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Der Orient · 1841-06-26 · Heft 26 (26.6.1841) · p. Seite 192

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 26 (26.6.1841)
Article
Palästina: Theilnahme in Bezug auf die Koloniseirung Palästina's
Date
1841-06-26
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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212 statte jene Wiederanbauung, die ht „kümmerlicher Zeit" j und mit „geringen Anfängen" stattfand. Wir habm aber noch einen besonderen, im geistigen Interesse Israels liegenden Grund, der uns eine, wenn auch zunächst auf mehr äußerlichen Triebfedern ruhende, Ansiedtung von Juden in Palästina als wünfchenswerth erscheinen laßt. So lange die Juden zerstreut in fremden Landern, als heimathslose Abkömmlinge eines zersprengten, unglücklichen Stammes umherirren, bildet der Tatmudismus das einzige Band, das sie Zusammenhalt, die einzige Stütze, die sie vor dem Untersinken in den Fluchen des Wlkerverkehrs bewahrt, den einzigen Kern, der sie religiös aufrecht erhält und eint. Der Talmudismus kann und wird daher nicht fallen, so lange Israel heimathlos irrt; einzelne mögen wohl sich lossagen von den Satzungen der Rabbinen und werfen sich dem Unglauben in die Arme; im Ganzen aber ist keine gründliche, durchgreifende Neubelebung dieses Volkes möglich, so lange nicht die Fesseln des Talmudismus gefallen sind. Die bestgemeintesten Bemühungen scheitern; der Jude deutet auf das „Land Israel", dort blühen seine Hoffnungen; his er dorthin zurückkehren kann, weigert er sich im Allgemeinen irgend eine Hoffnung zu fassen, irgend einer Belehrung Raum zu geben, und beugt einstweilen geduldig seinen Nacken unter das Joch des Talmudismus, von dem er erst die.Erlösung erwartet, mit der Befreiung aus der jetzigen Gefangenschaft und Heimathlost'gkeit, und mit der Wiederaufrichtung des israelitischen Staates in der alten Heimath der Vater. Es fällt nun aber in die Augen, welch ein mächtiges Hinder'niß für das geistliche Wohl Israels beseitigt wäre, wenn nur erst wieder eine Kolonie Juden, in hinlänglicher Stärke und Anzahl, Besitz genommen hätte von dem alten, heiligen Boden. Die Schwierigkeit, das Gesetz Mose's nach buchstäblichem Wortlaut jetzt noch zu halten, und mit den unabweislichen Bedürfnissen und Eigenthümlichkeiten der Jetztzeit zu vereinigen; die noch größere Schwierigkeit, ja die Unmöglichkeit, den Taimudismus in seiner ganzen Strenge in fortwährender Ausübung zu erhMen, würde so sicher und klar hervortreten, wie es, bis die große Lehrerin, die Erfahrung, dazu gekommen ist, kein Mensch in Worten zu erweisen vermöchte. Die Bemühungen, die religiösen Zustände des Volkes und-seine Gottesdienste zu ordnen, müßten bei den genannten äußern Schwierigkeiten, und bei der innern Verschiedenheit der Gesinnung, Glaubensansicht, Bildungsstufe u. s. w. der Colonistm selbst zu einer unabsehlichen Reihe von Verlegenheiten, Kämpfen und Verwirrungen führen, die in der Erfahrung müssen durchgemacht sein, und die dem Volke weder durch mündliche Auseinandersetzungen noch durch gedruckte Abhandlungen könnten erspart werden. Dann, und nur dann wird es Allen, die noch ein Auge haben, zu sehen, klar werden, daß das Gesetz. Mose's gegeben war auf eine Zeit, und als Schattenriß und Unterpfand der künftigen Güter; daß der Talmudismus ein eisernes Gängelband war durch die Zeiten, wo „die Kinder Israel ohne König, ohne Fürsten, ohne Opfer, ohne Altar, ohne Efod, und ohne Heiligthum blieben" (Hos. 3, 4.). Diese Erkenntniß ist die Grundlage und der Ausgangspunct des Heiles für die schwergeprüfte,- lange irrende Nation; diese Erkenntniß wünschen wie ihr; wir erwarten' sie als Frucht eines Versuches von Wiederanbau im Lande Israel. 2) Aber wo ist die politische Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit für die Ausführung eines solchen Planes? -— Wir haben schon oben zugegeben, daß das Unternehmen gewagt erscheinen muß, wenn es keine bessern Garantieen hat, als die, welche ein Mehemed Ali und seines Gleichen zu bieten vermögen. Er selber greift natürlicherweise mit beiden Händen zu, wenn ihm eia Zuwachs an gewerbfleißiger, wohlhabender, intelligenter Bevölkerung angeboren wird, aber welcher vernünftige Mensch wird einem Manne, wie Mehemed Ali, Glauben schenken, und sein eigenes und seiner Kinder Schicksal dem Schutze eines Regenten anvertrauen wollen, dessen Regierungssystem Egypten zur Wüste gemacht, und Syrien verödet und in Verzweiflung gebracht hat! Unglücklicher könnten die Juden ihren Schutzherrn nicht wählen. — Die Juden, wenn sie etwas unternehmen wollen, müssen ihren Schutz, nächst Gott, in einem Vertrage mehrerer Mächte suchen. Das Beispiel von Griechenland zeigt uns, was möglich ist, wenn eine Nation ihr ren Zustand verbessern will, und mit ihren Klagen an die Paläste und die Hütten der ganzen civilistcten Welt anklopft. Wer von uns sich in die Zeit vor dem hellenischen Aufstande zurückversetzen kann, wird gestehen müssen, daß im Jahre 1820 der Gedanke an einen deutschen Fürstenthron in Athen wirklich fabelhaft erschienen wäre. Jetzt steht dieser Thron seit Jahr und Tag. Nicht halb so ferne Liegt der Gedanke an ein neu-kolonisirtes Palästina, mit eigener jüdischer Verwaltung, unter Schutz und Garantie mehrerer großen Mächte. Freilich diese letztern, um dazu Hand zu bieten, wüßten auch ihre Rechnung dabei finden; sie müßten, wie einst die persische Weltmacht unter Cyrus und Darms Hystaspis, den eigenen Vortheil dabei mit ersehen. Wir glauben aber, daß dieses wirklich der Fall fei, und daß die Errichtung eines neuen, civilisirten, neutralen Staates an der vorderasiatischen Küste ein Auskunstsmittel sein würbe, das viele Börtheile nach verschiedenen Seiten darbieten und manche sich bekämpfende Interessen entweder versöhnen oder unschädlich cmßeinanderhalten würde. Man denke an die Neutralität, welche der

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