Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (31.7.1841)
- Article
- Klänge aus Osten, ... [Rezension]
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Spalte 471-472 (sequence 2)
- Language
- German
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471 472 Klänge aus Osten. Madamen und Gedichte übers, v. Ed. Amthor. spruchslosigkeit dargebottm Ecstlingsfmcht von dem Studienertrage eines jungen Orientalisten aus der Schute des- Prof. Fleischer. Bon dem Schüler eines solchen Lehrers erwartet man schon in voraus nur Gediegenes und Gründliches. In dieser Erwartung finden wir uns auch nicht getauscht. Betrachten wir die dargebotenen Übersetzungen im Verhaltniß zu ihren Originalen, so leuchtet überall ein nicht auf der Oberfläche schwebendes, sondern üefer eingedrungenes Vecstandniß derselben hindurch, und wir erkennen ln dem Uebersetzer nicht einen Dilettanten, sondern den mit den Originalsprachen vertrauten Linguisten. Aus den Vorbemerkungen zu den Makamen des Hamadani und zu den Episoden aus dem Schahname, so wie aus den den poetischen Stücken beigegebenen, den Bedürfnissen der Leser höchst zweckgemaß entgegenkommenden Noten, spricht überall eine gründliche Sachkunde und zum Theil exquisite Gelehrsamkeit. Betrachten wir die Übersetzungen im Verhaltniß zu der Sprache, in welche die arabischen und.persischen Urtexte umgegvssen sind, so zeigt sich auch da eine Sprachgewandtheit, die nicht ohne Glück die Sprachmeisterschaft Rükkerts anstrebt. Doch können wir nicht verhehlen, daß die Sprachform im Ganzen dem gahrenden Moste gleicht, der sich noch nicht abgeklärt hat, und der rauheren Knospe, die den Farben schmuck ihres Blüthenkelchs noch nicht völlig entfaltet hat. Zuweilen hat der Vers, von feiner Jugend zu wenig Hehl; die Sprache wird jugendlich wild, hüpft über die Gesetze des Styls und Reims -keck hinweg, und verfallt hie und da selbst in einen nicht genug edeln, wir möchten fast sagen, burschikosen Humor. Aber auch diese Charakterzüge werden den nicht abstoßen, der daß Büchlein in dem Sinne aufnimmt, in dem es der Vers, darbietet. Die Makamen Hamadani's sind auch für die jüdische Literatur von nicht geringem Interesse. Ohne Hamadani hatten wir wahrscheinlich keinen Hariri und ohne Hariri keinen Charizi. Hamadani (bl. im 10. Jahrh.) war der erste Ausbildner der Makameuform zu der von Rückert so genannten „Landstreichermakame". Seine 400 irr Nischabur verfaßten Makamen, von denen nur etwa der achte Theil erhalten ist, waren Hariri's Vorbild. Hc. Amthor spricht sich über das Verhaltniß Hamadani's zu seinem Nachahmer Hariri, von dem er jedenfalls überflügelt worden ist, folgendermaßen aus: Die Makamen des Hamadani entsprechen ganz denen seines großen Nachfolgers Hariri, und man sieht in ihnen deutlich das Muster, nach welchem dieser die seinigen ausarbeitete. Nicht blos die äußere Einrichtung ist dieselbe, sondern auch die innere Organisation, die Natur der Gegenstände und Gedanken ist sehr ähnlich. Hier wie dorr ist gereimte Prosa, mit Versen untermischt; hier wie dort bildet jede einzelne Makame ein in sich völlig abgeschlossenes Ganze, welches nur durch ein schwaches Band mir den übrigen zusammenhangt; hier wie dort haben wir einen anstatt umherschweifenden, proteusartkg in vielfachen Gestalten erscheinenden, die Leute rührenden, begeisternden, und zuletzt prellenden Helden, der durch seine Fahrten, Schwänke und Betrügereien unterhält, — wenn