Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 26 (26.6.1841)
- Article
- Palästina: Theilnahme in Bezug auf die Koloniseirung Palästina's
- Date
- 1841-06-26
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
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210 und ihre Stellung ein nehmen! Die Nachkommen der Makkabäer werden sich ihrer berühmten Borfahren würdig machen!" Der >, Wiederhall, dm diese wahren Worte in den Herzen der versammelten Juden in Damaskus gefunden, diese ungetrübte durch Jahrhunderte nicht erloschene Sehnsucht nach Freiwerdung des Vaterlandes, ist wohl der schönste Beweis, wie tief dieser Glaube, in den Herzen noch wurzelt, und welche Sympathien diese Hoffnung beiden Völkern noch zu wecken vermag. Schon im vorigen Jahre ist in diesen Blättern (Nr. 26 S. 200 f.) ein begeisterter Aufruf an die Juden und von einem Juden ergangen, worin mit flammenden Worten die von Pol zu Pol zerstreuten Reste Israels mit einem Propheten- Rufe an ihr altes bis an das Ende der Zeiten ihnen gehöriges Vaterland gemahnt wurden. Es war am 11. Juni. Ein Jahr ist seitdem hingeschwunden, und stumm und lautlos war „der Orient" für diese heilige Sache, um zuerst den WiederhalL der Herzen abzuwarten. Der Wiederhall ist nicht ausgeblieben. In tausend jungen Herzen, in denen die Entsittlichung noch nicht ihren Thron aufgeschlagen, hallte dieser begeisterte Ruf mächtig wieder; es regte Viele mächtig an, so daß sie diesen Aufruf fast wie ein Amulet beständig bei sich'führten, oder für diese nationale Idee zu wirken sich bestimmten. Denn es war ein namenloses Gefühl, das bei jedem echten und rechten Juden schlummerte, welchem aber dieser Ruf zum ersten Mal das paffende Wort geliehen. Aber nicht blos bei den betheiligten Glaubensbrüdern, sondern weithin in andere Welttheile tönte dieser Ruf bei andern Völkern wieder, und fand eine Teilnahme, wie nur je Gefühle einer' Volksverjnngung gefunden. Die englischen Blätter übersetzten diesen Aufruf auszüg- Lich, theils mit, theils ohne Nennung des Orients, und führten ihn so nach den Kolonien, in das ferne Asien und Afrika; amerikanische Blätter, unter diesen vorzüglich: The Weekly Herold (New-Pork 6^ Febr. 1841), übersetzten ihn wörtlich, mit Nennung des Orients, und mit einigen begeisterten Worten begleitet trugen sie ihn bis tief nach Westindien hinein. Auch manche deutsche Blätter haben diesem Aufrufe die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt, unter diesen namentlich die Baseler Monatsschrift: „das Morgenland", welche (August 1840. S. 241 —255) diesen Aufruf, als „eine Spur von dem geheimnißvollen geistigen Bewegen, das durch die Volker gehr, und eine neue Zukunft den alten , lang verwahrlosten Landern und Stammen des Ostens vorbereitet" wörtlich mit Nennung des Orients wiedergegeben, begleitet am Schluffe mit einer eigenen Betrachtung des Herausgebers, die nicht minder als der Aufruf selbst, als die Stimme eines Christen, höchst interessant ist. Indem die geehrten. Leser des Orients auf den vorjährigen Aufruf nochmals aufmerksam gemacht werden^ wird es uns das Publikum erlauben, die Betrachtungen der genannten Monatsschrift darüber hier ausführlich herzustellen. Sie lauten : „Merkwürdig ist der Aufruf auf alle Falle, und ein eigenes Aktenstück für die innere Geschichte unserer Zeit, wenn er auch ohne äußere Folgen bleiben sollte. Wir freuen uns um so mehr, diese Stimme im Kreise des jüdischen Volkes von einem ihrer Mitbrüder sich erheben zu hören, als wir bereits vor bald einem Jahre (1839. S. 288) uns dahin geäußert haben, daß es uns sehr wundem sollte, wenn die jüdische Nation unserer Zeit diesen Augenblick sollte vorübergehen lassen, ohne von dem chriD liehen Europa dieselbe Berücksichtigung in Anspruch zu nehmen, welche unlängst dem Volke der Hellenen zu Theil geworden. Wir können nicht glauben — fügten wir bei, — daß ihr Anliegen ungehört bleiben würde, und wenn auch, so hatte doch wenigstens Israel seine unveräußerlichen Rechte auf die Zukunft verwahrt. Es ist dieses ein Gesichtspunkt der Frage, welchen der Verfasser des Ausrufes nicht hervorhebt, und der uns aller Beachtung würdig erscheint. In einem Augenblicke, wie der jetzige,' wo um Syrien und Palästina wie um ein herrenloses Land das Loos geworfen wird, wo die Türkei ihr Recht daran durch den Frieden von Kiutajah aufgegeben hat, wo die Ansprüche, die Mehemed Ali darauf macht, von den gewichtigsten Machten bestritten werden, — Ansprüche, welche in allewege auf keiner andern Grundlage ruhen als einem augenblicklichen Siege des rebellischen Pascha gegen seinen Sultan (im I. 1832), — in diesem Augenblicke schweigen und die orientalischen und occidentalischen Mächte vereinigt oder einzeln das Schicksal Syriens und Palästinas wieder auf Jahrhunderte entscheiden lassen, ohne ein Wort der Einrede oder Pcotestation: das wäre von Seite der jetzt lebenden Generation des Hauses Israel ein Hochverrat!) an dem Glauben der Vater und an den Hoffnungen der Enkel. Es wäre eine stillschweigende Verzichtleistung auf das Erbe, das Gott gegeben und das keine Zeit raubt; es wäre ein stummes Sichlossagen von der Grundlage der Hoffnungen Israels. Wer einen rechtlichen Besitz anzusprechen har, kann allerdings durch Gewalt auf eine Zeit aus demselben verdrängt werden; es kann der Fall sein, daß die Proreftarionen, die er einlegt/ von der Gewalt unberücksichtigt bleiben, indeß wird er doch nicht versäumen, bei geeignetem Anlässe seine Einrede und Rechtsverwahrung feierlich zu Protokoll zu geben; er weiß, daß Schweigen ein Verzichten wäre. Gibt es aber ein besser begründetes Recht, als das Recht der Juden auf ihr Vaterland? «Gibt es einen geeignetern, dringendem Augenblick als den gegenwärtigen, um dieses Recht wenigstens öffentlich und feierlich zu wahren?-Soll die lebende Generation in den Augen der kommenden den Fluch auf sich laden, geschwiegen zu haben, wo die Pflicht gebot zu reden, und wo außerdem ohne alle Gefahr konnte geredet werden?