Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 20 (15.5.1841)
- Article
- Die neueste Ausgabe des Kusari [Rezension]
- Date
- 1841-05-15
- Page
- Spalte 293-294 (sequence 3)
- Language
- German
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293 Zolowicz's und CEel's yMste Ausgahe ten Grundsätze, worüber sich die Vorrede (allgem. Einleitung auf dem Titebl.) zum ganzen Werke weitläufiger auslassen soll, den Hauptzügen nach zu besprechen (S. HL). Natürlich hangen diese beiden zusam-. men; denn nur die Unterschiedenheit der Grundsätze konnte diese neue Ausgabe Hervorrufen. Es wird daselbst erörtert, wie sehr gerade die jüdisch-dogmatischen Werke es benöthigen und verdienen, aus die Höhe der heutigen Wissensch aft überhaupt gestellt zu werden, und dies führt zu einer nicht unpassenden Vergleichung unsrer Zeit mit derjenigen, welcher der Kusari seine Abfassung verdankt. Diefe fällt nämlich gerade vor 700 Jahren — 1140 (f. ,§♦ 47. S. 25, Anm. 1), und wird als diejenige Periode bezeichnet, in welcher die ein Jahrtausend lang vorherrschende Midra sch-Thätigkeic zu ersterben begann, und das Judenthum, welches die Kräfte des eigenen Organismus erschöpft sah, seine Glieder dem frischen Lebenshauche eines bisher fast'fremden philosophischen Gedankenreiches öffnete rc. (S. IV.). Diese Unruhe des von neuen Principien ergriffenen Judenthums gibt sich schon zu den Zeiten der letzten Geölt im, in Sa ad ja kund, und der frisch gelegte Lebens» keim trägt nach dem Occident verpflanzt in der sp ani sch -arabischen Schule die herrlichsten Früchte. Wir unterbrechen hier einen Augenblick unsre Relation, um den gründlichen Kennern unsrer Geschichte eine bescheidene Frage, in der Form einer Hypothese vorzulegen, welche einen häufig besprochenen wichtigen Punkt derselben betrifft. Die große Lücke in der rabbanitischen Literatur, zwischen der letzten talmudifchen Thärigkeit und den Letzten Geonim, wird bekanntlich nur durch Compilation von Midraschim und dürftig erhaltene halachische und hagadische Arbeiten der Geonim selbst ausgefüllt. Die Form der letzteren ist nicht eine wesentlich verschiedene; denn die., sich nicht eigentlich compilatorisch an das Fcühre anschließenden Rechtsgutachten unterscheiden sich blos darin von dem mündlichen erst nachher ausgeschriebenen Discussi'onen der Talmudisten, daß dort Antwort in höherem Grade des Übergewichts gegen die Frage hervoctritt, da die etwaigen Einwendungen und Bedenken mehr aus der Subjektivität des Antwortenden selbst Hervorkommen. Mit Saadja's Emunot we-Deot tritt uns urptützlich ein Werk in der Form einer Ab Handlung entgegen, die sich Ln der ganzen Anordnung sowohl als auch ihrem Inhalte nach, vorzüglich aber durch das^Behandeln der Erkenntnißquetlen selbst und Anempsehlen der Spreu l a t io n, von allen frühorn uns bekannten rabbanitischen Wecken wesentlich unterscheidet. Mit einem Worte: Philosophie, d. h. System, Wissenschaft (ritt erst mit diesem und allen nachfolgenden Werken auf, und an der hieraus entlehnten Form und Terminologie erkennt man sogar die spatem hagadischen des Kusari. Die judiHen Philosophen. 29(4 und ha.lachifchen Werke, so., daß hier ejn Wendepunkt der gesummten <ä>efdf?id;fe der Literatur und des Juhenthums emtcitt.' Saadja, Bechaj i, Jehuda ha- Lewi, Jbn Esra, die ersten und ^wichtigsten sogenannten jüdischen Philosophen, sind zugleich eifrige Bekämpfer des Karaismus. Dieser selbst datirt sich von der Einführung der Wissenschaft unter den Arabern, und charat'terisi'rt sich durch engem Anschluß an den muhammedanifchen aus dieser Wissenschaft hervorgegangenen Kelam, der zugleich das systematische Schisma unter den Muhammedanern begründet. Der Zusammenhang des Karaismus mit den Saducaern ist noch immer eine ungelöste Streitfrage, während die früher erwähnten Umstände von allen Gelehrten in ihrem einzelnen Zusammentreffen hinlänglich anerkannt, aber nur partiell als Causalpexus hervorgehoben worden. Wir möchten nun in. der folgenden Hypo the se einen Weg Vorschlägen, alles Erwähnte zu einem pragmatischen Ganzen zu verschmelzen/ — Dje altern Sekten der Juden waren du.rch daß Eindringen des hellenischen Geistes entstanden, upd nur die demselben sich anschliessenden hatten sich nach damaligem Culturzustande der Form des Systems genähert und den Keim zu einem vollendeten durch Jahrhunderte in sich getragen. Der entgegenstrebende Pharisahsmus hatte tpegen des Inhalts eben die unvollendete Form seines Gegners verketzert, und sich selber nach einem ganz andern Organismus fortgebildet. — Als die griechische Wissenschaft in veränderter Gestalt zum zweiten Male austauchte und im Muhammedanismus ähnliche.Erscheinungen hervorgerufe.n, da schoß jener nicht untergegangeneKeim zu einem festen Stamm im Karaismus auf. Wer hie.Muhammedaner selbst hatten ihre Philosophie schon der Orthodoxie anzupassen gewußt, und so war es dem orthodoxen Judenthum nicht länger möglich, die Form als an sich ketzerisch zu verwerfen. Er mußte .vielmehr die scharfe Masse der Wissenschaft sur sich und gegen den Inhalt des Karaism.us .ergreifen, der eben, wegen feines unausgesöhnten Zwiespaltes von Inhalt und Form der Wissenschaft, der Blößen genug dacbo.t. Jehuda ha- Lewi bildet freilich hier einen Gegensatz zu dm andern, da er die Spekulation selbst verwirft, und stellt.darum eine höhere freilich einseitige Einheit dar, da es den andern rabbanitischen Philosophen noch nicht gelungen war,'den Inhalt des Judenthums mit Form und-Jnhalt der Wissenschaft .zu identisicirm. — Dies schien erst dem dritten Erstehen der hellenischen Weisheit Vorbehalten, ..welche die große Spaltung des Christentum s, die.Reformation hervorrief, und gegenwärtig einen gleichen Riß im rabbanitischen Judesst.hnm selbst begründet und zur Aufgabe führt, den Inhalt und die bereits a nerkannte Form der Wissenschaft.mit dem Kern des Judenthums durch die historisch e Auffassung zu vermitteln. .— Was wir hier kaum im Umrisse dar- 20*