Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 17 (24.4.1841)
- Article
- Juden als Arabische Dichter
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Spalte 253-254 (sequence 6)
- Language
- German
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253 M. 2C. Levy: Der Prophet Habakuk And seine neuesten Bearbeiter. 254 wieder dieselbe Schwierigkeit emfiriden wieder Ibrahim L en Sa hl, nämlich, das einzelne Glied aus dem zahlreichen Geschlecht hervorzusuchen. Glücklicherweise finde ich in den hebräischen Makamen des angeführten Alcharisi einen von diesem wft gewöhnlich nur hingeworfenen Namen, welcher etwas Sicheres über unseren Alfachahr, Alfonso und Mostanser geben mag. Dieser Atcharifi giebt uns in der XL. VI. Makame feines Tachkemoni eine Liste jüdischer Großen von Toledo, wo er um 1200 sich aufhielt. Der dritteMann in der Reihe ist „Abraham den Alfachahr mit seltenen Tugenden und gerechten Handlungen." In Toledo herrschte damals Alfonso VIII., der. Sieger von Tolosa. Dieser Fürst war bekanntlich ein großer Freund der Judenunb stand mit den Arabern in Andalusien und Afrika wahrend seiner ganzen Regierung ^bis 1214) bald in kriegerischen, bald in freundlichen Verhältnissen. Alfonso und Abraham wären durch diese Angabe gefunden. Aber auch der wahrscheinliche Mostanser wird sich jetzt zeigen. Das Wort Chalif Al-Mostanser würde freilich auf einen Chalifen von Bagdad hinweifen. Jedoch dieser heißt auch nicht Sultan, und. der ganze Anstrich der Erzählung zeigt, daß wir es mit einem Sultan der Moahadin in Afrika zu thun. Die Sultane aus dieser Dynastie führten wohl den Titel Emir-al- Mumenin, den sonst nur die legitimen Chalifen führten; und ein Nord - Afrikaner, wie Almakkan, würde am wenigsten anstehen, die mächtigen Herrscher seines Vaterlandes Chalif zu nennen. Auch sagt er ja früher ausdrücklich, daß Alfachahr bet einem Sultan in Magreb Gesandter war; Magreb aber wird vorzugsweise von Nord-Afrika gesagt. Was hätte auch Alfonso mit dem Chalifen von Bagdad zu thun gehabt, der damals zwar sin unabhängiger Fürst, aber doch von geringer Bedeutung für Europa war? Wenn es uns durch obigeZ erlaubt wird, dm Chalifen oder Sultan in Nord-Afrika zu suchen, so wird der wahre Mostanser sogleich gefunden sein. Kurz nach der Schlacht von Tolosa nämlich bestieg den Thron der Moahadin Sultan Abu Jakub Mostanser (billah). Er besaß noch das ganze südliche Spanien und mußte nothwendig mit dem Könige von Castilien in häufigen Verkehr treten; sey es auch nur, um über die Auswechselung der Gefangenen jener entscheidenden Schlacht zu unterhandeln. Wre lebhaft damals die Christen und Araber mit einander verkehrten, geht unter Anderem auch daraus hervor, daß Mamun kurz nach dem Tode Mostanser's mit > 12,000 christlichen Kriegern, die ihm 20) Daß tc auch ein großer Freund einer schönen Jüdin war, und daß diese von Len Großen des Hofes vor den Augen des Königs ermordet wurde, erzählen viele französische und deutsche Schriftsteller; die spanischen Historiker erklären es für Zobel. der König Ferdinand von Castilien zu Hülfe schickte, nach Nordafrika zur Wiedereroberung seines Reiches ging. Möge man aus dem Gesagten sehen, daß die noch so wenig für die Geschichte des Mittelalters benutzten jüdischen Quellen nicht ohne Nutzen für die historische Forschung sind. Noch einige andere jüdische Dichter und eine Dichteren (Kasmuna) führt Makkan auf; wir werden vielleicht eia andermal davon Mittheilung machen. Leb recht. Literarische Uebersichten. Der Prophet Habaknk und seine neuesten Bearbeiter Hl! Mt. A. Lev y aus Altona. (Fortsetzung.) Wenden wir uns jetzt zu den Bearbeitern unseres Propheten. — Irr der Zeitangabe stimmen Hitzig, (604, und zwar im Anfang des Jahres, welche nähere Angabe uns aber nicht ganz erwiesen scheint) Ewald (608 — 4} und Hess e^- berg (ungefähr 600) ziemlich überein, und zwar aus dm obeuangeführlen Gründen. Deutsch, nvchdem er in Poesie und Prosa seine Pietät und Dankbarkeit gegen seine Eltern und Wohlthäter ausgesprochen (— S. 9), spricht ebenfalls (S. 9—12) über das Zeitalter Habakuk's, sucht ihn sehr hoch hinauf zu rücken, und gibt sich viele Mühe seme Kritik (die ir, der That neben der von Hitzig sich sehr wunderlich ausnimml) zu rechtfertigen. Wir können hier unmöglich auf die vielen Widersprüche dieser, übrigens in schönem Hebräisch geschriebenen Auseinandersetzungen weiter emgehen, da diese auf Wissenschastlichkeit keine Ansprüche machen können. Eine bessere und gesündere Anschauung herrscht schon in dem ,pn -und N'iir? nS’i)D (S. 12 iinb 13); auf das Einzeln'- dieser Bearbeitung, sowie die der übrigen Ausleger werden wir später zurückkommen. Wir halten indes; an dem gefundenen Resultate fest, und setzten also den. Propheten zw. 604—6, jedenfalls bei der erstmaligen Ankunft der Chaldäer in Palästina. Diesen Standpunkt müssen wir auch in allen 3 Kap. festhalten, und die Trennung, die R o s e n m ü 11 c r und Andere versucht haben, ist bereits von Knobels und de Wertes zurückgewieseu. Hitzig hat indessen von Neuem versucht rap. 111. etwas später zu setzen. Er sagt: (S. 256, 2) „die Feinde rücken bereits 1, 9. von Westen heran; cap. UL sind sie angelavgt. Ihr Kriegsgeschrei ertönt; sie machen Jagd auf die Judäer v. 14, holen ihnen das Vieh aus dem Stalle v. 17. K." Daß die beiden angeführten Verse die Ankunft des Chaldäers vorausfttzen, will dem Rec. nicht elnteuchtm, eben so wenig, daß es in der ganzen Schilderung etwa läge; denn die lebhafte Vergegenwärtigung des zukünftigen Nebels, das der Prophet im Geiste schaut, konnte das Abstrakte leicht in dke conkrete Wirtlichkeit überführen; endlich stützt sich die Annahme auf 8) A. «. O. 9) Einleitung inö A. T. Berlin 1840. S. 237 ff.