Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 17 (24.4.1841)
- Article
- Juden als Arabische Dichter
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Spalte 249-250 (sequence 4)
- Language
- German
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249 F. Lebrecht: Judeu als arab. Dichter. Allgem. Ansicht. Jbrabim Jbn - Sahl al- Israeli. 25V aus dem seinem Verfalle zucilenden Sevilla. Und Sahl mag mit einem solchen Auswandererschiffe seinen Tod gefunden haben. Mit den bestimmteren biographischen Berichten Atmakkari's müssen wir jetzt die Nachrichten vergleichen, welche Leo Africanus in seinem Werke: Oe viiis illustribus ete. mittheilt, und welche, wie es scheint, von den neueren Gelehrten, die über die Literatur der Juden geschrieben, nicht gekannt sind.^) Leo Africanus setzt bekanntlich das Zutrauen seiner prüfenden Leser oft auf stärkt Proben; das thut er auch bei Abraham ben Sahl. Dennoch sind seine Nachrichten über diesen Mann von vielem historischen Werth. Schon daß er (der nur so wenige Juden ausgenommen) ihm einen so großen Raum widmet, beweist, wie hoch Sahl zu Lev's Zeit gestanden haben muß. Aber dies geht noch deutlicher aus den Erzählungen selber hervor. Nach Leo war Abraham ben Sahl zwar zu Sevilla geboren, aber er hat sich in Cordova niedergelassen. Er war „nisäiousz philosophus und-astrologus.'/JJ) Aus Neigung widmete er sich der Poesie, seinen Beruf als Arzt aufgebend. Als er im Begriff war, einige erotische Gedichte zu veröffentlichen, baten ihn seine Glaubensgenossen, dies als unter der Würde eines frommen Mannes zu unterlassen; er antwortete ihnen durch Verse und ließ sich in seinem Vorhaben nicht hindern. Damals war zu Cordova Averroes Kadi ^-); zu diesem gingen die Juden und berichteten, daß Sahl die Stadt mit seinen Liedern verderbe. Averroes schickte zu dem Dichter, heimlich sich über sein Dichten und Thun zu belehren. Der Abgesandte brachte die Nachricht, daß Averroes eigener Sohn bei Sahl säße und seine Gedichte abschreibe, und daß diese im Munde aller Einwohner von Groß bis Klein waren. Averroes selbst kam in einen Bücherladen und sah, wie man den Koran für ein einziges Goldstück verkaufte; dagegen forderte der Buchhändler für ein Exemplar der Gedichte Sahl's 10 Goldstücke, und man zahlte sie sogleich auf» Da sagte Averroes prophetisch: „Der Staat muß bald untergehen, wo man das Wort Gottes so wohlfeil hingebe und muthwillige Lieder dagegen für das Zehnfache nicht zu theuer gefunden werden!"^) 10) S. Fabricii BibliothecaG’raeca XH1. pag. 296 ff. Dem fleißigen Wolf (S. ßibl. Jiebr.l. pag. 94) sind Leo's Nachrichten bekannt gewesen. Unbegreiflich ist, daß dieser, so sorgfältige Gelehrte dort die Jahre der Hegira nach unseren Sonnenjahren berechnet. 11) Astrologus ist bei Leo nicht im üblen Sinne zu nehmen, sondern mit Astronomen gleichbedeutend. 12) Dieses ist der berühmte Philosoph, der zwar 595 d. H. schon tobt und mehrere Jahre vorher nicht mehr in Cordova war, aber von dein guten Leo aus dem L.odtenreiche heraufbeschworen wird, um das Mahrchen mit seinem berühmten Namen zu schmücken. 595 der Heg. 1198 a. C. war Sahl noch nicht geboren. 13) Die letzte Anekdote erzählt Leo im Namen des Jbn al Abbar, eines sehr berühmten Dichters und Historikers, und Die Verwandten des Abraham, die zu den Vornehmsten gehörten, schließt Leo, schämten sich seiner und erledigten sich seiner wahrscheinlich durch Gift, denn man fand ihn eines Morgens tobt in seinem Bette (!), Wenn Almakkari auch fast 100 Jahre später als Leo blühte, so sind seine Zeugnisse doch im Allgemeinen gültiger, und besonders hier, wo er sich auf Jbn Said stützt, der wahrscheinlich Sahl persönlich kannte. Daher ist auch Leo nicht zu glauben, selbst wo seine Angabe nicht erwiesen falsch ist, aber mit Almakkari im Widerspruche steht. Drei Dinge sind jedoch aus feiner Erzählung zu entnehmen: 1) daß Sahl's' Dichterruf wirklich sehr groß gewesen sein muß; 2) daß Sahl von seinen Glaubensgenossen nicht geliebt worden, da er sich erotische Gesänge erlaubte zu veröffentlichen. Daß sie ihn vergiftet haben, ist gewiß eine Lüge, wir würden es für eine solche halten, selbst wenn Almakkari nicht ausdrücklich von Sahl's Untergang zur See gesprochen hatte. So weit ging der Fanatismus der Juden nicht. Aber es beweist doch wenigstens, daß sie seine Gedichte nicht gern gelesen haben. 3) Geht endlich aus Leo hervor, daß Sahl nicht Muhammedaner geworden ist. II. Nachdem Almakkari von Ibrahim ben Sahl gesprochen, der unter den Arabern im Süden der Halbinsel gelebt hatte, geht er zu einem anderen Ibrahim über, 'welcher unter den Christen gelebt. Wir lassen ihn selber sprechen: „Ibrahim Jbn-al-Fachahr al Jahudi^) ist auch ein berühmter Dichter. Ec lebte unter den Christen, und zwar im Dienste Alfonso's, Königs von Toledo, bei welchem er in so hoher Gunst stand, daß er ihn zu seinem Gesandten an dem Hofe eines mrchammedanischen Sultans in Afrika ernannte.^) Nach der Versicherung aller seiner Zeitgenossen war er in der Prosa gewählt und in der Poesie sehr glücklich. Jbn Said hat uns einige seiner Verse aufbewahrt, worunter ein Gedicht zum Lobe seines Herrn Alfonso (Gott verdamme ihn!)Jß) der sogar in einem Jahrhunderte mit Sahl lebte. Doch ist es wahrscheinlich, daß Leo es wirklich bei Jbn al Abbar gefunden und nicht erdichtet habe. Der Araber selber hat sich aber tauschen lassen. 14) Der letzte Thei! des Namens heißt blos der Jude, wie oben Al Israeli der Israelit. Ibrahim ist der Vorname, und Jb n-al-Fachahr heißt wörtlich: „der Sohn des Töpfers"; nach dem Sprachgebrauch!.' aber: „aus dem Geschlechte Alfachahr< 15) Bei Pascual de Gaycmgos heißt es: in the west, im Arabischen demnach Magreb oder Garb. Beide Wörter werden im engern Sinne flir Nord-Afrika gebraucht, da man für Spanien das Wort Andalus gewählt. Man wird unten sehen, daß wahrscheinlich hier Afrika gemeint ist. 16) Diese menschenfreundliche Formel, im Arabischen gewöhnlich: Laanahu Allah, gebrauchen die Muhammedaner in ihren Schriften sehr häufig, besonders gegen siegende Feinde und gegen große Männer überhaupt, die nicht Muhammedaner sind.