes der in den Ueberschriften genannten Instrumente vorkommt. Man wäre fast versucht, diesen Theil der Ueberschriften einer so jungen Zeit zuzuschreiben, daß in ihr die Bestandtheile und die Namen der Instrumentalmusik sich gänzlich geändert hatten. Allein dieser Annahme steht so manches entgegen, was uns das Alter dieser Instrumente höher hinauf zu rücken nöthigt. Der Chronist, der noch nicht jünger ist, als alte Psalmen, kennt mehre dieser Namen, wie hy, n^, -aber die Art und Weise, wie er davon-spricht, läßt fast vermachen, daß er nicht mehr recht mit ihnen vertraut war; daß er sie nur. aus den Ueberschriften und anderen ihm vorliegenden Quellen kannte. Waren jene Instrumente zur Zeit des Chronisten noch in starkem Gebrauch gewesen, so hatte er sie gewiß öfter zur Ausschmückung seiner Tempelfeierlichkeiten benutzt. Hierzu kommt, daß das Verstandniß dieser Namen schon im letzten (vielleicht schon im vorletzten Jahrhundert v. Chr.49) ganz erloschen scheint. Die LXX, die freilich keine Palästinenser, aber doch,^wie aus der jedem Wochentage sein Lied bestimmenden Ueberschriften hervorgeht, mit dem Tempelritus bekannt waren, sind bei Ueberrragung dieser Namen von aller Tradition verlassen, und verfehlen theils durch zu wörtliche theils durch allegorische Erklärungen den Sinn gewöhnlich ganz. Ein Gleiches findet bei dem Targumisten statt; und wenn auch dies bei einem so jungen Uebersetzer uns nicht wundern sollte, so weiß man doch, wie genau sich die Targumm an die alteren Traditionen anzulehnen pflegten, und daß sich ihre Erklärungen gewöhnlich in den andern Midraschim wiederft'nden. 50 Aber in der That findet man in den talmudischen Schriften fast nichts, was zu einem rationellen Verstandniß dieser Ueberschriften dienen könnte, und spurlos scheint alle traditionelle Kenntniß davon verschwunden zu sein. In Verbindung hiermit steht der Umstand, daß wir bei aller Achtung vor der masoretischen Dokalisation, doch nicht umhin konnten, uns an meh- .rcn Stellen gegen dieselbe, sowie auch einmal gegemdie Accentuation zu erklären, und das nicht ohne Grund, wie an seinem Orte dargethan worden;UI auch ein Zeichen ermangelnder Tradition. Endlich bemerkt man, daß sich die meisten musikalischen Ueberschriften, und vorzüglich ft'&üh52 m den älteren Theilen des Psalm- 49) Vgl. Anm. 45. 50) Wir haben daher fleißig das Kargum mit den Erklärungen Raschi's, vorzüglich, wenn dieser Hcrgada's citirt verglichen. Denn da Raschi nichts von einem Targum der Psalmen wußte (zu Meg. 21 a sagt er QWTl pN), so kann eine solche Übereinstimmung mit dem Targum nur aus der Benutzung einer gemeinschaftlichen Quelle, die wohl auch sich Nachweisen ließe, erklärt werden. 51) S. .»ufttf, mohy, jim 52) Wir haben dies Berhältniß in Beziehung auf n&D1? bucheß ungleich häufiger finden, als in den jüngeren; ein Judicium, das uns schon mehre Male bei Altersbestimmungen von Ueberschriften iw Allgemeinen leitete. — Alle diese Momente, die jedes für sich allein unbedeutend, können zusammengenommen vielleicht doch dazu dienen, einiges Licht über einen Punkt zu verbreiten, der ganz in Dunkel gehüllt ist, und wohl nie ganzaufgeklärt werden wird. Nach dem Gesagten, dürfte es nicht sehr gefehlt sein, wenn wir den Gebrauch dieser Instrumente und daher auch den Ursprung der zu ihnen gehörigen Ueberschriften in das letzte Jahrhundert vor und die beiden ersten Jahrhunderte nach dem babylon. Exil versetzen. Es war zu dieser Z§it die Tempelmusik zu einem nicht geringen Grade der Vollkommenheit ausgebilder, wie die Chronik (z. B.) .1 Chr. 15. 25 rc.) und die aus Tempelseier sich beziehenden Psalmen (95 —100. 105—107. 113. 116—118. 134—136. 146 —150), die größtenteils in jene Zeit Hinaufteichen, bezeugen. Daß die in den Ueberschriften genannten Namen eben so wenig ln den Ps. selbst, als die in diesen (und sonst) gewöhnlichen Instrumente in den Ueberschriften Vorkommen, muß nach unserer Ansicht nicht gerade ein Zeichen der tiefsten Jugend sein, sondern läßt auch noch eine andere Erklärung zu. Die Namen nuD u. dergl. bezeichnen größtentheils mehr Klassen von Instrumenten, als einzelne Instrumente selbst, und bedürfen bei einem nur irgend leidlichen Orchester doch irgend einer genauen Bestimmung, Bei- und Unterordnung. Wenn daher die Ueberschriften einmal für die Musiker, bestimmt waren, und ihren Zweck erfüllen sollten, so war es eben so unpassend den allgemeinen Namen des Instruments anzugeben, als es unpoetisch ist, in einem Hymnus genau, wohl gar mit der technischen Bezeichnung, das Jnstrumant zu bestimmen, womit gespielt werde. Was dort nothwendig, war hier dem Eindruck schädlich. 4) Bestimmungen der Lieder. Es bleiben uns nun noch einige Ueberschriften, die irgend eine Bestimmung des Liedes zu einem gewissen Zweck enthalten, und die wir hier nur aufzuzahten haben. Ps 30. rp2i1 röjn (yw tanpiD) „(Lied) bei der Einweihung des Hauses"; dem Inhalte nicht sehr entsprechend. Es bleibt unentschieden, ob der Ps. uns zur Einweihung eines neuen Hauses bestimmt worden. Daß die letztem auf irgend eine Art begangen wurde, lehrt Deut. 20, 5; auch übergehen die historischen Schriften in Anm. 48 dargesiellt. Namen von Instrumenten finden sich bei 7 Ps. des ersten Buches (4. 5. 6. 8. 9. 12. 22), bei 13 Pf. des zweiten (45. 46. 53—6t. 67. 69) und 5 des dritten (75. 80. 81. 84. 88); gar keine im vierten und fünften Buche. 38*