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Der Orient · 1841-08-14 · 33 (14.8.1841) · p. Spalte 507-508

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
33 (14.8.1841)
Article
Das Glaubensbekenntniß der Zenobia, Fürstin von Palmyra
Date
1841-08-14
Page
Spalte 507-508 (sequence 3)
Language
German
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507 Das Glaubensbekenntrriß der Zenobia und ein Blick auf ihre Zeit. 508 haben als der Beschützte; ferner hat man wohl zu beachten, daß ihr Benehmen hier dem der Arianer gegenübergestellt wird; die Schlechtigkeit dieser hervorzuheben, verstärkt er das Wort; wo er vielleicht ra ’Jovdcticov q>govovaa sagen wollte, sagt er hier ’lovdaia. In der That wäre dies die absolute nicht ganz wohl unwahrscheinliche Erklärung des Athanasius, allein ich will mich hier einer Erklärung unterziehen,- die eine Entstehung der ganzen Sage umfassen soll. Diese hat offenbar ihren letzten Grund in den Glaubensanst'chten 33 des Paulus, die jeden Orthodoxen erbitterten, um so mehr, da dieser als Patriarch einer der reichsten Kirchen der Zeit einen bedeutenden Einfluß auf die Anhänger des Christenthums haben konnte. Dieses konnte man ihm nicht verzeihen, man mußte alles anwenden, um. sie unwirksam zu wachen, und das Mittel, welches man zuerst deshalb ergriff, war, daß man sie jüdisch nannte, daß man durch diesen Namen eifrige Christen abzuhalten suchte, zu ihnen sich zu bekehren. Nun hatte in der Zeit, als er Bischof von Antiochien war, Zenobia Syrien und Mesopotamien inne, besaß deshalb auch Antiochien und gecieth dadurch mit jenem Manne, der durch Geist, Gelehrsamkeit und Staatsklugheit heworragte, in Berührung. Sie machte ihn zury Procuralor Ducemir ms und verlieh ihm dadurch eine hohe Staatswürde, die Paulus weltlich genug annahm, trotz der hohen Stellung, die ec in der Christenheit einnahm und deren Titel er sogar nach der Anklage Einiger mehr liebte, als den eines Patriarchen. Einen näheren Grund dieser Verbindung, wenn man nach einem andern als sein Verdienst und Talent bedarf, mag man in der Klugheit des Paulus suchen, der gegen die Erbitterung seiner Feinde in der Christenheit einen unparteiischen Schutz bei seiner Herrin zu finden hoffte. Schon Wernsdorff sagt, daß die Seltsamkeit der Vereinigung zweier solcher Aemter zu der Erzählung bewogen hätte, daß sie eine Jüdin oder Christin sei; ich füge Etwas Anderes vielleicht nicht Unrichtiges hinzu. Es scheint eine wohlersonnene Erfindung der Orthodoxen zu sein, dadurch daß sie den Lehrsätzen des Paulus der Selbstständigkeit raubten, ihnen auch den Werth zu nehmen, der ihnen die Autorität eines solchen Mannes geben konnte und dadurch, daß sie als die Urheberin dieser Satze die Zenobia nannten, ein durch Schönheit und Geist ausgezeichnetes Weib, ihren Aus- 33) Wenn wir die in der vorigen Bemerkung ausgestellte Meinung beibehalten, so können wir auch einen Einwand widerlegen, den man gegen meine Erklärung machen könnte. Man könnte nämlich sagen, man hätte deshalb seine Grundsätze jüdisch genannt, weil er mit Zenobia in. Verbindung gekommen war und diese jüdische Gebräuche gehabt hatte« Ich muß sie dann als ra Iovdamv cpQovovöct anerkennen, Etwas, was meinem Zwecke gar nicht schadet, da ich schon aufmerksam gemacht habe, wie sehr man lovdcdcc von diesem zw unterscheiden habe. sagen nicht nur eine Art von Wahrscheinlichkeit zu geben, sondern Paulus selbst zu erniedrigen und zu beschämen,3^ als hätte er, durch Schönheit oder Geist eines Weibes gewonnen, seine Lehrsätze geändert. Aus demselben Grunde hatte man diese jüdisch, genannt, mußte man dann die Urheberinderselben nicht zur Jüdin machend Aus dem Schweigen der andern Schriftsteller könnte man sogar schließen (und das ist daraus gewiß, daß das Verhaltniß zwischen Jenobien und Paulus kein so nahes war, wenigstens kein Anders als bas des Herrn zum Diener), daß das ganze Berhältniß Beider eine Fiktion der Orthodexen gewesen sei um eines Theils der Bekehrungskrast des Paulus Schranken zu setzen, andrerseits dadurch, daß sie das Verhaltniß mit der.Zenobia häufig erwähnten, den Zorn des Aurelian gegen ihn zu reizen; allein das wäre zu weit gegangen. Paulus scheint sich nach seiner Verdammung auf der Synode nur auf den Schutz der Zenobia gestützt zu weigern, und die Strenge des Aurelian galt gewiß mehr dem Ducenaren als dem Patriarchen. Das Gesagte erscheint mir nicht unwahrscheinlich für die Zeit des Paulus selbst; freilich hat keiner der genannten Autoren in dieser- Zeit gelebt, aber der Haß gegen Paulus sich um nichts desto weniger fortgepflanzt. Das Interessante, diese mächtige Fürstin zur Jüdin zu machen, das Cunose einer solchen Religionsneuigkeit hat den Glauben daran verbreitet. Allein ich mache nochmals darauf aufmerksam, daß es mein Geschäft'nur. war, die Stellen zu widerlegen, die von den Historikern dafür, daß sie eine Jüdin gewesen, citirt werden, und daß es sicher ist, nur der einzige Athanasius konnte als sichere Autorität, wenigstens als wörtliche angeführt werden. Mögen Theodoret und Nicephorus ihre Worte so verstanden haben, als man sie verstehen will, ihr wörtliches Verständniß konnte nicht dahin leiten, eine Quelle zu sein. Noch weniger vermag man dies aus Philastrius, den doch trotz den Scheltwocten Sellers und Anderer Dr. Jost citirt. Philastrius hat sich seinen Tadel durch seine den Nachrichten der Andern ganz widersprechende Erzählung zugezogen, ich will, ohne seine Glaubwürdigkeit hier messen zu wollen, wenigstens in so weit ihn vertheidigen, daß aus 34) Chrysostom. homil 7. in Joh. pag. 57. „rovrov yvvcaHi zivi xaQ&^rov xrjv Gcqttjqiccv cpccclv ano 8og- &ccvt7]v hccvxov“. Meine Erklärung unterstützen die Worte Epiphan. 65, 7, daß er unter die zrjg rcov IovdcUcov v%7}Qtzcag zu rechnen sei. Man ersieht daraus, daß man ihn nicht deshalb judaisirend genannt, weil Zenobia als eine Jüdin getauft ward, sondern, daß man erst seine Sätze jüdisch genannt, ohne Rücksicht darauf, daß sie eine Jüdin gewesen, denn man mußte die Sätze mehrerer Haeretiker,-die doch nicht mit solchen für Jüdinnen .gehaltenen Frauen in Verbindung standen, jüdisch genannt haben. 35) Athanasius konnte nur dafür Quelle sein, daß sie eine Jüdin, eine Israelitin genannt wurde, denn kein Minderer nennt sie Iovdcdu.

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