Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (31.7.1841)
- Article
- Klänge aus Osten, ... [Rezension]
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Spalte 473-474 (sequence 3)
- Language
- German
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474 473 Klänge aus Osten. Makamen, Dichtungen von Ed. Amthor. Ausbildung aber die Sprache selbst durch ihren unerschöpflichen Reichthum begabte Geister aufzufordern schien. Gegen das zweite bin ich weit entfernt, das oben von mir Gesagte geltend machen oder mit meinem Urtheile dem großen Kenner des Morgenlandes die Spitze bieten zu wollen. Aber in dem Freistaate der Wissenschaft ist es ja auch dm Epigonen erlaubt, ihre selbsterworbene Meinung auszuspre.chm***), Won den durch Hcn. Amthor übersetzten neun Makamen in der hebräischen Übersetzung Harizi's und Immanuels) sind sechs in der Chrestomathie ardbe Silvester de Sacy's, drei in der Anthologie arabe Grangeret de Lagrange's arabisch mitgttheilt. Die ersten sechs führen die Aufschriften: Der Krieger; der Affenführec; der Todte und der wilde Fluß; der Blinde; der Bettler in Aderbidschan; der Imam; die übrigen drei: der Bettler; das Goldstück (vielleicht Vorbild der von Eharizi übertragenen D'Oinin rranD.tion Harm); der Ssusi. Auch die Freunde der jüdischen Poesie können es Hrn. Amthor nur Dank wissen, daß er durch Uebertragung dieser in Sprache, Anlage und Ausführung gleich originellen Makamen die Geschichte und Anschauung einer echt arabischen Dichtungsgattung vervollständigt hat, von der die größten Meisterwerke der jüdischen Machberot-Dichtung nur abgesenkt sind, so jedoch, daß die fremde Nationalität mit dem neuen Gepräge der jüdischen vertauscht ist. Die Uebertragung oder Ueberpstanzung solcher Dichtwerke hat einen mehrfachen Zweck und Nutzen. Auch der mit der Originalsprache Nichtvertraute gewinnt dadurch einen Einblick m ihren Geist und Charakter, und solche Nachbildungen sind insofern gleich den Panoramen, welche uns zwar nicht den dargestellten Naturgegenstand selbst, aber doch ein übersichtliches naturgetreues Bild desselben auf eine angenehme überraschende Weife'vergegenwärtigen; sodann gewinnt unser? deutsche Poetik neue Elemente, die, so heterogen sie auch sind, doch einen nothwendig bildnerischen, bereichernden Einfluß auf sie ausüben; auch die deutsche Sprache, deren Reichthum keine Grenzen hat, wird bei dieser Aufbietung ihres Sprachschatzes in eine ihre inneren Kräften weckende, ihren Fond verzinsende Thätigkeit versetzt. Der erste dieser drei Vortheile ist durch Hrn Arnthocs Uebertragung sicherlich gewonnen; auch die beiden andern sind nicht unerreicht geblieben, obgleich man hie und da die sprudelnde Produktivität ***) Daß die Worte Hanns, in der Einleitung zu seinem Werke: „wenn auch ein Flinker von einem Hinker erreicht wird nie"(Rückert, Abu Seid, 2te Ausl, Ister Th. S. 6), wo Hamadani von ihm „der Flinke" genannt wird, nicht als Urtheil über denselben gelten können, und nichts sind als Dichterbescheidenheit in der Einleitung, beweist, was er Abu Seid am Ende seiner Dichtung aussprechen laßt (Rückert, Abu Seid, 2te Aufll 2ter Th. S. 207): Bordessen war Iskenderi (d. h. Hamadani) Und jetzo bin ich (d. h. Hariri) aus dem Thron; Das Tröpfeln geht dem Guß voran, Doch spricht der Guß dem Tröpfeln Hohn. vermißt, über welche man bei Rückert auch den. Mangel der künstlerischen Feile zu vergessen pflegt. Der zweite Theil des Buches enthält zwei kleinere Episoden aus dem kolaffalen, volksthümlichen, einfach künstlerischen Schahname Firdausi's, einem sowohl für Kunst als Geschichte hochwichtigen Meisterwerke der persischen Literatur (vollständige Ausg. von Zul. Mohl in der Collection Orientale). Die erste Episode: Dschemschids glückliche Regierung ist in Hexameter, die zweite: Sam und Aal (Geschichte eines mächtigen Fürsten des persischen Reichs und seines heldenmüthigen Sohnes) in das weit geeignetere Versmaß des Nibelungenliedes übertragen. Den dritten Theil, Gedichte, Sentenzen, Sprüchwöcter aus verschiedenen arabischen und persischen Dichtern enthaltend, eröffnet die schöne Elegie auf den Untergang des Islams in Spanien von Abutbaka Salih aus Rorda, die, als Probe arabisch-spanischer Poesie, einen besondern Werth für die jüdische Literatur hat, und in der That überraschende Anklange an die Zioniden jüdisch-spanischer Dichter enthält. Es reiche hin, nur einige Strophen aus diesem Musrergedicht als Probe mitzutheilen: „Wo sind jetzt Kordovas Säulen, „Wo die Wissenschaften weilen? „Wie viel Schüler sind daselbst noch „Denen Geltung, hochgewiegt? „Wo Sevilla, voll Genuß, „Seme Zierde? Wo sein Fluß, „Oer, in vollen Fluthen prangend, „An dem Ufer hin sich schmiegt?" Weinend steht und bang' das Herz Islams heil'ge Schaar, im Schmerz, Wie, von der Geliebten fern, nie Liebenden die Thrän' versiegt, Daß des Islams weite Gauen Oede, wüste sind die Auen, Daß des Glaubens Feind dort wohnet, Und das Land für sich bepflügt. Reiter ihr auf edlen Rossen f Schlanken,"flinken, reinentsprossen, Die das Feld des Schwerdts durchmessen, Wie der Aar in Lüsten fliegt! Kampfer ihr mit ind'schem Schwerdt, Scharf und blank und kampfbewährt, Das im Staubesdunkel leuchtet, Wie erglänzend Feuerlicht! Die ihr lebet Glückcstage, Hmter'm Meere^ ohne Plage, Denen Hoheit, Herrschaft blühet, Wo erschallt so manch Gedicht 1 Kam die Kunde nicht zu euch Wom Geschick m Spaniens Reich? Und doch sind so viele Boten Schon gesandt mit dem Bericht? O wie oft um Hilfe flehen, Die in Unglück hier vergehen! Man erwürget sie und fesselt; Keiner doch sie hier verficht.