Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-08-07 · 32 (7.8.1841) · p. Spalte 489-490

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
32 (7.8.1841)
Article
Zur Charakteristik der Bekehrungsschriften
Date
1841-08-07
Page
Spalte 489-490 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897474-2366091--1599-2366112
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

489 Zur Charakteristik der Bekehrmigsschriften. Einseitige Benutzung der jüdischen Quellen. 460 macht haben, kund, sondern auch in den widersprechenden Behauptungen, welche diese Zusätze enthalten. Zn der so eben angeführten Sage wird vonchen Israeliten behauptet, als hatten sie unfreiwillig das Gesetz angenommen , und dennoch finden wir in dem Morg enge bete (!) des ersten Pfingstfestes ein Anspielung auf eine andere Sage, worin von der großen Belohnung die Rede ist, welche ihrer warten, well sie das Gesetz mit solcher Bereitwilligkeit angenommen haben. Die Stelle lautet: D'IpN nttfjOI min h)]f ibj? DD. Man wundre sich nicht, daß der gelehrte Rev. M. E. ein Gebet als Gewährsmann anführt, wo Talmud und Midrasch bekanntlich voll sind von Bemerkungen über das jjöeOi nttfyj* Jedenfalls konnte man ihm Zunz's meisterhafte Nachweisung der Hagada, oder das gewiß unsrem Autor mehr zusagende Buch Delitz sch's empfehlen. Was die talmudische Hagada überhaupt betrifft, so scheint M. C. die bekannte Ansicht des Ra mb am über die Verpflichtung ihrer Annahme nicht gekannt, oder hier nicht berücksichtigt zu haben, obwohl der Rambam sonst sein Steckenpferd ist, und grade die Widersprüche in der Hagada eine Hauptstütze jener Ansicht sind.^ Den speciellen Widerspruch a. a. O. betreffend, so hat ihn schon Tosefot zur Stelle beachtet und beigelegt, und kann also jeder, der dieTosefot zu lesen versteht, sich und die andern vollkommen beruhigen. S. 141. Der Talmud und alle (!) seine Anhänger stimmen in der Ansicht überein, daß die Gestirne auf die Begegniffe und Schicksale der Menschen einen Einfluß ausüben. Wir finden im Talmud folgende allgemeine Sätze aufgestellt: ufi Nil1?» Nnfo NUDD IN1? Mv (Moed Katan 28, 1.);\\n ~iWya hm DOHD hiCMl'b (Schabbat. 156, 11). ^1 äOEQ nrn JND 'NH (ibid.). Auch die Sittlichkeit der Menschen wird hier ausdrücklich von dem Einfluß der Planeten abhängig gemacht rc. Was wird nun, nach dieser Lehre, aus der Verantwortlichkeit des Menschen? Und wie ist dieselbe mit dem Worte Mosis in Einklang zu bringen, welche lauten „Siche ich habe euch Leben und Tod, Segen und Fluch vorgelegt rc." — Die Antwort gibt schon Tosefot zum a. O. — Wenn man so etwas liest, so möchte man meinen, alle Talmudisten und Rabbiner waren nichts anders als Za bi er! Aus den Schriften und Abhandlungen über Wu, rPD>D ntttwn könnte man einen eigenen Zweig der Literaturgeschichte zusammenstellerr, welche, „alle übereinstimmend, daß die Sittlichkeit und Frömmigkeit nicht vom Gestirneinfluß abhängen. Hier genüge uns ein Minimum. Der Autor citirt nur den Ausspruch des R. Chanina (Schabb. f. 156, a), unterläßt aber zu bemerken, daß es unmittelbar darauf heißt: biW>b 7D pN DDN pnr» 'V> daß gerade hieran jene merkwürdige Sage von Abraham sich knüpft, zu dem Gott sagt: blD ]'m i?W niWÄND NS (vgl. Baba batra f. 16. b. Storno s. 28, b.) wel- *) Vgl. Geiger, Was hat Muhammed aus drmJudenthume ausgenommen? S. 122 ff. che den tiefen Sinn enthalt, daß mit Abraham, dem Urahn des jüdischen Volks, dem ersten, der den Namen Gottes lehrte, der aber auch nach einem andern bekannten Ausspruch des Talmud (nta rrnnnb nrrpN ebenfalls Joma f. 28 d) als erster Bekenner der Tora anzusehen ist, daß mit Abraham also die jüdische Glaubenslehre dem Sabaismus entgegentritt. Jehuda Ha-Lewi, unstreitig der gläubigste der jüdischen Philosophen und der rationalistische Maimonides heben dies in ihrer scharfen Polemik gegen den Sabaismus hervor, vgl. noch Israel Avenged p. 78 f. und dm Ausspruch rpiKD mtnn sidr p^UBDNn (Midr. Rabb. ....). Was die aristoteti sche Philosophie über den Einfluß der Sphären aus die Hyle in die muhammedanische, jüdische und christliche Scholastik gebracht, gehört nicht hierher. Auf eine ähnliche, noch schlauere Weise verfährt M. C. in Israel Avenged p. 39. Die Worte Abrabanels zu Jes. 13. bl lTODN itf blU DrpniTOIDD »D7N2 werden (mit gesperrten Lettern) übersetzt: „ilnd t h i s es also the opinion of t li e Avise men, op b 1 ess e d menioiy, in many of their M e d ras tus“. Die Emschiebung des Artik. th e (denn es heißt nicht EpftDlin oder ^nsn) scheint sehr unschuldig. Aber S. 40 gibt uns eine andere Ansicht. Es heißt da: „Und es ist besonders bemerkenswerth, daß alle so eben citirten Rabbinen von dem Umstand Zeugniß abgeben, daß dies die allgemeine Meinung war." -- Daß es a. a. O. S. 41 heißt „das Buch Zohar, welches von der Majorität der Juden als echt (genuine) anerkannt ist re." wofür Schöttchen Rabb. lect. und Tholuck Vorr. zu „Wichtige Stellen des rabb. Buches Sohar" zeugen sollen, darf uns nicht wundern, da, wie schon oben bemerkt, heutige Ansichten der jüdischen Wissenschaft stets unberücksichtigt bleiben, und altere Bekämpfte der Authentie dieses Buches wirklich keine Majorität bilden, (s. Zunz Gottesd. Vortr. S. 408 f.) -- S. 78 a. a. O. „Rabbi Juda Ha-Lewi sagt, daß Abraham die Lehre von Gott und der Einheit durch bloße Speculation erkannte." (Cosril^, 27). Die Stelle lautet aber im Texte: pvyn iTH ND&y loy imp nmp nnn^m nin^\*n )h rrronjao 'Dl rDTOOD. Man vgl. noch I, 95 (S. 38 ed. Brecher- 'Dl IDp 1DN DN^I 'imhn D’H 13D DDIDN hin, S. 147. sucht der Vers, auf ähnliche Weise die Talmudisten, wegen der gestatteten Anwendung von Amuleten, der mosaisch verbotenen Zauberei und des heidnischen Aberglaubens zu verdächtigen. Lassen wir den Talmud selbst darüber sprechen Ml DITO D pN HN1D1 DITO ü W& “CT Ä "»TiDNH (Schabbat 67, a.). Denn ID'yW "Ql *p ]\X TOI' HlpD (vgl. Schabb. f. 131, 2). Daß es sich hier nicht darum handle, ob die etwa zu erfolgende Heilung eine Wirkung sympathetischer Kräfte fund unsre Aerzte glauben ja auch noch an dergl.j, oder bloßer Einbildungskraft sei, ja daß der Erfolg selbst nicht entscheide, spricht Maimonides (Hilch. Accum e, 11, 2) folgendermaßen aus: „Wenn Jemand von einem Skorpion oder einer Schlange gebissen wird, so ist es erlaubt dir Bißstelle zu besprechen, selbst am Sabbattage, um sein Ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.