Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (31.7.1841)
- Article
- Das Glaubensbekenntnis der Zenobia, Fürstin von Palmyra
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Spalte 467-468 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/8555529-9897381-9897472-2366044--1575-2366069- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
468 48!T Das Glaubensbekenntnis; der Zenobia, Fürstin t>on Palmyra, v. S. Castel. noch heute reichlich sich über jede Celebritat ausgießt, und nur zu häufig das Wahre hinwegschwemmt. — Au diesem Interesse in der Person der Zenobia fügt noch das Religiöse etwas hinzu; denn eben das Interesse, welches das Religiöse in jener Zeit und in der folgenden gefunden, der Glauben, den man in Religiösem, Schriftstellern über Religiöses schenkte, hat die Fabel hervorgebracht, die zu bekämpfen mein Zweck ist, hat sie verbreitet, bestätigt und verpflanzt bis auf unsere. Zeit. Ein Kirchenvater--) hat, wie Basnage^) sagt, den Juden neue Gelegenheit ihren Stolz zn vermehren durch die Angabe gegeben, daß Zenobia eine Jüdin gewesen sei) man hat diese Angabe durch Angaben5), die man ebenso verstehen wollte, aus andern Schriften der Art bestätigt und die Sache selbst, wie doch natürlich ist, hat zu wenig Wichtigkeit für die Geschichtfocscher6) gehabt, die namentlich in neuerer Zeit sie fast gänzlich übergingen. Zu meinem Zwecke, die Quellen zu widerlegen, auf die sich auch die neuesten Geschichtschreiber noch berufen, habe ich es fast nur mit altern Schris- Buch p/ 410. „Som<e very injust suspieious have been caston. Z-enobia, as if she was accessaiy to her husbands death.“ — Pikanter ist die Anklage, die ihr bei Zosimus 1, 56 gemacht wird, daß sie nämlich in der Zeit der Gefahr alle Schuld von sich gewälzt und auf ihre Getreuen, worunter auch Longin, geschoben habe; Gibbon bedauert, daß sie in der Stunde der Gefahr von ihrem Vorbild der Kleopatra abgewichen, und ich betrachte, wobei noch die ganz anders lautende Erzählung des Vo pi s ku s in Betracht kommt, die Sache fast wie «ine unvermuthete Vertheidigung der Grausamkeit Aurelians. — .3) Athanasius: Cpist. ad sollt. vit. ag. tom.I. p. 857. 4) Basnage: hist. des Juifs, livre 8. c. 3.?>ils eurent usi nouveau s.ujet de se glorifier par Zenohie, Heine de 1' Orient. ifi. 5) Lheodoret: de haeret. fol. 2. 8. — Niceph.: Callist. (5, 27, .— Philast.: de haeres. c. 64. — Chrysostomus: homil. 7. in loh. p. 57. H) Di« meisten neueren Geschichtschreiber gehen schweigend über diesen Punkt hinweg, wohl weil sie erkannten, wie schwankend und fabulös eine solche Angabe sei. Schon die Worte Wernsdorfs und Dcllingius (Dissertafc. de Septimia Zenobia Leipz. 1742.) nennen die Sache dunkel und ungewiß cap. 7. „si tarnen in re incerta et subobscura“ etc.; be Sacy (divers eveneniens de V histoire arabe avant Muhammed p. 59fö.) und Gustav Flügel (Ersch und Gräbers Enzyklopädie, unter dem Artikel Palmyra) erwähnen der Sache, wi« einer Hypothese. Unter den neuesten Historikern giebtDr. Jost allein (Geschichte der Israeliten von den Zeiten der. Makkabäer rc. tom. 4, p. 167) es als etwas Gewisses, Gegründetes an und nennt als die Quellen, die ihn hierbei geleitet Athanasius, Nicephorus