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Der Orient · 1841-06-26 · Heft 26 (26.6.1841) · p. Seite 191

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 26 (26.6.1841)
Article
Palästina: Theilnahme in Bezug auf die Koloniseirung Palästina's
Date
1841-06-26
Page
Seite 191 (sequence 3)
Language
German
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211 Jndeß der Verfasser des fraglichen Aufrufs will mehr. Er wünscht,' daß eine möglichst große Gemeine von Juden, wenn nicht alle, sich -sofort aufmachen möge, um in friedlicher Völkerwanderung zu dem altverlassenen Heerd, zur langersehnten Heimath, zu den Gräbern der Väter zurückzukehren. Er hofft, daß „wenigstens unter egyptischer Hoheit" eine Besitznahme des Landes wohlausführbar wäre. Dieses vermutlich; aber vor dem Scepter Mehmed Ali's und feiner allenfallsigen Nachfolger möchten wir unseresorts die Einwanderer ernstlich warnen. Eine, unter diesem Dynasten angefiedelte Colonie würde -aller Wahrscheinlichkeit nach, ihr Vertrauen dereinst zu büßen haben, wie ihre Väter das ihre in Beziehung auf die Dynastie der 'syrischen Selermden. Ohne Zweifel käme früher oder später der neue Judenstaat in den Fall, seine Unabhängigkeit und die Bedingnisse seines nationalen Daseins an den Egyptcr aufzugeben oder einen Emancipationskampf durchfechten zu müssen, wie die Makkabäer gegen die seleucidischen Regenten. Sind wir schon daran, dem Verfasser zu sagen, was uns bei seinen Vorschlägen mißlich erschienen ist, so dürfen wir nicht verhehlen, daß 'wir lieder gesehen hätten, wenn er den Handel nicht als ursprünglichen Beruf Israels gefaßt hatte. Die mosaischen Institutionen, wie die Landesbeschaffenheit Palästinas führen vielmehr zunächst auf Ackerbau. Der Handel ist ein Erbstück der Kanaaniter. Diese, am schmalen Küstensaume des Libanon zusammengedrängt, wurden unter dem Namen Phöniäer als Welthandler bekannt. Sie waren aber Kanaaniter, und in keiner Weise die „Brüder" der Israeliten. Mit Letzten: hatten sie nichts gemein als die Sprache. Freilich ist für die heutigen Juden die Ein-' ladung lockender, wenn ihnen die Aussicht auf allerdings vorhandene treffliche Handelsgelegenheit eröffnet wird, als wenn sie zum Landbesitze und zum Ackerbau ausgerufen würden. Wenden wir uns aber von dem Aufsatze hinweg zu unsern Lesern, und horchen wir ein wenig in ihrem Kreise, so treten uns mehrere Einwendungen entgegen, denen wir selbst den Ausdruck leihen wollen, um unsere Erwiederung anzuknüpfen. Es. wird uns dadurch Gelegenheit, unsere eigenen Ansichten über' den besprochenen Gegenstand näher darzulegen. 1. „Eine Rück kehr der Jud en nach Palästina muß nicht aus fleischlichen, commercie llen, politischen Motiven hervorgehen, sondern ein unmittelbares Weck Gottes und seines Geistes sein". — Allerdings, aber die ersten, vorbereitenden Regungen und Bewegungen finden doch oft in einer niedrigeren Sphäre statt, und ür der weitern Entwickelung streift sich manche Unlauterkeit ab; die ersten, nicht genug im Glauben und in der wahren Gotteserkenntniß gegründeten Versuche scheitern, ist aber nur die Grundrichtung lauter, so wird im weitern Kampfe und unter den Prüfungen noch manche Einsicht gewonnen, die vielleicht anfangs gefehlt. Sodann übersehe man nicht, daß ohne einen gewissen Grad von Gottesfurcht und Glauben kein Jude sich nach Palästina zu-, rücksehnt. Der Jude, der von den gewerbreichen Landern christlicher Zivilisation Abschied nimmt und den Pilgerstab ergreift, um unter einem andern-Himmelsstriche in neuen Verhältnissen sich mit Beschwerden eine neue Bahn zu brechen, darum, weil am Ziele seiner Wallfahrt ihm der Hügel Zion winkt, der trägt doch etwas in sich von dem Glauben und dem Heimweh seiner Väter, welche in der fremden Ferne klagten: „Wie sollen wir des Herrn Lied singen im fremden Lande? Vergesse ich dein, Jerusalemso werde meiner Rechten vergessen"! Ps. 137, 4. 5. — Wahrlich, es gibt genug Juden, die auf die gröbste Werse dem Grundsätze huldigen: Ubi bene, ibi patria*), ..— und diese sind selber die ersten, über den Vorschlag unsers Verfassers die Achseln zu zucken, oder laut zu lachen. Ueberdieß zeigen die Klagen, welche die Propheten nach der Rückkehr aus der babylonischen Gefangenschaft über die Iurückgewanderten führen, und der traurige Zustand der Dinge, -wie ihn Esra und Nehemia fanden, deutlich genug, wie viele fleischliche, niedrige, übertriebene Erwartungen bei den Rückkehrenden schon damals vorhanden waren. Auch waren die Beweggründe, die einen Cyrus und spater den Darms Hystaspis vermochten, die Juden wieder in ihrem Lande anzusi'edeln und ihr Emporkommm zu begünstigen, gewiß zum Theit auch politische Gründe. Denn es tag offenbar im politischen Interesse der neuen persischen Dynastie, ein zahlreiches, gewerbfleißiges, intelligentes Volk, das von der gestürzten babylonischen Macht niedergerreten worden, zu begünstigen, zu heben und dadurch an die neue Regierungsgewalt zu fesseln. Sie selber fand an der neu aufblühenden Nation eine willkommene Stütze, und wirklich waren die Juden die getreuesten, ruhigsten Unterthanen der Perser, bis Alexander mit seinen Griechen diesem Reiche den Untergang brachte. Obschon aber bei der Rückkehr der Israeliten unter Serubabel und Esra Gründe und Hoffnungen niedrigerer Art, sowohl bei den Rückwanderern als bei den-persischen Machthabern, mit unterliefen, so war doch diese Rückkehr ein von Gott geleitetes Werk; der Tempel, den sie erbauten, erhielt die Verheißung, .es -solle die Herrlichkeit dieses letzten Hauses größer werden, denn die des ersten gewesen (Hagg. 2, 9.), und alles Herrliche und Große was seitdem in Israel ist gegründet worden, und mit reichen Segnungen auf Juden und Christen übrrgeströmr ist, hat zur Pflanz- ") Auf deutsch etwa Mein Vaterland ist in der Welt- Wo's meinem Fleisch und Blut gefällt! 26*

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