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Der Orient · 1841-09-04 · 36 (4.9.1841) · p. Spalte 549-550

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
36 (4.9.1841)
Article
Die Psalmüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung
Date
1841-09-04
Page
Spalte 549-550 (sequence 3)
Language
German
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549 Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung. 550 der Parchie der chronistischen Geschichte, das am meisten dem kritischen Gefühle des unbefangenen Lesers verdächtig wird, nämlich das in der Geschichte der gottesdienstlichen Einrichtungen Davids. Es kann hier nicht der Ott sein, näher darauf einzugehen, wie sich der David der B. Sam. und Kön. zu dem David der Ehr. verhalte; wir müssen vielmehr, um unseren Standpunkt im Allgemeinen anzugebm, auf die in neuerer Zeit erschienenen kritischen Werke über die Chronik (Gramberg, Zunz, Movers, vgl. De Wette's Einleitung in das A. T. 5 Aust. 1840.) verweisen, und können nur das hervorheben, was uns besonders wichtig erscheint, oder von den Ansichten der genannten Gelehrten abweicht. Während die B. Sam. u. Kön. von einer eigentlichen gottesdienstlichen Einrichtung Davids weiter nichts wissen, als daß er unter dem Schall mannigfacher Instrumente die Bundeslade nach Zion geschafft und ihr ein Zelt errichtet habe, werden uns in der Ehr. sehr weitläufige, mit genauen Geschlechtscegistern belegte Beschreibungen der dabei veranstalteten Festlichkeiten gegeben; die Eintheilungen der Leviten, ihre verschiedenen Oberhäupter, das einem jeden zukommende Amt wird wiederholt, und oft sich selbst widersprechend aufgezählt. Wir können uns, obgleich den Charakter der Chronik im Allgemeinen für unhistorisch anerkennend, nicht ohne Weiteres entschließen, diese Erzählungen und Geschlechtsregister als Erdichtungen der Chronik anzusehen, aber eben so wenig diese Einrichtungen alle der Davidischen Zeit zuschreiben. Es ist höchst sonderbar, daß von allen diesen Institutionen, die gelegentlich auch einmal (1 Chr. 9, 22) auf Samuel zurückgeführt werden, nicht nur nichts in den B. Samuel und Kön. erwähnt wird, 6 sondern daß auch in der vorexilischen Geschichte sich so höchst wenige - Spuren von Tempetmusik und Levitenchören finden. Beim Bau des Tempels wird nicht im Mindesten auf die nach der Chr. von David getroffenen Einrichtungen Rücksicht genommen; keines Platzes gedacht, wo die Sänger stehen konnten; bei der großen Feier der Einweihung des Tempels erscheint kein Sänger, kein Levit (nur 1 Kön. 8, 4), keine Musik, und bei dem Bericht, daß Salomo aus dem Almuggimholz, daß er von den Phöniziern erhielt, Harfen und Flöten für die Sänger gemacht (1 Kön. 10, 12), findet es Raschi für nothig, hinzuzufügen, daß sie für die levitischen Sänger bestimmt gewesen. Denn aus dem Text geht nicht einmal hervor, daß sie für die Tempelmusik gebraucht wurden; man konnte eher mit 2 Sam. 19, 36 an königliche Hofsänger denken; in den Propheten sind 6) Man. pflegt diese und ähnliche Verschiedenheiten dem Umstande zuzuschreiben, daß es nicht im Plane der B. Sam. und Kon. gelegen, diese Institutionen zu erzählen, und begeht dabei den Fehler, das was der Chronik Plan war für Nicht, plan der B. Sam. zu halten. höchst seltene Spuren von Tempelmusik,1 obgleich oft Gelegenheit gewesen wäre, z. B. Joel 1, 13 ff. u. dgl. — Erst nach dem Exil zeigen sich glaubwürdige Quellen über Sängerfamilien, und wenn wir nicht annehmen können, daß diese Institutionen sich im Exil gebildet, so ist es nur denkbar, daß sie etwas über dasselbe, vielleicht nicht über Josia Hinaufteichen, nämlich als wirkliche Institutionen. 8 Auch gehört das ganze Sprachgut der Tempelmusik (DTOJö, O'bwüf mpShd, Önmitfö, eben so die meisten Jnstrnmentmnamen) der spätesten Epoche der hebr. Sprache an, und weist uns nicht über das Exil zurück. — Alle diese Dinge stehen aber, wie schon gesagt, mit der Kritik des geschichtlichen Charakters der Chronik in zu enger Verbindung, als daß wir hier außer diesen Andeutungen mehr als die Resultate geben könnten, während wir uns die Belege dazu auf ein anderes Mal versparen. Unsere Ansicht über die levitischen Sänger, die in den Psalmüberschriften genannt werden, ist folgende: Asas, Heman, Etan, Jedutun sind Namen von Dichtern und Sängern, die in einer durchaus nicht näher zu bestimmenden Zeit, jedenfalls aber vor dem 7 8 9 gelebt haben, und deren Ruf der Nachwelt -— nach einem verjüngten Maßstabe — ungefähr in einem solchen Lichte erschien, wie das des königlichen Sängers, Dichters und Harfenspielers David, dem fast Alles beigelegt wurde, was die Nachwelt an lyrischer Poesie als herrenloses Eigenthum überkam. Und so wie die Geschlechtsregister der levitischen Sänger, nach ihren verschiedenen Abtheilungen, wie sie der Chronist aufzuzählen und wieder aufzuzählen gar nicht ermüdet, nicht erdichtet sind, sondern von dem compilirenden Chronisten vorgefunden, aber in eine Unrechte Zeit versetzt und daher eben so in fortwährendem Anstoß mit dm echten Quellen erscheinen, wie sie den Leser verwirren und den historischen Standpunkt verrücken 10, so hat auch der Chronist die Namen 7) Jes. 30, 29. Ier. 33, 11. Vgl. Num. 10, lu. 8) Vgl. unten Anm. 25. 9) Reh. 7, 44. 1 Chr. 9, 16. 10) Das Gesagte dürste sich vorzüglich durch die aufmerksame Lesung von 1 Chr. 9 rechtfertigen. Es fängt an mit einer Liste der zuerst nach Jerusalem zurückgekehrten Exulanten, von denen sich mehre in dem parallelen Register Esr. 2. Nehem. 7 wiederfinden, beschreibt vorzüglich den Dienst der Thorwachter, so wie das Amt jeglicher Levitenklasse, und man würde gar keinen Grund haben, an eine andere Zeit als die Esra — Nehemianische zu denken, wenn nicht zuweilen (v. 19. 23) vom Stiftszelte gesprochen würde. — Noch deutlicher wird dies 1 Chr. 26, wo in die Geschichte David's und als von ihm ausgehend wieder eine Levitenordnung angegeben wird; wo auf Lokalitäten Bezug genommen wird, die zum Theil (wie ms v. 15. 17. vgl. Neh. 12, 25.) nachexilisch, zum gröpen Theil wenigstens nachsalomonisch sind (z. B. die Namen der Tempelthore, die zu David's Zeit noch nicht da waren, wahrscheinlich aber auch dem zweiten Tempel angehö- 36*

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