Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 36 (4.9.1841)
- Article
- Die Psalmüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung
- Date
- 1841-09-04
- Page
- Spalte 547-548 (sequence 2)
- Language
- German
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547 Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung. 548 gerichtet denken, wenn auch diese Auffassung für die Kritik, bei der sonstigen Verdächtigkeit der Ueberschriften, die z. 35. durch den Inhalt von Ps 20 gesteigert wird, einen höchst geringen Werth har. — Mehr Aufmerksamkeit dagegen erfordern Ueberschriften, welche mehre Männer nennen. Hierher rechnen wir: 1) die — weiter unten anzugebenden — Ueberschriften, bei welchen die Söhne Korach insgesammt Zheil an der Abfassung des Psalms haben, und daß „einer der Söhne Korach" sie verfaßt, steht nicht im Texte. 2) Diejenigen, welche zwei Männer nennen, so 39. 60. 77, wo außer David und Asaf noch Zedutun, und 88, wo neben Haman noch die Söhne Korach Vorkommen. Hier haben wir wohl ein Recht, uns die Beziehung der einen Person zum Psalme als eine andere von der der Abfassung zu denken, da sich doch nicht glauben laßt, daß ein Ueberschreiber denselben Psalm zwei Personen zuschreiben würde, sei es nun, daß die ganze Ueberschrift von demselben, oder von verschiedenen Ueberschreibern herrühre. In dem Falte, wo zwei Personen genannt sind, haben wir den, welcher dem Psalm selbst näher steht, für den Vers, (im Sinne des Ueberschreibers) zu hatten, also bei Ps. 39, 62 David, 77 Asaf, 88 Heman. Was mit dem ersten der Ueberschrlebenen und mit den Söhnen Korach überhaupt anzusangen sei, ergiebt sich leicht aus dem, was wir sonst über diese Männer wissen, so wie aus der Beschaffenheit der Ueberschrift selbst. Jedutun und Söhne Korach werden uns in der Chr. gerade nicht als Dichter, sondern als Sänger, als Chorführer bei den Tempelgesängen vorgeführt (s. weiter unten), und die Dermuthung liegt sehr nahe, daß die Ueberschrift von der Thatigkeit dieser Männer, die bei Absingurig jener Psalmen den Chor leiteten, herrühre; daß also die Psalmen außer andern Spuren auch diese seines Gebrauches bei dem Gottesdienste behalten habe. 2 Diese Vermuthung wird dadurch bestätigt, daß der Name der Bene Korach unter 11 mal, die er vorkommt, 9 mal mit und 2 mal, wo dieses fehlt, mit "W -ilDTD gefunden wird. Jedutun kommt nur in Begleitung von vor, und zweimal (62, 1. 77, 1) heißt es sogar: ]inrr by, wo man sich vielleicht ein Verbum wie by mpEn zu ergänzen, oder an die, vorzüglich bei der Chr. sehr beliebte Wendung by 6d 1' zu denken hat (Vgl. 1 Chr. 6, 16. 25, 3 ]inrp dhon m by* 2 Chr. 17, 15. 16. 18.). Ob ein Gleiches auch von Asaf, Heman, Etan zu denken sei, die uns gleichfalls nur aus den in der Chr. beschriebenen Tempelfeierllchkerten bekannt sind, ist eine andere, nicht zu entscheidende Frage, da uns hier alle jene Beweisgründe verlassen, die wir bei Jedutun und Bene Korach hatten, b — Gehen wir fetzt zu den Männern selbst über. 2) Vgl., oben Ende des ersten Abschnittes. 3) Die LXX nennen bei Ps. 137 außer Davids Namen Moses wird bei Ps. 90 genannt, und zwar mit dem Zusätze mntan der sich außer der Ueberschrift seines letzten Segens (Deut. 30, 1 nur noch Jos. 14, 6 und 1 Chr. 23, 14. 2 Chr. 30, 16. Eft. 3, 2 findet. Ueber Moses selbst haben wir nicht nöthig ein Mehres zu sagen; ob ihm Ps. 90 gehöre, hat die Kritik der Ps. zu entscheiden. Den Namen Davids tragen 73 Psalmen an der Spitze, nämlich im ersten Buche alle mit Ausnahme von 1. 2. 10. 33.; im Zweiten: 51 — 65. 68—70; im dritten: 86; im vierten: 101. 103; im fünften: 108—110. 122. 124. 131. 133. 138—145. * Ueber David als Regent haben wir hier nichts zu sagen; über David als Dichter haben wir oben (im ersten Abschnitt S. Orient i840, Nr. 51) einige nöthig scheinende Andeutungen gegeben; über seine gottesdienstlichen Einrichtungen werden wir bei den levitischen Sängern einige Worte sprechen. Salomo wird bei Ps. 72 und 1275 genannt. Asaf findet sich in den Ueberschriften von 12 Ps. (50, 73 — 83) Heman 88, Etan 89, Jedutun 39. 62. 77., Bene Korach bei 11 Psi (42. 44—49. 84. 85. 87* 88.). Was die Lebensverhältnisse dieser sogenannten „levitischen Sänger" betrifft, so lassen sie sich um so leichter in eines zusammenfassen, als sie alle Ein Schicksal theilen. Ueber sämmtliche nämlich giebt nur (außer 1 Kön. 5, 11) der Chronist in der Chr., Esia und Nehemia Aufschluß, aber dem Charakter dieser Bücher gemäß, höchst verwirrt und unvollständig. Wenn auch sonst schon die Benutzung der den Chr. eigmthümlichen Nachrichten nur mit der größten Vorsicht geschehen darf, so ist dies in erhöhetem Maße hier der Fall; denn das über die levitischen Sänger erscheint gerade in noch Jeremias und bei 138 noch Haggai und Zacharia, welche beide Namen ohne David bei Ps. 146—148 stehen. Es ist nicht bestimmt zu entscheiden, was diese doppelte Ueberschrift bedeuten solle. Denn wenn man auch gar annimmt, daß Haggai und Sacharia als Verf. eines Psalms dargcstellt werden sollen, so kann dies doch nicht eben so auf David, und auf David und Jeremias, die nicht wie Haggai und Zacharia durch xal verbunden sind, ausgedehnt werden. Virlleicht laßt sich diese Zuschreibung an mehre Verfasser mit dem talmudischen Ausspruch (.Baba batra 148): "p "BD 3TO IN 'Ul p“ia WD1 ilBWin DIN D’jpr jxwy combmircn, so wie dies N' by nur so aufzufassen ist, daß David die von den Alten gedichteten Psalmen durch den heiligen Geist restaurkrt habe, so scheint auch bei den LXX Jeremias und die beiden nachexilischen Propheten als Restauratoren jener Davidischen Gesänge gegolten zu haben. (Man vgl. auch die häufige talmud. Phrase:• nmi mm TOt#, die vom Largum, von den Finalbuchstaben u. dergl. gesagt wird.) 4) Bei den LXX außerdem noch 33. 43. 67. 71. 91. 93. 94. 95.-99. 104. 137; dagegen fehlt Davids Name bri ihnen 122. 127. 131. 133 (lauter Stufenliedern). 5) Auch bei diesem Stufenliede fehlt bei LXX Salomo"s Name.