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Der Orient · 1841-06-26 · Heft 26 (26.6.1841) · p. Seite 193

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 26 (26.6.1841)
Article
Palästina: Theilnahme in Bezug auf die Koloniseirung Palästina's
Date
1841-06-26
Page
Seite 193 (sequence 5)
Language
German
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213 Schweiz zugesagt ist, und die tieft, politische Bedeutung dieser Neutralität; man erinnere sich cm das, vor wenigen Jahren neutral erklärte Belgien; man bedenke, ob nicht die einfachste Lösung der unauflöslich scheinenden orientalischen Wirren darin gegeben wäre, wenn man den Knoten über dem Libanon durchschnitte. Mehemed Ali würde nach Aegypten zurückgewiesen, und auf dieses Land vielleicht als erbliches Paschalik beschrankt. Syrien und Palästina.würden neutral erklärt, unter dem Schutze mehrerer Mächte; es würde an die jüdische Nation abgetreten, welche dagegen den Schutzmächten ihrerseits die nöthigen Garantien* zu geben hatte, daß das Land gut bebaut und gut verwaltet werde. Die Türkei hätte dabei denn sie wäre nun vor Mehemed Ali sicher, durch den neutralen Damm der jüdischen Besitzungen, und könnte ihre Kräfte auf Herstellung ihres Innern verwenden. Sämmtliche Mächte zögen aus diesem Ereignisse den großen Vortheil, aus der Spannung herauszukommen, m der sie alle sich befinden, so lange die orientalischen Angelegenheiten unerledigt sind, und der Gefahren enthoben zu sein, welche, durch diese Spannung hervorgerufen, über allen Häuptern schweben. Nicht nur aber würde der genannte mehr negative Vortheil für die sammtlichen Mächte aus einer Reconstituirung der jüdischen Nation hervorgehen, sondern es Läßt sich auch ein bedeutender, positiver Gewinn Nachweisen. Daß die Türkei sich dazu nur Glück wünschen könnte, wenn aus Syrien die kriegsgeübten Soldaten Mehemed Ali's ab-, und dafür friedliche, jüdische Kolonisten einzözen, springt in die Augen und ist schon oben bemerkt worden. Aber auch alle andern Staaten, die in dem Verkehr mit dem Osten mehr oder minder betheiligt sind — und bei der jetzigen Gestaltung des Weltverkehrs greift das ganze Getriebe so enge in einanderdaß jede Förderung oder Hemmung sich von Land zn Land fühlbar macht, — alle Staaten würden unberechenbaren Vortheil davon ziehen, wenn die paradiesischen Länder des Ostens, vom Langen Fluche erlöst, einer sorglichen Pflege und eines rationellen Anbaus theilhast würden, wenn der Ueberfülle von Menschen sich ein sicherer Weg der Auswanderung und der Uebersiedelung öffnete, wenn' so manche Eapitale in jenen glücklichen Gegenden könnten auf reichen Ertrag gelegt werden, wenn die Länder, die durch ihre. geographische Lage den Mittelpunkt des Weltverkehrs bilden, zu dieser Stellung sich wieder erheben, und zum Stapelplatze würden für den Umtausch der herrlichen Produkte des gesegneten Südens und der Zahlreichen Manufakturen des industriellen Nordens. Besonders aber scheint es im politischen, wie im commerciellen Interesse Englands mit gebieterischer Nothwendigkeit zu liegen, daß eine neue, civilist'rte, vorderasiatische Macht sich erhebe. An ihr hätte England eine Stütze ins tiefere Asien hinein und für seine Verbindung mit Ostindien. Im innern Asien liegt Englands Loos; dorthin drückt immer gewaltiger Rußland ein, und auf directem Wege vermag England nicht mit hinlänglicher Kraft entgegenzutreten; sinkt aber das mittlere Asien unter russische Obhut, so ist auf das Haupt Englands ein lange befürchteter und schwerer Schlag gefallen. Nimmt man dazu, daß bei den orientalischen Wirren am Ende die Türkei sich auflösen und der'Vortheil zuletzt in russischen Händen bleiben muß, hingegen durch ein cmge-' deutetest neu errichtetes syrisch-palästinisches Reich die Türkei selbst eine Stütze erhielte und den besorgten nordischen Übergriffen eine Schranke gesetzt wäre, so stellt es sich für England als doppelte Nothwendigkeit heraus, das furchtbar bedrohte Gleichgewicht im vordern und Mittlern Asien herzustellen durch Gründung eines neuen Staates zwischen dem Nil, dem Euphrat und dem Taurus. — Wenn seiner Zeit Canning vor dem englischen Parlament sich rühmte, durch Anerkennung der südamerikanischen Freistaaten eine neue Welt hervorgerufen zu haben, so würde größerer Ruhm, und was mehr ist, bleibenderer, dauerhafterer Vortheil und wahrer Segen einer solchen Schöpfung' im Oriente folgen." Großbritannien. L o n d o n, 5. Juni. Im O b e r h a u s e wurde am 3. Juni die zweite Lesung der Bill, welche den Juden die Communalämter zugänglich machen will, mit 48 gegen 47 Stimmen gestattet, also mit der geringsten Majorität, die es nur giebt, nämlich mit einer Stimme. Schon in Nr. 17. 18. 19. dieses Blattes, wo die Verhandlungen über diesen Gegenstand im Hause der Gemeinen ausführlich berichtet worden, haben wir die verdummten, lügenhaften und verblendeten Einwendungen eines G l a d sto n e, Pringle, G o u l b u r n, I ng li s u. 2C. vorgeführt, und formt einen Vorgeschmack gegeben, von der superlativen Dummheit, die sich im Oberhause bereit machen wird; und wir haben uns nicht getäuscht. Die Hochkirche uud die behexten Tories sehen gemeinschaftlich in der Gleichstellung der Juden die natürliche Frucht des Sündenfalls, der mit der Emancipation der Katholiken begonnen, und den sie noch immer von Herzen bereuen. Wahrhaft empörend ist es aber, wie es bei dieser Gelegenheit geschah, als der Erzbischof von Canterbury jene Erzliigen und niederträchtigen Verläumdungen gegen die jüdische-Religion wiederholen konnte, die wir schon so oft sogar gegen die Katholiken im Obcrhause vernommen, wüßten wir nicht, daß -religiöse Duldung und Liebe, ja daß das wahre Christenthum der Hochkirche eben so fremd ist, als den Heiden Afrika's, wohin sie prahlerisch ihre Sendboten schickt. Vielleicht werden die Hochtocies sich endlich mit dem Resultate der wenn auch schwachen Majoritär befreunden, wie sie es doch' bei der Emcrucipation der Katholiken gethanz jedenfalls halten wir es für zweckmäßig, daß der vormalige Sheriff D a v i d Salomons, der von einem Londoner Stadtviertel zur Bewerbung um die A l d e c m a n s st e l l e elngeladen wurde, wirklich den Wünschen Nachkomme. Rechte müssen geaützt werden, wenn man siemcht verlieren will, —

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