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Der Orient · 1841-04-24 · 17 (24.4.1841) · p. Spalte 251-252

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
17 (24.4.1841)
Article
Juden als Arabische Dichter
Date
1841-04-24
Page
Spalte 251-252 (sequence 5)
Language
German
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251 252 Juden als arabische Dichter. Ibrahim den Alfachahr. Abu Zakub Mostanser. Folgende Anekdote ist von diesem Juden in Umlauf; er hat sie selbst dem Schriftsteller erzählt, dem ich sie hier entlehne. „„Ich wurde von meinem königlichen Herrn einst als Gesandter zu dem Chalifen Al- Mostimser geschickt. Als ich zur Audienz beim Wesir ging, um ihm mein BeglaubigunzS-Schceiben vorzulegen, führte man mich durch die Garten des Palastes, wo er sich befand. Es war ein bezauberndes Gefilde; fein hinreißender Glanz, seine üppige Schönheit, seine balsamischen Düfte entsprachen nur der Vorstellung vom Paradiese. Merkwürdig an'dem großen Garten war aber noch der Pförtner, der nur darin mit dem paradiesischen Ort zu vergleichen war, daß er eben so sehr durch seine Häßlichkeit, wie jener durch seine Schönheit überraschte. Ich habe in meinem ganzen Leben keine solche abschrekkende Figur gesehen. Der Wesir fragte mich später, was ich von der Anlage des Garten dachtet Ich antwortet-e, ich würde den Ort ohne Bedenken mit dem Paradiese vergleichen, allein ein Umstand hindere mich an dieser Vergleichung; man habe mir nämlich gesagt, das Paradies werde von Redwan (einem Engel) bewacht, hier aber sehe ich Malek (den Teufel).^) Der Wesir lachte herzlich und konnte sich nicht enthalten, dem Chalifen meine Antwort mitzutherlen. Nach einiger Zeit sagte er mir im Namen seines Herrn Folgendes : Der Thürsteher ist absichtlich für den Eintritt des Gesandten gewählt worden. Hätte man einen Nedwan hinge stellt, er würde ihn sicherlich von der Thür gewiesen haben, mit der Bemerkung, daß hier das Paradies sey und folglich kein Ort für solche Sünder; wahrend Malek, nicht wissend was hinter ihm ist, und in dem Wahne, er hüte berufsmäßig die Hölle, ihm den Eingang ohne Weiteres gestattete/'" Brr Ibrahim den Saal hat uns Almakkari doch wenigstens einige bestimmte Angaben überliefert und gab uns indirekt einige Mittel zur Combincttion. So viel historische Freude mache er uns nicht bei Alfachahr. Die schwachen Lichtpunkte,"mit welchen er unsere Dunkelheit bescheint, sind: 1) daß Alfachahr in Toledo lebte; 2) daß er im Staatsdienste bei Alfons» war; 3) daß er am Hose eines Chalifen oder Suitans Mostanser Gesandter seines Königs war. Toledo's giebt es freilich nicht mehrere, dagegen Alfonso's recht viele und Mostanser's auch mehrere. Das Sicherste, was hieraus zu gewinnen, wäre, läuft darauf hinaus, daß Alfachahr nicht vor 1085 (Jahr der Eroberung Toledo's) und (lassen wir als vierte Notiz die Aufbewahrung einiger Gedichte durch den im 13ten Jahrhundert lebenden Jbrr Said gelten) nicht spater als 1250 geblüht haben kann. Vor Allem wird der Leser sich an die gelehrten Aufschlüsse des Herausgebers wenden wollen. Allein.Herr P. d. 17) Nach der Dämonologie des Keran nämlich heißt der Khürhütcr des Paradieses Aedwan, der der Hölle aber Malek. Gayangos hat seine Noten über diesen Dickster gar wenig in ein richtiges Verhältniß zu dem Forscherfleiße gesetzt, der seiner ganzen Arbeit zum Grunde liegt. Zuerst sagt er: „I liave never met wi-th the name of this'poet,“ Sodann hat er nicht übte Lust, Hakem H. für den Chalifen Mostanser zu halten, bei welchem Ibrahim Alfachahr akkreditier war, obgleich dieser Fürst ein Jahrhundert vor der Eroberung Toledo's starb; und endlich will er einen Herrscher zu Saragossa aus der Dynastie der Bene Hud unter dem angeführten Mostanser verstehen. Er sieht jedoch selbst beider erstrren Konjektur seinen Anachronismus ein und verwirft auch seine zweite Vermulhung mit Recht schon aus dem Grunde, daß ein so kleiner Herrscher nicht Chalif genannt wird. Wir sind im Stande, nähere Auskunft zu geben. Das Geschlecht der Alfachahr gehört mit zu den berühmtesten unter den Juden in Spanien. Mit der größten Ehrerbietung wird dieses Geschlecht in hebräischen Werken genannt. Maimvnides in seinem Briefe an Samuel Jbn-Tibbon erwähnt der Alfachahr, die im zwölften Jahrhundert zu Granada wohnten. Auch Jim- Efra erwähnt eines Schriftstellers aus dieser Familie.18) Im Ilten, 12cm und 13ten Jahrhundert zogen sehr viele Juden aus dem maurischen Spanien in das chnst-, liche, wo sie günstige Aufnahme fanden, La sie arabische Bildung und Kenntnisse nütbrachten und besonders durch Übersetzungen viel Gutes vermittelten. Vor Allem war ihre Wirksamkeit und ihr Einfluß zu Toledo groß, wo sie später auch die berühmten Alfonsinischen Tafeln anfertigen. Hier finden wir auch das Haus Alfachahr wieder, und zwar zu Anfang des 13. Jahrhunderts in der größten Blüthe. Bei dem Streite über das Buch More Nebochim von Maimonidcs ums Jahr 1230 Lhat sich der N asi (eineAtt Fürstentitel, den die Juden ihren Vornehmen beilegten) Jehuda ben Josef Alfachahr in Toledo hervor. Trotz seiner zelotischen Schritte zur Verketzerung des Maimonides und trotz seiner stolzen Sprache, wird er doch von Allen, die sich schlichtend m den Streit mischten, darunter von dem berühmten David Kimchi, mit größter Ehrerbietung behandelt, und zwar mit der ausgesprochenen Rücksicht aus seine vornehme Familie. Nachdem wir gezeigt, daß der Name Alfachahr nicht nur bekannt, sondern berühmt iji1<j), wird sich 18) Es ist die Stelle im Kommentar zu Daniel 11. Jb-n- Esra nennt einen Ben Ha-Zozer, der über die Erlösung geschrieben habe; Ha-Jozer ist aber nur eine Übersetzung des Wortes A l fa ch a h r, d. h. der Töpfer. Solche Uebersetzungen sind sehr gewöhnlich (gerade wie christliche Gelehrte ihre Namen früher in klassischer Sprache ausdrückten, z° B. Melanchthon); der spottende Jbn-Esra gab aber hier um so lieber den Namen Hebräisch, weil er einen Wortwitz darauf gründen wollte. Statt nämlich zu sagen, er habe ihm widerlegt, sagte er: „Ich habe seine Worte wie Köpferwerk zerschmettert." 19) Herr P. L« Gayangos! scheint in der Neuhcbräischen. Literaturgeschichte nicht sehr bewandert. Er deruft sich oft blos auf das Machwerk des Spaniers Nodn'gmz de Castro.

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