Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 31 (31.7.1841)
- Article
- Das Glaubensbekenntnis der Zenobia, Fürstin von Palmyra
- Date
- 1841-07-31
- Page
- Spalte 465-466 (sequence 1)
- Language
- German
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Orients. erichte, Studien und Kritiken zn-ische für Achte und ]\ß 31» Leipzig, den 31. Juli 1841, Abhandlung. Das Glaubensbekemltniß der Zenobia, Fürstin von Palmyra. Von S. Cassel. Hinblicke auf da«§ Zeitalter der Jenobia. — Lit. Uebersichten. Klange aus Osten. Übersetzungen von Makamen und Dichtungen v. Ed. Amchor. — Lit. Analekten. Ueber eine Stelle in den Maftrot v. Prof. Fleischer. Ueber die spatere Abfassurig des Ezechiel v. Mos. Heß. Ueber eine Stelle im Targum. — Sit. Anzeigen. , Das Glaubensbekenntnis der Zenobia, Fürstin von Pal mp ra. Von Selig Cassel. Der Aussatz, den ich hiermit der Oeffentlichkeit übergebe, wird sich das Interesse vindiciren müssen, welches die Schwierigkeit der Sache, die ec behandelt, giebt. Die Erbärmlichkeit der Zeit, in der die Person, von der die Rede sein wird, auftritt, das Erschlaffen alles höheren und edleren, der Mangel an Originalität, welche die unglückliche Nachäfferei des längst leider verschwundenen Alterthums zu Boden tritt, alles hat sich vereinigt, um in der Ueberlieferung aus jenen Tagen das Bild seiner selbst zu geben. In der Werthlosigkeit jener Ueberlieferung spiegelt sich die Niedrigkeit des Saculums und wie einen Gallier die Ironie des Cäsarnamms schmückt, so nennt nur die Literaturgeschichte die Autoren der erzählenden Schriften dieser Epoche: Geschichtschreiber') denn die Zeit hielt ihr Sabbatjahrhundert, sie ruhte aus von der Fruchtbarkeit an Großem und Edlen, mit dem sie das klassische Alterthum überstcömte. — In solchen Pygmäenzeitaltern ragt leicht ein edlerer Geist hoch empor; denn die Verachtungdie seinen Zeitgenossen zu Theil wird, dient ihm zum Piedestal seiner Ruhmessäule, und wir wundern uns kaum, wenn wir ein Weib finden, das als die höchste, würdigste Gestalt gepriesen wird. Die edle Weiblichkeit, die hohe Begabung mit Großem und Schönem, der starke Muth, der glückliche Erfolg, der sie anfangs begleitet, haben Zenobien^-) zu jener Höhe emporgehoben, wo die Fabel des 1) Schön sind die Worte Gibbons tust, ok the fall and decline of the Korn, eirap. ed. Basül. tom. 2, p. 28. Thrones Fuß umspielt und das Mahrchen zarte Gespinnste webt, die des Auges Strahlen verhindern. Die Begeisterung, mit der die Erzähler von ihr sprechen, das unglückliche Schicksal, das ihrer Größe nur kurze Zeit verlieh, die interessante Stellung in den Wüsten des Orients vermehrten den Strom von Anekdoten der „Zenobia is perliaps the only female whose superior Genius brokc through the servile indolence imposed on her sexe.“ Man so in seinem Aufsätze über die 30 Tyrannen hinter dem Leben Eonstantins nennt sie die interessanteste Gestalt in dem ganzen Jahrhundert. Schon Patrarka sagt von ihr „iXel euer femjneo fu tanta fortezza Che col ben viso e con larmata chioina. Fece tcnicr, chi per natura sprezza Jo pario deir imperio alto <li Koma Che cou armi affacio, benche alL’ estrime.“ 2) Auch Zenobia ist zwei bedeutender Verbrechen angeklagt worden; erstens der Ermordung ihres Gemahls, begründet auf die Stelle in Pollio trig. tvr. 16. „Dicitur auteirt (Maeonius iuterfector Odauati) primum cum Zenobia consensisse, quae ferre non poteiat, ut privignus ejus I-Iemdes priore loco, qiiem filii ejus Herenianus et Titnolaus principes diccrentur. Siehe Orosi'us 7, 22. vgl. Tiuamont hist, des emp. Hom. rol. 3, p. 3a2. Dieser Anklage nun sind fast alle Frauen, dir einen Thron bestiegen, theilhastig worden, von Scmkramis an bis Katharina; allein hier scheint mir dieser Satz, der zu sehr nach einer Conjektur des Pollio schmeckt, nicht hinreichend'für den Beweis der Anklage zu sein. Die Neueren haben derselben mehr Glauben geschenkt, namentlich solche, die durchaus eine Parallele mit Katharina 11. hervorbringen wollten (Ludwig H o l l b e r g s Vergleichung der Historien und Thaten verschiedener insonderheit orientalischer und indianischer großer Helden und berühmter Männer, nach Plutarchs Beispiel aus dem Dänischen übersetzt und mit einer Vorrede versehen von I. F. S. Kopenhagen. Leipzig 1741. Theil 2.) Vgl. Gibbon toi«. 2, nott 58 zum 11. 31