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Der Orient · 1841-05-22 · 21 (22.5.1841) · p. Spalte 305-306

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
21 (22.5.1841)
Article
Welche Vorstellung hatten die alten Hebräer von der Unsterblichkeit?
Date
1841-05-22
Page
Spalte 305-306 (sequence 1)
Language
German
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LiteratttMatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Meratur m m, Leipzig, Leu 22. Mai 1841. AL Handlung. Die Vorstellung der alten Hebräer von der Unsterblichkeit, v. I. Wolfson in Brreg. — Lrt. Ztnaleklen. Haben die Siebziger aus dem Hebe. od. Aram. übersetzt? v. M. Heß in Mer. Ueber Leschon Jbri und Ketab Lbrit i)on demselben. Ueber den fanatischen Krittker Ibn-Esras, v. dews. Rabb. Gabr. Mler: über eine Stelle im More. Gründliche Bemerkungen zu einigen Notizen des Dr. Carmoly u. Mttheilungen ub. eine Pariser Handschrift v. Dr. B. Beer in Dresden Nachträgliches üb. bas Pesach- und Wochenfest v. M. B. FriedenthaZ in Breslau. Sit. Skizzen u. Berichte. Ueber eine dunkle Stelle irrr Targum v. S. Meklenbrcrg in Königsberg. Beantwortung. — Lit. Ankündigungen. Welche Vorstellung hatten die alten Hehräer von der Unsterblichkeit? Von I. Wolfson in Brreg. Die Idee der Unsterblichkeit gestaltet sich nach der Vorstellung, die man von der Seele selbst hat- und da die Hebräer diese für d.en Odem Gottes, für den Ausfluß des ewig lebenden und allbelebenden Weltgeistes hielten, mit dem sich dieselbe nach dem Tode wieder vereinigt, so muß die Idee von der Unsterblichkeit in der größten Lauterkeit unter ihnen geherrscht haben. Aus gar vielen Stellen unserer heiligen Schriften ist dieses zu entnehmen; ich erlaube mir aber nur eine einzige anzufühcen. Elifas (Jjob 15, 12) fragte den Gottestadler Jjob: „Wie wirst du Herz fassen können, und wie werden deine Blicke umher irren, wenn dein Geist einst wiederkehrt zu Gott, gegen den du solche Worte ausgestoßen?" Dennoch wird von sehr vielen Gelehrten behauptet: keine Spur von der Fortdauer im erhabenen Sinne wird in den hebräischen Schriften gesunden; diese falsche Behauptung rührt daher, daß man in der geistigen Sphäre, alles nach der Art, wie man es sucht, findet. Daß im Pentateuch nicht mit klaren Worten von einem künftigen Leben die Rede ist, daraus ist nicht zu folgern, daß die damaligen Hebräer keine Fortdauer, wie wir sie uns vorstellen, geglaubt haben» Dieser Schluß wäre eben so unrichtig, wie jeder andere, wo man aus der Negation eine positive Behauptung begründet. Moses konnte unmöglich die Js- 1) Mit Bezugnahme auf den Aufsatz Nr. 8 und Literaturblatt des Orients Nr. 14. v. d. raeliterr gelehrt haben: das irdische Leben ist das höchste Gut; oder, wenn ec sie in solchem Wahnglauben gesunden ihnen denselben nicht benommen haben sollte. Denn thäte er jenes, oder unterließ dieses, so wäre erbe! manchen Anlässen in die größte Verlegenheit gerathm. Iu vielen Geboten hat ec hinzugefügt: thue dieses auf daß du lange lebest. Wenn nun jemand, z. B. bei Erfüllung eines solchen Gebotes, das Leben in der Blüthe seiner Jahre verloren hatte, und man ihn (Moses) gefragt: wo die Verheißene Belohnung geblieben ist? Was konnte er antworten, da das Volk von einem künftigen ewigen Leben nichts wußte? 2) Eine noch schwierigere Frage wäre folgende. Wie dürfte dieser Gesetzgeber dem j bürgerlichen Richter die Vefugniß ertheilen, einen Verbrecher am Leben zu strafen, da demselben die Obliegenheit nicht aufgebürdet werden kann, die Strafe an seinem höchsten Gute zu erleiden? Die alten Hebräer, sagt man, haben nur eine Fortdauer im grauenvollen Schattenreich gekannt. Dieser Gedanke ist falsch; er ist mit dm Ideen, die jene von Gott, von der Vollkommenheit und von der Glückseligkeit hatten, nicht in Einklang zu bringen. Die Glückseligkeit kann nur durch eine Bereinigung mit dem höchsten Wesen erlangt werden, Deut. 10, 20, wo soll diese seligmachende Vereinigung aber stattsinden? In diesem Leben und in unserer jetzigen Organisation kann blos die Vorbereitung dazu sein, die Vereinigung selbst, so wert solche denkbar ist, kann nur nach dem Tode geschehen. Aber wo? Von der Unterwelt ist an kem Aufsteigen zur Vereinigung mit Gott .zu denken; ist nicht dazu geeignet; es ist 2) Dieses Beispiel ist M dem Talmud; derselbe will dadurch beweisen, daß Moses das Volk auf ein künftiges unvergängliches Leben hingewiesen haben muß. 21

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