und Philast. Ueber die Angabe des Nicephorus wollen wir uns später noch Etwas zu erwähnen erlauben. Daß aber Dr. Jost den Kirchenvätern nicht immer Glauben schenkt, glaube ich aus seinem Exkurse zum vierten Band p. 264. zu ersehen, „sie schreiben den Rabbinen/ die seit den Kreuzzügen bis hierher von der alten Welt träumten nach und belegten ihre Stellen mit Kirchenvätern." Der nähere Sinn ist deutlich. — ten') zu thun, die diesem Punkte längere Abhandlungen widmeten, und ich gehe mit dem Vertrauen an die Sache, daß man mir die Nachsicht nicht entziehen wird, deren jeder Arbeit Lheilhastig werden muß, die mit langst Anerkanntem streitet und in Hypothesen der Wahrscheinlichkeit das Unwahrscheinliche' zu verdrängen sucht. Ich erlaube mir dabei eine kleine Einleitung in die Abstarnmungsgeschichte der Zenobia und einige Zusatze anzuschließen, die meine Behauptungen bestätigen sollen. — Odenatus^), Odonatus oder Odanatus, der Gemahl , der Zenobia und der Befreier des Orients vom persischen Joche, war. vom Stamme der Saracenen, jener Völker, die nomadisirend die Wüsten Asiens bevölkerten. Zosimus freilich 1, 39 spricht nur von einem (xv\)q ilcfÄp/y^vog,' Orosius von einem gewissen Odenat 7, 22 und Agathins Buch 4, 129 von einem agjav^g und Syvcoaog; allein Pollio (trig* iyr. 14) nennt ihn princeps 8aracenum. Pcocop (B+ Pers. 2,. 5 und de aedif. 7, p* 42. D.) Sq%wv HaQctnTjvtiov und Joh. M al a l a p. 592. ßäOiAevg voov SctQay.rivmv ßctQßuQCöV, Seine Vorfahren sind angesehen bei den Römern7 * 9) (Zos. 1, 39. Procop. B. Pers. 2, 5. „dl rPoa^cdotg k'vtjTtovdoL ix Ttcilcdov qaav.") und als Anführer einer Sarazenenschaar macht er dem Sapor Geschenke, die dieser stolz zurückweist 10 11). An der Spitze seiner Horde [„collecta agrestmm manu Syrormn" sagt Text. Rufus 23 und cofiecla agrestmm manu ad Ctesiphmtem ruslicani schreibt Orosius 7, 22 ab cf. Cell. disserL de Imp er. Palmyr. c> 16)] besiegt er dm mächtigen Perser und zwingt ihn zum schmählichen Frieden. Diese agrestis mauus ist aber wahrscheinlich nichts Anders als die latrones u) Syri 7) Ich halte es für unnütz, hier die Schriften alle herzuzählen, die ich benutzt habe, da sie später, jede am Orte, cicirt werden. — S) Ueber diesen Namen vergleiche Casaubonus zu Pollio: tvig. tyr. 14. — 9) Syncell.: Chrono«;. 382, b nennt ihn „ccoßfiaxav Pcoycdoig. a 10) Peter Patric.: exvrpt. leg-, p. 29. Gibbo n citirt die 2lntwort folgendermaßen: ,/^Vbo is this Odenathn.s, tliat he thus insolently presumes to write to his lord 1 If he entertains a hope of mitig*ating his punishment, let him fall prostrate before the ’foot of our throne with his hands bound behind bis back. Should he hesitate, swifs destruction sh all be poured on his head, on his whole race and on his country.“ Vgl. Basnage, livre'S. c. 3. 18. ,,ce prince royant que tout plioit devant sapor, lui envoya des presens et lui ecriv.it pour lui donner des marques de la soumission. Ce conquerant dechira la lettre iTQdinat et fit jetfer les presens dans la riviere. “ 11) Freilich scheinen in dem Briefe des Vopisc. den Zenobia dem Aurelian schreibt, die latrones §yri verschieden vW bcn Saracenis zn sein, allein es scheint blos, wenn