Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-08-28 · 35 (28.8.1841) · p. Spalte 531-532

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
35 (28.8.1841)
Article
Das Glaubensbekenntniß der Zenobia, Fürstin von Palmyra
Date
1841-08-28
Page
Spalte 531-532 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
80% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897481-2366217--1644-2366246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

532 531 Das Glaubensbekenntnis der Zenobia. Ein Blick auf die Geschichte ihrer Zeit. Longin war, mußten ganz nach römischen Branche 4) sich tragen und der römischen Sprache 50 sich bedienen (Timolaus soll es mit einem römischen Rhetor^ haben aufnehmen können); sie heirathete nach ihrer Gefangenschaft einen Römer62, lebte wie eine römische Matrone 53 und hinterließ eine zahlreiche römische Nachkommenschaft. ö4 Ich bin überzeugt, daß bedeutender Scharfsinn hier keine Spur von jüdischem Leben aufsinden wird; ich will an diesem Orte noch das, was über die palmyrenische Religion die erwähnten Autoren geben und neuere Forscher bestimmt haben, kurz zusammenfaffen. Bei Vopiskus finden wir jenen prachtvollen Tempel der Sonne, den Aüreliän, der eifrige Sonnendiener, wiederherstellm lassen will 55 und einen gleichen in Rom erbaute ^6. Spott, in seinen Recherches curieuses iVAutiquite p. 65. (siehe Catmasi'us zu Vop. Aurel. 31) nennt ihre Götter Sonne und Mond, Malachbelus und Ansßibelus und auf Inschriften werden noch mehrere Götter genannt, 48) Lreb. Pollio. in Hei&nnianus „paroulus i.mperatoris llomaai hubitu“. 50) Treb. Pollio in der Zenobia. „Filios latine loqui jusserat.“ 5J) Treb. Pollio im Timolaus „uniim tantum est,- quod cum a fiatre separat, quod tanti fuit ardoris ad studia Romana nt brevi cousequutus, quae insinuaverat Grammaticus. esse dicatur;. potuisse quin etiam summum Latinoreni rhetorem faeere.“ 52) 8) ne. Chronogr. p. 385 „ZrjvoßCocv de %siq(ogccfisvog eig 'PcStLTjV riyays % cd cpilcivd'QooTcig, %Q7]Gocy,svog Tiollrj GWCLTtZSL 'ECiVZTJV X CO V sv y £ Q 0 V 6 i cc.u 53) . Lreb, Pollio in der Zmobia „Ferturque yixisse cum iiberis, matronae jam more Roman ae.u 54) Was ihre römische Nachkommenschaft betrifft, die noch zur Zeit des Valens existirt hat, denn in dieser Zeit lebte Eutrop (9, 9. Zenobia autem posteros, qui adhuc manent, Romae reliquit.), so supponirt Baron (annal. ecoles. vol. 3. p. 190.), daß Aenobius, Bischof von Florenz, eine Nachkomme von ihr sek (er war ein Zeitgenosse des h. Ambrosius, siehe Tillemont vol. 3, p. 388 und Gibbon hist, of the fall and decUne of the Roman empire, tom. 2. p. 412. not* 82. zum 11. Buch.); allein diese Annahme, welche schon Basnage annal. eccles. vol. 2, p. 426 wiederlegt, scheint blos auf Namensahnlichkeit begründet, die wahrscheinlich ihren Grund darin hat, daß er diesen Namen für einen seltenen hielt. Das ist aber keineswegs der Fall. Lac. Ann. 12, 51 nennt die Gemahlin des Armeniers Rhadcmnstus Zenobia, E.uselu 8, 13 einen ausgezeichneten Arzt Zenobius und einen Märtyrer zu Diocletians Zeit, desselben Namens, den auch Niceph. Call. 7, 16 erwähnt, der auch einem Schüler des Polygraphen Ephraim Zenobius nennt 9. 16. Photius Bibl. 228 nennt einen Emisener Zenrbius, gegen den der Patriarch von Antiochren Ephremius geschrieben hat. Auch die Gemahlin des Kaisers BasiliscuS soll Zenobia geheißen haben und endlich nennt ja Baron selbst vol. 3 zum Jahre 285 eine Zenobia die Gemahlin eines Bischofs. - 55) Flau. Vop. Aurel. 31. — 56) Flav. Vop. Aurel. 39. — die wahrscheinlich identisch mit Jetten si'nö^ Am besten setzt dies auseinander in wenigen Worten Rob. Wood in den Ruinen von Palmyra p. 21. „oft saä que la religion des Palmyreidens ei all la Ramme ci il parait par la magnificence exLraordinaire du lemple du soleil, qu'ils rendoient un graud honneur ä cetle divimle 5cela leuf eloit commtin avec le$ penples de la Syrie> dont ils eloient les plus votsins.“ cf’. Eckhel doctr. nummor. voL 7, p. 483. — Wenn wir endlich das politische Leben auffaffen und das Verhältniß, in dem Zenobia zu Persern und Römern, zu Juden und Christen stand, so möchten wir vielleicht eine schlagende Bestätigung unserer Behauptung finden. Die heftigsten Feinde des sinkenden Römerreichs waren im Osten die Parther, dann die Perser. Die Römer verfolgten die Juden, welche auch sie haßten, die Perser jedoch, auf diesen gegenseitigen Haß bauend, schenkten den Juden größeres Vertrauen (Jost Gesch. d. Israel. rc. B. 4. p. 304.); „der Haß, den die Juden gegen die Römer hegten, erwarb ihnen auch mehr Vertrauen von Seiten der Perser und konnte man sie als einen guten Erwerb für den Staat betrachten, dem die Römer in dieser Zeit scharf zusetzten." Der palmyrenische Staat, der wie Pliniusö? sagt, auf der Scheide des Römer- und Perserreichs lag, trat immer den Persern feindlicher entgegen als den Römern; denn dieser mußte schon die Nahe der Perser, welche kaum ihre Niederlage durch Odenat verschmerzt hatten und daher Rache fürchten. Auch war ja der Grund des Krieges ein Umstand gewesen, der das Haus des Odenat unversöhnlich gegen die"' Perser machen mußte. Die Römer jedoch waren weit entfernt und zerrissen durch die verderblichste Vielherrschaft 58, tmb wenn Äurelian auch spater gegen die Palmyrener zu Felde zog, so hat das keine politische Bedeutung in.dem Hasse zwischen Perser und Palmyrener. Denn Aenobia hatte, um ihrer Herrschest sowohl gegen ihre UnterharUn als gegen die Perser eine gewisse Rechtmäßigkeit zu geben und so ihre Herrschaft nach innen und aussen zu sichern, alles aus römischen Fuß eingerichtet, wie ich schon erwähnte, ihre Kinder auf römische Weise erziehen lassen, prangte mit dem Namen Augusta und behauptete ganz die römische Politik. Aurelian jedoch betrachtete sie wie jeden der 19 Tyrannen, und indem er gegen sie zu Felde zog, so rhat er dies wie gegen einen Nebenbuhler. Ich glaube daher 57) Plin. hist, natur. Hb. 5, 25. „Palmyra. privata forte inter d'uo imperia summa Romanortim Parthorumque etc. 58) Zenobia scheint das selbst zu sagen: Treb. Pollio in der Zcnobia „Imperatoren» te (Aurelianum) esse cognosco qui vineis; Gallionuni et Aureolum et caeteros prineipes non pufcavi.“

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.