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Der Orient · 1841-08-28 · Heft 35 (28.8.1841) · p. Seite 234

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 35 (28.8.1841)
Article
Palästina: Uebersicht der Küstenstädte Palästina's ...
Date
1841-08-28
Page
Seite 234 (sequence 2)
Language
German
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234 ches die Ebene beherrscht. Dieser Weg schlingt sich sodann um den Fuß des Karmel und senkt sich gegen Khaifa, das im Grunde einerBucht liegt, die mehrere Bache in-sich aufnimmt.. Der andere Weg nach Akka ist von dem erwähnten Dorfe Kakun durch die Schluchten des Karmel, dem Laufe des Kischon nach Khaifa folgend. Khaifa (Chaifa nö'n) ist jetzt eine kleine Stadt auf der Südseite des Meerbusen von Akka mit 3000 Einwohner; seine Rhede ist, nach Bukingham, noch besser als die von Akka selbst, so daß von dort aus Akka sogar mit Vortheil belagert werden kann. Auf der Landseite ist die Stadt mit einer niedrigen mit Thürmen besetzten Mauer umgeben. Wenn das vernachlässigte Fort wieder in den Stand gesetzt würde, so könnte Khaifa eine blühender Handelsplatz werden. Die jüdische Gemeinde daselbst zahlt gegen 290 Familien, die aber zum großen Theile erst in der neuesten Zeit dahin gekommen sind. Denn als vor einigen Jahren die Drusen Miene machten, Tabarieh auszuplündern, flohen viele Familien nach Khaifa. Khaifa gegenüber am andern Ende der Bucht liegt Akka (Akko, Akre), auf einem Vorgebirg, welches die See auf drei Seiten umschließt und auf der vierten durch eine Zitadelle geschützt wird. Akka ist nach Gaza der Hauptschlüffel Palasima's, ja fast der einzige wichtige Punkt, der einigermaßen militärisch befestigt ist, und obgleich die meisten Mauern und Thürme noch aus früherer Zeit herrühren, so sind doch die Außmwerke und die Basteien aus der neuesten Zeit, nämlich von dem grausamen Dschessar Pascha, der seinem jüdischen Minister Chajim Farkhi ein so tragisches Schicksal bereitet hat. 1332 hat diese Festung Ibrahim Pascha für Mehmed-M nach sechsmonatlicher Belagerung erobert, und gegen dm Beginn von 1841 wurde sie von den europäischen Machten noch schneller ihm entrissen. Man zählt jetzt 15,000 Einwohner, deren Haupthandel mit Baumwolle und Reis ist. Der lange unterdrückt gewesene Handel würde durch einen Verkehr mit Europa rasch zunchmen und sie könnte einst so viele ernähren, wie im 13. Jahrh., wo die Bevölkerung auf 100,000 gestiegen war. Die jüdische Gemeinde zahlt gegen 250 Familien; ihre Synagoge ist sehr schön aber klein. Hier haben die Juden auch ein angemessenes Schulgebäude, und die jüd. Jugend wird hier außer im Hebräischen noch im Arabischen für zwei Piaster wöchentlich so ziemlich unterrichtet. Der Unterricht beginnt früh nach dem Morgengebete und dauert bis Abend nach einer einstündigen Mittagsruhe, während welcher die Schüler sich mit Melonen und Brot erquicken. Auch giebts hiex einige jüdische Aerzte. Als vor einigen Jahren Aaset von den Drusen furchtbar heimgesucht wurde, flüchteten sich über 100 Familien hierher und ein kleiner Rest derselben blieb auch da. Für eine ackerbauende jüdische Niederlassung bietet die sogenannte „Ebene von Akka" einen höchst gewinnreichen und lohnenden Boden. Diese Ebene, welche sechs Stuben lang und zwei Stunden breit, ist fruchtbar und trefflich bewässert, aber durch den Mangel arbeitender Hände und durch die Barbarei, welche bis jetzt dieses Land heimgesucht, unangebaut und wüste; der Schichor-Libnat oder der Glasfluß (der kleine Belus) durchfließt diese schöne noch unbenutzte Ebene und mündet in d-ie Bucht bei Akka. Der Schichor - Libnat ist berühmt; denn an seinen Ufern wurde das Glas erfunden undnoch im Mittelalter hat man den Sand dieses Flusses nach Genua und Venedig zur Glasfabrikation ausgeführt. Im Norden wird diese Akka-Ebene durch die Sulma Schel Ior d. h. durch die sogenannte „tynsche Leiter", begrenzt, im Osten durch das Bergland Galilaa's. Der sechs deutsche Meilen lange Weg von Akka nach Zor (Tyrus)durchschneidet die erwähnte Ebene, übersteigt den Rücken des Vorgebirges Musasir, senkt sich dann in eine Schlucht und erhebt sich dann bis zur vorspringenden Schulter des Lebanon oder Anti -Lebanon, welche man das weiße Vorgebirg oder Ras al-Abiad nennt. Auf beiden Bergrücken, auf Musasir und Ras al-Abiad, ist der Weg in den Felsen gehauen, daher eine natürliche Schutzwehr gegen das Vordringen eines Heeres. Das heutige Zor (Tyrus) ist auf einer ein Dreieck bildenden rings mit Felsen besetzte Halbinsel gedauet, und nur eine schmale Erdzunge oder vielmehr ein Damm verbindet diese Halbinsel mit dem Festlande. Freilich ist das heutige Zor nicht einmal ein Schatten des Zor der großen Seestadt Phöniciens, die Bevölkerung beläuft sich kaum auf 2000 Einwohner; der einst so berühmte Hafen ist in traurigem Zustande, indeß ist die Lage noch immer der Art, daß eine gutgeleitete Kolonisation und europäische Instandsetzung des Hafens, Zor zu einem, der wichtigsten Seeposten machen dürfte. Abgesehen aber von der großen Handelswichtigkeit des heurigen Zor, die es mit ganz geringen Opfern sich verschaffen kann, so ist es auch in jeder andern Beziehung lockend zu Einwanderungen. Die Wälder des Anti-Lebanon ragen fast hin bis nach Zor, und die sieben deutschen Meilen Weges bis nach Zafet findet man das trefflichste, fruchtbare, wasser- und waldreiche Hügelland. Die jüdische Gemeinde in Zor zahlt ungefähr 200 Familien; sie ist noch sehr jung, wie so manche jüdische Gemeinde in den Küstenstädten; fast alle sind Uebergesiedelte aus Aaset, wo Juden seit undenklichen Zeiten wohnen, und nur etwa fünf Familien sind aus Algier eingewandert. Der Rabbiner hat seine Wohnung dicht an der See, wo man die Aussicht auf Neuzor hat und auch die Ruinen des alten sehen kann. Von Zor weiter hinauf an der Küste vier deutsche Meilen enrserrit liegt Zidon (Seideh), noch jetzt ein trefflicher Handesplatz mit 900O (nicht wie von Raumer meint 800) Einwohnern, auf einer Hochfläche hinter einem Felsen gelegen und gegen das Meer gerichtet. Auf einer kleinen Insel gegen Nordost ist ein

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