man will, einen veredelten morgenländischen Till Eulenspiegcl; hier wie dort einen Erzähler, der dies Chamäleon an allen Orten seiner Reise trifft und natürlich Niemand als der Dichter selbst ist; nur daß hier der fahrende Ritter nicht Abu Seid von Serug, sondern A b u->l fat'h ulJskenderi, der Erzähler nicht Hareth den Hemmam, sondern Lsa ben Hi sch am heißt. Das ganze unterscheidende und empfehlende Morneritdes Hamadaniim V erhaltnisse zu Hariri liegt, wie es wenigstens mir scheine, in einer geringeren Künstlichkeit. Zuerst im Betreff des Ausdrucks erscheint Hamadani schlichter, in der Wahl'der Worte und Bilder weniger affektirt. Alles, obgleich stets von einem blühenden Style, von arabischem Bilderreichthume und einer gewissen äußeren Pracht umgeben, scheint naher zu liegen als bei Hariri, alles nur der Anfang von dem zu sein, was dieser so künstlich ausgebildet hat. Daher verstößt auch Hamadani weniger gegen den Geschmack, als sein Nachfolger, der dem Gefühle des Lesers zuweilen wohl etwas zu viel aufbürdet. Die Makamen Hamadanis sind dann auch, was aus einem weniger gekünstelten und weitschweifigen Style nothwendig hervorgeht, was aber offenbar Hamadani höher stellt als Hariri, kürzer, bündiger und somitauch plastischer. Wahrend man bei Hariri vor lauter Beschreibung oft .kaum weiß,.^was, er eigentlich beschreibt, wahrend man sich"dorfl uw den Faden der Erzählung nicht zu verlieren, durch einen phantastisch üppigen Zauberwald von Gedanken und Worten durchwinden muß, ist hier Kürze, Einfachheit, Uebersichtlichkeit und Klarheit; alle merkwürdigen Punkte der Erzählung stechen mehr hervor, die Eontouren sind ersichtlicher: wir haben mehr Plastik. Ferner herrscht bei Hamadani, so scheint es, mehr Komik und Humor. Humoristischen Schwung Hariri abzusprechen, wäre Unrecht; aber er besitzt ihn nicht in dem Grade, wie Hamadani. Der Humor, selbst der von Natur reichste, muß bei einer gewissen Ueberladung des Styls jedenfalls etwas in den Hintergrund treten, während er durch größere Einfachheit uns naher gerückt wird. Ob auch in der Wahl der Abenteuer und der Situationen in Hamadanis Makamen mehr Komik herrsche, laßt sich aus den wenigen bis jetzt gedruckten Stücken noch nicht mit Sicherheit bestimmen; eher dürfte aber aus ihnen dafür, als dawider geschlossen werden. Daß Hamadani den Hariri auch an Einbildungskraft und Mannigfaltigkeit der Abentheuer übertreffe, möge der Leser einstweilen, bi§ mehr Makamen gedruckt sein werden, dem Orakel aller Orientalisten, Sylvester de. Sacy, auf das Wort glauben*). Freilich, ich kann es nicht verhehlen, steht , mir bei meinem Urtheile über Hamadani eine gewichtige Autorität, nämlich das Urtheil des großen Aesthetkkers Rückert entgegen, der erstens in dem Umstande, daß Hamadani, trotz der allgemeinen Stabilität der arabischen Literatur, doch schon nach hundert Jahren durch Hariri in Vergessenheit gebracht wurde, einen Grund für den geringen Werth seiner Schöpfungen findet, zweitens auch gegen „das volle Harirische Leben" die Makamen Hamadanis „eine farblose Skizze, ein fleischloses Gerippe" nennt **). Vielleicht hat aber das erste seinen Grund in der eben durch Hamadanis Werke entschiedenen Richtung des arabischen Spitzsinns auf diese Art von Künsteleien, in denen jener sich zwar mit Glück versucht hatte, zu deren weiterer *) Les seances de Hariri, arertissement p. V. **) Verwand!, des Abu Seid, Iste Aufl. Ister Lh. S. 16.