Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 25 (19.6.1841)
- Article
- Ueber die Pijutim
- Date
- 1841-06-19
- Page
- Spalte 373-374 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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373 Die Stimmen der Alten über die Pijutim. Siny aus denselben herausbekommen können,, wie dies bereits der gelehrte Jbn Esra in seinem Eommentac zum Prediger klar und ausführlich nachgewiesen hat." n) Samuel Tiboab (1620). In derGutachtensammlung sagt dieser Gelehrte „Ich gebe dir meine freiwillige und höchst billigende Zustimmung zum Aufheben des Minhags, nämlich am ersten Pesachtage das Tal-Gebet und am achten Sukkot-Tage das Geschem-Gebet zu verrichten. Ich gestehe es, daß es mich ungemein betrübt, daß ich in meiner Gemeinde noch immer nicht habe diesen Minhag abbringen können . . .." 0) Efrajim Luntschitz (1620). Dieser Spätling der Darschanim sagt noch in feinem Werke w ’HlDJJ "Dv 39 a; „Wehe, Wehe rufe ich über die Menge von' Pijutim, die wir mitten in das tägliche Gebet einschalten, indem nämlich der Inhalt derselben sich größtentheils auf allerlei Midraschim beziehet, so murmelt derjenige, der nicht ganz dieser kundig ist und sie inne hat, etwas mit seinen Lippen vor sich hin, ohne eigentlich zu wissen, was er in demselben betet und was sie sonst zu bedeuten haben. Selbst dann, wenn wir die Pijutim etwa der Gelehrten wegen, welche diedarinvockommenden Midraschim verstehen, beibehalten wollten, thäten wir höchst unrecht daran, sie in das vorgeschriebene Gebet aufzunehmen, da dieselben nicht einmal aus Lob- und Dankgebeten allein bestehen, sondern vielmehr zum großen Theil Erzählungen und Begebenheiten enthalten, die sich etwa in einer längst hingeschwundenen Zeit zugetragen, um so weniger aber sich für ein Gebet in der Gegenwart passen." p) Ja't r Bacharach (1690). Dieser sagt in seinen Rechtsscheiden rwn nniEtfi n. 238: Auf die Frage, inwiefern man Recht daran thue, den Pijutim eine Aufnahme in das vorgegeschriebene Gebet zu gestatten, antwortet dieser wie folgt: Es ist widergesetzlich die Segenssprüche trennen zu wollen wegen solcher langen Gebete wie die Pijutim, die von spateren Lehrern durch eigene Eingebung und nicht durch den heiligen Geist verfaßt sind. Und selbst die von älteren Lehrern verfaßten Pijutim sind aller Wahrscheinlichkeit nach wenn man nämlich bedenkt, daß sie vor der Erfindung der Buchdruckeckunst, schon aus bloßem Mangel an genügenden Exemplaren, nicht unter allen Gemeindegliedern verbreitet gewesen sein könnten; daß ferner in früheren Zeiten sehr häufig grobe Unwissenheit unter dem gemeinen Volke geherrscht, wie dieß hervorgeht aus dem Berichte im Talmud Rosch Ha-Schana: daß das gemeine Volk nicht einmal die Segenssprüche des Neujahrs- und Versöhnungstages selbst zu beten verstand, daß rc. — nur für den Vorbetec ^et fte etwa vortcagen sollte, und welchen alleufalM einzelne ausgezeichnet gelehrte Männer zuhören Men. Asarja aus Fano. Samuel Aboab. rc. 374 und bisweilen auch aus Liehe zum Gegenstände mitbeten dursten, verfaßt, aber keineswegs für die Gesammtheit, und noch weniger um sie gar in das Gebet aufzunehmen. Bekräftigt wird diese meine Ansicht noch hierdurch, daß nämlich der Vorbeter so oft er Pijutim vorbetet, erst sich die Erlaubnist dazu in den von ihm zu sagenden Eingangsworten mit Zustimmung der Weisen und Verständigen :c. erbitten muß. Zu den Gründen, die bereits ein Jbn Esra, Jakob Baal Ha-Turim gegen Kal.iri angeführt, möchten vielleicht noch folgende als die meinigen nicht ganz überflüssig scheinen. Erstens geschieht in den mehrsten Psi'uüm weder der wunderbaren Ereignisse des Tages, noch der merkwürdigen Begebenheiten, die diesem zu Grunde liegen, Erwähnung, ja sie werden nicht einmal angedeutet, sondern erörtert werden darin Gesetzesanordnungen, und zwar solche, die vor dem Exile nur in Ausübung waren , wie (führen wir hier einige Beispiele nur an) über das P e sa ch- Opfer in dem Pijut vor dem letzten Segensspruch im Maarabot zum ersten Pesachtage; über das Omer im Maarabot zum zweiten >Schebuot - Tage über das Maa sser-S chen i im Maarabot zum zweiten Sukkot- Tage rc. rc. Das Beten solcher Pijutim ist folglich nichts anders, als ein Smdiren der Mischna mitten in den Segenssprüchen. Zweitens stehen hie Pijutim weder untereinander in irgend einem Zusammenhänge, noch mir dem ihnen vorhergehenden Gebete, wäre es auch nur bezugsweise, noch mit dem darauf folgenden. Drittens haben sie nichts an sich von einer Gebetsform, und wollte man auch ihre poetische Gestaltung dahin gehen lassen, so ist selbst diese ein Mscb-Masch von Gebet und Studium, ohne Sinn und Bedeutung. Ich frage also, sott man etwa dieser wegen gar die Schema-Segenssprüche unterbrechen oder von einander trennen?? q) Jakob Emden (Iabez) (1750). - Dieser wahrhaft fromme gegen jede häretische Abweichung eifernde Gelehrte sagt in seinem Gebetbuche dw- ■nwoy rfen ^nD S. 50 und 368: „Gebe Gott, daß es endlich dahin komme, daß man im Stande sei, die echten Minhagim von denPseudominhagim, nämlich das vorgeschriebene Gebet von der mit ihm spater zusammengemischten Schlacke, von den Pijutim zu reinigen und zu läutern! Die Pijuüm! ach die sind es ja, die uns so sehr bei der Mitwelt verdunkeln, uns deren Schmähung und Spott zuziehen. Und wenn wir in unfern Pijutim-Gebeten keine Erhorung finden, was Wunder, können diese doch nicht einmal selbst von den Engeln verstanden werden; — wohl verstehen die Engel alle Sprachen, doch aber nicht die Pijutim, dieses Gemisch, aus den verschiedenartigsten ganz entstellten Sprachen! Ist es nicht dieser unverständliche Jargpn, der zu dem Schlüsse führt (wie man'überhaupt mit Recht von einer ungebildeten Sprache schließt), es sei die Sprache eines rohen ungesitteten Volkes, wahrend bei uns Js- 25 *