Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 36 (4.9.1841)
- Article
- Die Psalmüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung
- Date
- 1841-09-04
- Page
- Spalte 545-546 (sequence 1)
- Language
- German
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für jüdische Geschichte und Literatur Leipzig, den 28. August L841. -«—? Abhandlung. Die PfcMnüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung Dritter Abschnitt. I. Namen von Männern in den Überschriften. — L i t. Ue der sichten. Die Landau'sche Pracht - )Lusgabe des Talmuds in Octav-Format. Der Umfang der Ausgabe. — Der Charakter Esau's, von H. Hochheimer in München. Mit Bezug auf ein altes Vorurtherl. — Lit. Anzeigen. — Die Psalrrmb erschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Beziehung. Dritter Abschnitt. Wir behandeln in diesem dritten Abschnitt die Psalmüberschriften, in. sofern sie Beiträge zur Archäologie der Hebräer, und zwar vorzüglich zur Kenntniß des Gottesdienstes derselben liefern. Deswegen haben wir hierher auch die in den Ueberschriften genannten Männer gezogen; aber diese können hier nur in so fern erwähnt werden, als sie in Verhaltniß zu der (religiösen) Poesie der Hebräer stehen, während die Kenntmßnahme dieser Männer in sonstiger Hinsicht der Geschichte der Hebräer anheimfallt. Um so mehr aber glauben wir diese Eintheitung rechtfertigen zu können, als em großer Theil der in den Ueberschriften genannten Männereben nur in denselben und, wo sie sonst Vorkommen, nur in Beziehung auf den Gottesdienst Vorkommen. Unser Stoff läßt sich alfo. hier in folgende vier Rubriken bringen: 1) Namen von Männern; 2) Namen von Liedern; 3) Namen von, Instrumenten; 4) Namen und Bezeichnungen, die auf Melodieen oder Bestimmung des Liedes für irgend einen Zweck hindmten. 1) Namen von Männern. In den Ueberschriften werden genannt: Moses, David, Salomo, Asaf, Heman, Elan, Jedutun, Sohne Korach. Es fragt sich nun zuerst, wie man die Beziehung zu verstehen habe, in welcher, nach dem Sinne des Ueberschreibers, der überschriftliche Name zum Inhalte stehe. Äie einfachste und natürlichste Auffassung ist die, nach welcher die überschriebenen Namen den Verfasser bezeichnen sollen; daß also die mit nrb überschriebenen Psalmen von David, die mit von Asaf herrühren sollen. Diese Auffassung wird nicht nur von dem hebräischen Sprachgebrauch überhaupt, und durch Parallelen (z. B. Hab. 3, 1. nbsri, Gebet des Habakuk u. dergl.) gerechtfertigt, sondern geht auch aus gewissen Psalmüberschristen (wie 7, 1 'rb iw im.irh {W* 18, 1. riNin rnw nm dn 'nb m im mb] vgl. besond. die historischen Ueberschriften) mit Nothwendigkeit hervor, und berechtigt uns daher überall, wo wir den Namen eines Mannes mit b in der Unterschrift vorsi'nden, anzunehmen, daß dieser Psalm von dem Genannten herstammen solle. Nur in gewissen Fällen könnte man sich veranlaßt glauben, diesen Sprachgebrauch zu verlassen und an eine andere Beziehung zu denken. Keineswegs rechnen wir aber hierher diejenigen Fälle, wo es selbst dem oberflächlichsten Leser auffallen muß, daß der Psalm von dem überschriebenen Dichter um Jahrhunderte entfernt sei (wie 51, 20. 69, 36. 79, 1 rc.), wo man also meinen könnte, der Vers, des Psalms habe dieUeberschrift imSinnevon „aufDavid", „nach Art Davids" hinzugefügt.1 Denn da wir uns klar zu machen gesucht, wie so viele Ps. zu falschen Ueberschriften gekommen sind, so kann uns jene Jnconvenienz nicht veranlassen, eine zweite zu begehen und dem Sprachgebrauchs mittelst solcher Auffassung Gewalt anzuthun; auch wird sie schon dadurch widerlegt, daß der Ps. einerseits gewöhnlich in der 1. Person spricht, von sich klagt, für sich betet, und andererseits die unbekannten Verfasser sich nicht die mindeste Mühe geben, sich in die Person David's hineinzudenken. Höchstens solche Psalmen, wo der Vers, eine Person anredet (20. 21. 72.), könnte man — im Sinne des Ueberschreibsrs — als an die Person.. 1) Joel Löwe zu Ps. 74, 1. 42, 1, und m der Einleitung zu seinem Commentar. #>- 36