Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 21 (22.5.1841)
- Article
- Welche Vorstellung hatten die alten Hebräer von der Unsterblichkeit?
- Date
- 1841-05-22
- Page
- Spalte 307-308 (sequence 2)
- Language
- German
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307 Z. Wolfson: Die UnsterLlichkeitslehre der alten Hebräer. Die Idee v. einem Scheol. 308 überdies auch der Aufenthaltsort der Bösen, die der Vernichtung Preis gegeben ip* 9, 18 — ist sinnverwandt mit ^n2^ und nnt£V Verwesung und Verderben; figürlich stehen diese drei Wörter für “I2j? oder “112 3). Erst sehr spät hat die Vorstellung vom Herabsteigen in das Scheol einiges von ihrer ursprünglichen Furchtbarkeit verloren; niemals ist es aber für das Eden angesehen worden, wo die Frommen die Belohnung ihrer Frömmigkeit zu erhalten haben. Die Frage: Warum steht die Lehre von der Unsterblichkeit nicht klar und deutlich im Pentateuch? ist am besten dadurch zu beantworten, daß es uns nicht ziemt zu fragen: Warum Gott nicht alle Geheimnisse der Religion zu einer und derselben Zeit offenbaret habe? Soviel ist gewiß und aus vielen Stellen der Bibel zu erweisen, daß die Hebräer das Schattenreich nicht für den Bestimmungsort der unsterblichen Seele hielten. Die Idee von einem Scheol scheint im Judenthum sowohl, als im ganzen Orient eine ganz andere Quelle gehabt zu haben. Das große Geheimniß der Vereinigung zwischen Leid und Seele suchten die Uralten dadurch zu erklären, daß sie eine, so zu sagen, Mittelseele annahmen, die das Band zwischen jenen beiden heterogenen Wesen ist. Dieses Mittelweftn, welches keinem von Beiden ganz angehört, weil es weder Leid noch Seele ist, nennt die heilige Schrift das im Fluidum des Leibes, im Blute (EH) sich befindet. Daher mag bei den Juden, das Verbot Blut zu essen sich erklären lassen; DHH >2 KD2N d-M heißt es ausdrücklich. S. Gen. 9, 4. und 5. Lev. 17, 11 und 14. Spr. 28, 17. Jeremija 30, 34. Ez. 22, 27. Der Tod löst die Verbindung zwischen Leib und Seele. Was mit dem Körper zu thun ist, sobald der Odem deS Ewigen ihn nicht mehr belebt, darüber konnte man nickt lange in Ungewißheit bleiben. Der Verwesungsgeruch macht es nothwendig, den Leichnam entweder dem Feuer oder der Erde zu übergeben. Ueber das 3) Maimuni Hil. Teschuba Abschnitt, 8 drückt sich darüber saftig und umfassend aus: Http? PiEpSn jnir-ch npin tö) tc^an nnprw nti niap nMi.i?iTt ‘p2«nT.nn 'entmin ennn rij?iPy., 'nnen, Pi^ - P'^o pyisn pppin xktt^ 'Dp hnnttrn |iu6 P2P -ryT ~iTin ’ “ppni" miV ’npip?)T ’inns?' 'Opijj d. h. ,,cS giebt keine größere Strafe für den Sünder als' die, daß seine Seele nicht der Seligkeit des künftigen Lebens rheilhaftig wird. Die Propheten nennen diese Strafe figürlich: Scheol, Abaddon, Cchachat, Gehinnom. Me diese Benennungen bezeichnen ein Verderben, Vergehen und tiefes Versinken; weil diese Strafe ein moralisches Versinken ist." Maimuni glaubt also nicht an eine Hölle oder an ein Fegefeuer; sondern das Ausgeschloffenbleiben von der positiven Seligkeit ist die Hölle, d. h. die größte Strafe, welche die Sünde nach sich zieht. Loos der Seele waltete auch nicht die mindeste Ungewißheit; man war überzeugt, daß sie zu Gott, für dessen Ausfluß man sie doch hielt, zurückkehrt. Die Vorstellug von dem Orte, wo die Seele hinkommt, war so vergeistigt, daß man ihn nicht mit Bestimmtheit zu nennen wagte. Es heißt blos: sie steigt nach oben: NpMp K'p nPiy oder O'NPnp zu Gott.») Aber wo soll das Band, t^pj, das Leib und Seele vereinigt hinkommen? Wo soll das Mittelwesen den Aufenthalt nehmen, nachdem jene beiden so verschiedene Richtungen genommen, als verschieden ihr Wesen ist? Au gut für das Grab, zu schlecht für den Himmel, wies man diesem Medium einen Ort an, der weder das eine noch das andere, der zwischen Verwesung und wahrer Unsterblichkeit gleich entfernt ist. Dafür halt man das Scheol. Vom Todtenreich sagt Herder: „hatten die Hebräer, so wie viele andere Völker, eine ganz andere Vorstellung, als wir davon haben. Man dachte sich die Todten dort noch lebend. Das Flüstern derer, die im Grabe ruhen, war allgemeiner Glaube der Hebräer und Araber". (Deutlich spricht über dlests Flüstern der Talmud z. B. Berachot, Abschnitt 3.) Nach der Vorstellung der alten Hebräer steigen ins Schattenreich alle Mittelsteren, ohne Ausnahme, die der Ge- 4) Welche Seligkeit der Seele dort zu Theil wird, und worin ihr eigentliches Fortleben besteht, konnte noch weniger durch Worte ausgedrückt werden. Maimuni äußerte sich darüber so: Qpjja LDV PG N'NN^ Np'^N ,12MN 1221 - phi oPi'jn ibinöV^r6 n hw ptTfan erröa "2 pss N2pi ePiy N2MV wcon myviVi nglf “iP-u jni» ip ptt? pinia ’py pfnüx y'vrh H2’C\S’23P1 n'DH'8<p v C’PlPx i&X NMvW nP ' py im NM7V «-»pp, p'pi? nni« lnns> N2M ip?p2TiP PipnpP NW,' inPVc'nPx pinW-j d’PiPn nPn nrim' N'22 py 'nnto tfp N2N cp'iy oPTiy Prn nm pi iP cpnpP nnw psp N-mi nw' bipi piPpx NpTi2 pN fppi pijppn iw pjpj' crwtf-p cn'n'najo, t». h. lä ist^nicht möglich, sich in diesem Leben'einen 'Begriff von der großen Seligkeit des Künftigen zu machen." „Kein Mensch," sagen unsere Weisen, „kann davon eine klare Vorstellung haben; nur Gott allein kennt ihre Größe, Schönheit und ihr Wesen. Selbst den Propheten zeigte er sie in keinem Bilde, damit sie dieselbe nicht durch bildliche Ausdrücke verringeren. Auf diese unvergleichliche, über alle irdischen Genüsse erhabenen Seligkeit sind die Worte des Jesaja (64, Z) anzuwmden: „kein Auge, außer Gottes Auge sah sie; Er bestimmte dieselbe für den, der ihm vertrauet." Selbst die Propheten hatten keinen klaren Begriff von derselben. Der Talmud sagt: „tu der künftigen Welt giebt es keinen physischen Genuß; sondern die Frommen verweilen dort, gekrönt mit der im Leben errungenen Krone der Lugend, und ergötzen sich an Gottes Herrlichkeit." Findet man wohl irgendwo, frage ich, eine schönere und heiligere Vorstellung von der Unsterblichkeit, als die hier angeführte?