Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 25 (19.6.1841)
- Article
- Ueber die Pijutim
- Date
- 1841-06-19
- Page
- Spalte 377-378 (sequence 5)
- Language
- German
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377 liebet die Pijutim, die neuesten gewaltige Sündeblieb uns doch nichts zum Ersatz für den Opferdienst als Gebet, für Lamm und Stier — inbrünstiges Flehen, und wir sollten so nachlässig seinum solcher Auswüchse von Gesängen willen den wahren Gottesdienst zu zerstören?" Ferner: ,,Wie könnte es Gott gefallen, daß irgend ein Unwissender, der links von rechts kaum zu unterscheiden weiß, auf ein Stündchen am Sabbate ins Gotteshaus kommen, urn eben so unwissend wieder wegzügehen!" Patkeira aber in Sefer Ha-M eb a ke sch 0,27) bemerkt sogar von den gefeiertesten Pajtanini, als Sch e- Loruo ben Gabirol, Zbn Esra u. dergl./ daß man ja nur höchst wenige von ihren Pijutim ins Gebet ausnehmen dürfe, indem es richtiger sei, sich zum Preise Gottes der davidischen Psalmen zu bedienen, im Grunde aber sei Stillschweigen hier das höchste Lob." Hören wir nun einen der Coryphäen unter den hebräischen Dichtem der neuesten Zeit, Salomon Jakob Cohen, so sagt dieser in feinem ' n7Dj/n tid, Historisch, krit. Darstellung des jüdischen Gottesdienstes S. 275: „Was den Werth dieser Pijutim betrifft, so sind sie, sowohl in grammatischer als ästhetischer Hinsicht, unter aller Kritik 2C." in der Note heißt es bei ihm: „Selbst Herr Heiden he im, dieser Veteran der hebräischen Literatur, der sich vor einigen Jahren die unsägliche Mühe gegeben, das Machsor zu übersetzen, hat viele Stücke übergehen müssen, weil sie durchaus unübersetzbar und allzu rathselhast sind. — Und die übersetzten? — Du lieber Gott! gebe einer dem Eisenstoff Silberklang!" So weit Herr Cohen. Wohl möchte es scheinen, als stimme Heidenheirn, nicht mit ihm überein, aber es scheint auch nur so. Denn deffen wahre Meinung, die eben für Alle, die rhn persönlich kannten nicht auffallend ist, stellt sich am Schluffe seiner . Abhandlung über die Pijutim und die Pajtcmim heraus, wo er sich über die Verunstaltung der hebräischen Sprache und heiligen Poesie durch den Reim ausspncht, indem er .sagt: „Alle diese'Pajtanim lebten in einem Zeiträume von 300 Jahren, nämlich von der Mitte des Jahres 4800 bis gegen Ende des Jahres 5000?) In den Gebeten aber, welche wir von der großen Synode den r&VOT 'nM nfiON haben, ist weder Sylbenmaaß noch Reim zu finden. So sind auch noch viele Gebete und Gesänge im Talmud und den Midraschim mitgetheilt, wo auch nicht ein einziges Reime hat, eben so wenig in allen denjenigen, welche vor der erwähnten Zeit verfaßt sind, wie nm hhn nb idjdd po nnN und dergl., die Saadja in seinem Buche Emunot Kap.. 5 erwähnt,7 8 9) und bemerkt, daß sie von früheren Weisen abgefaßt waren. Die sind alle wohl' alfabetischd), doch 7) Hier will Heidenheim offenbar an das spate Mer der Pijutim erinnern. 8) Amsterdamer Ausg. S» 29, e. 4. 9) Hier wiederlegtH. im Verlaufe Archivaitls Behauptung» Stimmen.. Heidenheim u. Cohen. 378 ohne Sylbenmaaß oder Reim, auch keineswegs mit. dem Namen des Verfassers geschlossen» Und es ist wohl unnöthig hinzuzufügen, daß in der heiligen Schrift selbst weder Sylbenmaaß noch Reim angetroffen wird, und dieses bei einigen Versen nur zufällig ist; JO)— Denn der Reim ist der hebräischen Sprache ganz fremd, dessen Werth nur für das Gehör ist, und worunter immer der Inhalt leidet, aus dem ja die hebräische Sprache mehr Gewicht legt, wie dieses ausführlich im Buche Kusaci Th.il, §. 72 ff. dargethan ist. Auch ist es unmöglich, sich Beiden zu fügen, wenn das Eine steigt fallt das Andere, und sie stehen im völligen Widerspruche. Und wer sollte nicht den Werth des Inhaltes dem des äußeren Gehöres vorziehen wollen. So lange daher unsre Da-, ter noch im heiligen Lande lebten, haben sie sich niemals des Reimes u. dergl. bedient, den sie vielmehr verschmähten, aber erst nach sehr langer Zeit haben sie unter den Völkern wohnend von diesen gelernt und die Würde des Heiligem entweiht,^) wie dieses gerügt wird im Buche Chasidim,§. 781 (DH^on D) und auch im Kusari IK §. 78 am Schlüße. Ja, wie herrlich spricht sich hierüber im Anbeginne seines Commentars zu Kohelet R. Samuel Jbn Tibbon aus (hier wird eine größere Stelle angeführt,.die am Schluffe folgendermaßen lautet:) „Alles dieses schreibe ich dir, weil es offenbar ist, daß in den Gesängen Davids und Salomons weder Versmaaß noch Reim cmgetroffen wird, wodurch ihre Gesänge offenbar vor den jetzigen einen Vorzug hatten» Sie legten sich nämlich keinen Zwang auf, und konnten deshalb in ihren Gesängen den Gegenstand im vollen Erguß ihres Innern darlegen, aber jetzt haben sie sich viele Bande angelegt, wie man zu verfahren und was man zu unterlassen, habe, daß sie sich die Bahn sehr verenge und sich weder rechts noch links bewegen können, wodurch sie genöthigt sind, abgebrochen, gezwungen, mangelhaft und tautologisch zu schreiben, sich allerlei Verkehrtheiten zu erlauben, wobei der Inhalt immer leiden muß, und zum Wenigsten höchst unverständlich wird. " 10) Wer sieht hier nicht deutlich H's wahre Ansicht von der Sache. 11) In der eben von Heidenheim citirten Stelle aus Sefer Chasidim (das für uns übrigens keine Autorität ist), heißt es: „Wisse, daß nach dem Exile vorerst Abtrünnige an den heidnischen Gesängen wegen des Versbaues Geschmack fanden, dann fingen auch Israeliten (d. h. die Frommen) an Reime zu machen?" 12) Kusari sagt dort: „sie haben sich unter den Heiden gemischt und von ihren (verwerflichen) Thaten gelernt?". Wozu Moskato: „Wie schlimm muß es um den Teig stehen, den der Bäcker selbst für schlecht erklärt; denn bekanntlich ist R. Jehuda Ha-Levi einer der geschätztesten Pajtam'm."" Man lese übrigens a. a. O. Satanow's Commentar nach, der die sprachlichen, stilistischen Mangel der Pijutim sowohl als insbesondere die Unzulässigkeit mancher Ausdrücke, die gotteslästerisch wären, wie JiwP, nachweist.