Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 26 (26.6.1841)
- Article
- Meinungen über die Pijutim
- Date
- 1841-06-26
- Page
- Spalte 389-390 (sequence 3)
- Language
- German
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389 Stimmen üb. die Pijutim. Proben aus derselben. Heidenheim. Löwenstamm. Resultate. 390 Schwierigkeiten dar, wie soll,man'-erst mit den andern durchkommen, und was können sich Laien bei ssM NOD im deutschen oder bei rttDJ bwtd m OT, im polnischen Pijut wohl denken 0), wahrend es noch weit schwierigere giebt. Man versuche es, Unterricht darüber zu ertheilen, und im folgenden Jahre wird man wieder eben so viel davon wissen als zuvor. — Auch hier werden Einige, die sich frommer als Andere dünken, sagen: der Fehler hierin läge an uns, und man müsse das Zeitalter beneiden, in welchem die Gesetzeskunde, die Agadot rc. in der Brust aller so heimisch gewesen, daß der Pajtan bei Allen Anklang gesunden, so daß er nur den Grundton anzuschlagen brauchte, um einen vollen Accord bei den Hörem hervorzurufen. Mit solchen Argumenten sucht man jetzt zu blenden, als ob, wenn man einen Satz, der aus dm verschiedensten Gegenständen zusammengesetzt ist, nicht so schnell versteht, um ihn geradezu beten zu können, solches von Unwissenheit, von Mangel am Beseeltsein von rein jüdischem Wissen zeige. Konnte man die Todten ins Leben rufen, so wollten wir Tausende gegen Eins versetzen, daß es noch heutiges Tages Männer unter uns giebt, welche ein Pijutstück ganz in der Weise der Alten verfassen sollen, ohne daß die tüchtigsten Pajtanim der Vorzeit, um wie viel weniger Andere, sogleich den Sinn nebst allen Anspielungen anzugeben im Stande sein würden. Doch zum Glücke reden auch die Todten, wie wir gleich sehen werden. Denn wenn war wohl jenes goldenes Zeitalter, wo Alle so heimisch in dergleichen Studien waren, daß sie gleichsam einen Resonanzboden für den Pijut in sich getragen haben sollen? Offenbar niemals! Zeder Geschichtskenner nämlich weiß, daß es in den frühesten Zeiten noch ganz andere Idioten gegeben als jetzt, wie dies Za'ir Bacharach (f* oben) genügend darthut. Selbst der Vorbeter, ja nur wenige Gelehrte verstehen sie, sagen die Stimmen aus dem 15-. 16 nnd 17 Jahrhundert, wie Men ach em Fano, Samuel di Medina, Efrajim Lunt- 6) In demselben Pijut steht HDIDDD D32U1, im ganzen “pn hat abrr nDDD.nuc eine gute Bedeutung, selbst fiDlDD p~n. Will man nicht N2DV2 lesen, so muß man suppliren: vor einer Umzäurnung von Völkern, die da find wie Dornen, und Alles dieses sollen Kaufleute, Handwerker, Künstler, Gelehrte (Nichttheologen) wissen? 7) Die liefe Begeisterung eines Mannes, der, ergriffen vom Inhalte eines vorzutragenden. Gebetes, in Extase geräth, wirkt selbst auf den, der es nur mit anhört ohne den Sinn zu fassen, mir bezaubernder Kraft, und kann ihn aufs Höchste erbauen. Das Göttliche-, das sich in einem Menschen offenbart, der mit Innigkeit dm Ewigen anflehc/übt eine wunderbare Macht selbst über den Gebildeten, auch wenn das Gebet in einer ihm unbekannten Sprache gehalten wird. (Ein merkwürdiges Beispiel hierzu erzählt Fessler in seiner Lebensgeschichte). Um so mehr erst wenn der Vorbeter das G^>eL selbst verfaßt und um so tiefer von demselben ergriffen ist, was bei den ersten Pajtanim der Fall war, wodurch denn Naturschutz (st oben). Dasselbe finden wir bei Joel Sirks und Hejdenheim bevorwortet hiermit seinen Cvmnwrttar folgender Weise: Die Pajtanjm haben die Gewohnheit, ihre sinnreichen Gedanken zu verhüllen, so daß sie von Wenigen verstanden werden. Nebst ihrer Kürze haben sie die Methode, auf Dinge, wie auf Auslegungen und Begebenheiten, anzuspieten, die entweder irgendwo in “pn versteckt oder auch in Talmud und Midraschim hin und wieder zerstreut anzutreffen sind; so daß es selbst dem Lamdan, der in allen diesen Schriften wohl bewandert ist, unmöglich immer beifallen kann, auf welche Tradition dieser oder jener Ausdruck arispielt, folglich, muß ihm der ganze Satz unverständlich bleiben.^ Löwenstamm in seinem Zeror ha-Chajim S. 39 gesteht geradezu, daß wir Alle miteinander die Pijutim nicht verstehen. Vielleicht aber möchte Mancher denken, die von H. erwähnten wohlbewanderten Lamdanim, denen die Pijutim unverständlich waren, seien auch darnach; so bitten wir doch oben, von Baal ha- Maor nachzulesen, den zwar Ramban siegend widerlegt, aber wenn jener berühmte Mann ‘"iiNDn hyz sich irren konnte, dem alle heutigen Rabbiner nicht würdig sind, wenn es blos auf talmudische Kenntniß ankommt, die Schuhriemen zu lösen, um wie vielmehr alle Andere der Gemeinden. Eben so lese man nur noch, welche unsägliche Mühe sich der selige Hanauer Rabbiner (R. Most Tobiah) gegeben, um den Pijut im nftiyD des ersten Pesach-Abends (sowohl im polnischen als. in aschkenisischen) zu erklären, worauf ihm Heidenheim nachweist, daß er im Jrrthume sei, was Jener dann selbst in einem Briefe, der vorn im “rtiUD adgedruckt ist, eingesteht, sich aber damit entschuldigt, daß er hierin auf den alteren gebaut, dem er, wie er nun einsthe, zu viel Zutrauen geschenkt. — Männer also, denen es an der nothwendigen Kenntniß nicht gebrach,, haben bei ruhiger Forschung und ernstlichem Nachdenken sich solche Blößen zu Schuldcn kommen lassen, und wir, sollen jetzt zu beklagen sein deßhalb, ja beim Herplappern derselben irr der Synagoge Alles gleich begreifen, verstehen und davon entzückt werden! Um wie viel thörichter ja lächerlicher ist hiernach was Einige insbesondere von Kalir'schen Pijutim anführen, daß dieselben nämlich NHfr n gederet haben soll, weil sie nDN TTl by seien. Ist dieses wirklich der Fall, so weiß jeder, der nur einige Kenntniß von den rtapn nniD hat, daß die geringste Abweichung oder Verfälschung des Wortes von seinem ursprünglichen Sinne, — versteht sich auf die kabbalistische Gesinnung für jetzt eingehend — von dm schrecklichsten Folgen sein soll, und wer sie nicht versteht, nicht lesen darf, indem lich auch ganz unwissende Zuhörer hingerissen wurden mm sich frommen Gefühlen überließen. (Ein Chasan comme il faufc kann noch immer Erstaunliches wirken, ohne gerade Rouladen, Triller rc. emzutegerr — wenn er mit dem Herzen zu singen weiß.) 26*