Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1841
- Issue
- 17 (24.4.1841)
- Article
- Juden als Arabische Dichter
- Date
- 1841-04-24
- Page
- Spalte 247-248 (sequence 3)
- Language
- German
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247 F.Lebrecht: Juden als arabische Dichter. Mgem. Ansicht. Ibrahim Jbn - Sahl al - Israeli. 248 Apostels des Herrn-, eine lange und schöne Kassida.7) „„Ich las sie einst"", sagt Abu Hajcw, „„und ich erkläre, daß sie hinsichtlich ihres Wohlklanges eines der wundervollsten Gedichte ist, die ich je gelesen habe""....... Es giebt aber, wie gesagt, Leute, die von der wahren Bekehrung dieses Mannes nichts halten wollen..... Al- Az, welcher sein Leben schrieb, sagt, es waren Gründe genug zu glauben, daß er ein Moslem gewesen sei; doch Gott allein wisse das Wahre der Sache. Eines aber ist gewiß; nämlich daß Jbn SahL einer der besten Dichter seiner Zeit war, wie die Sammlung seiner Poesteen hinreichend zeigt. Er lebte zu Sevilla, wo ec ein Vorsteher der jüdischen Gemeinde war (one of the elders o£ his tribe) und die Vorlesungen des Abu Ali Al- Schalubin Jbn al Dabbag und Anderer besuchte. Man erzählt, ein abendländischer Araber wurde gefragt, wie doch Jbn Sahl in einem so zärtlichen, schmelzentzM Tone singen konnte? Er antwortete, es käme daher, weil er zwei Arten von Demuth in seinem Herzen vereinigte, die Demuth eines Liebenden und die eines Juden. Abu Hajan zufolge, kam Jbn Sahl auf einer Seereise um. Das Schiff, worauf er sich befand, ging in einem Sturme mit Mann und Maus zu Grunde. Dies trug sich zu im Jahr 649, und Jbn Sahl war damals 40 Jahr oder ungefähr so alt. Als die Nachricht in Sevilla bekannt wurde, sagte ein anderer jüdischer Dichter sehr glücklich: „„Die Perle ist nur zu ihrer Muschel zurückgekehrt."" . So weit der arabische Geschichtschreiber, dessen Worte wir treu nach der englischen Übersetzung darbieten, um zugleich eine kleine Probe seiner Darstellungsweise zu geben. Fragen wir jetzt naher über die Lebensumstande des so sehr gepriesenen Dichters, so verstummen alle Literar- Historiker. Von gedruckten arabischen Büchern ist Almakkari wahrscheinlich der Erste, welcher biographisch von ihm spricht; und so unvollständig auch seine Angaben sind, so sind sie doch die einzige sichere Quelle und zugleich sichere Andeutungen für drn Forscher, die richtige Spur zu verfolgen. Den Namen Sahl in der noch sehr dunkeln Literaturgeschichte der Mauren zu ermitteln, ist etwas schwer. Nicht, weil der Name selten vorkommt, sondern weil er zu häufig erscheint. Jüdische Familien, besonders in Cordova (z. B. der Dichter Josef ben Sahl); muhammedanische Familien, besonders in Granada, tragen diesen Namen, der schon unter dem Chalifen Atmamun berühmt war; und von einem Dichter Ibrahim ben Sahl aus Valencia spricht Casici I. pag. 128. Noch bezeichnender ist derselbe pag. 112, wo eine Sammlung Gedichte im Eskurial beschrieben wird, deren Verfasser Abu Jschak Ibrahim ben Sahl. Hispalensis heißt. Die Abraham oder Jbra- 7) Kassida heißt ein Gedicht, das wenigstens 39 Doppelverse enthalt. him hatten gewöhnlich den Ehrennamen Abu Jschak in Beziehung auf den Patriarchen, so wie die Jakub gewöhnlich Abu Jusus hatten. Da dieser Ibrahim zugleich aus Sevilla ist, so hätten wir doch einigen Grund, die Identität mit dem unscigen für wahrscheinlich zu halten. Dennoch wage ich hier nicht, eine bestimmte Meinung darüber auszuspcechen, weil mir weitere Data fehlen. 8) Fassen wir jetzt nach Almakkari die Lebensmomente des Dichters zusammen, um sie in eine kleine Skizze zu vereinen. Ibrahim Jbn Sahl war um 1211 (609d.H.) geboren. Wahrscheinlich zu Sevilla^); wenigstens muß er sehr jung dorthin gekommen sein, da er die dortigen Schulen besuchte. Sevilla hatte damals über 300,000 Einwohner und war der Mittelpunkt der Industrie, der Bildung und des Reichthums, seitdem Cordova gefallen war. Auch die jüdische Gemeinde war zahlreich und (heilte nach Verhältniß die Gunst der damaligen Zustände Sevilla's, das übrigens nicht eine bloße Stadt sondern ein Staat war. Daß Ibrahim ben Sahl in dieser Gemeinde, trotz seiner Jugend (da er nicht alter als 40 geworden), Aeltester war, beweist schon genug für seine Vorzüge. Es beweist aber auch besser als alles Andere, daß ec kein Moslem gewesen sein kann, wenigstens so lange er diese Würde bekleidete, und aus Almakkari's Worten läßt sich schließen, daß er bis. zu seiner Todesreise Vorsteher war. Das Streben der Araber, ihn als einen Proselpten darzustellen, wird durch zweideutige Autoritäten begründet. „A. hörte von B., welcher es wieder von C. hörte, den er auf Reisen kennen gelernt, daß D. rc." ist nach wahrhaft historischen Grundsätzen nur ein Beweis, daß man keinen Beweis hat. Da es Männer, mit Namen Ibrahim ben Sah! gab, die unbezweifelt Muhammedaner waren, so ist der Jrrthum sehr leicht möglich gewesen. Das Streben ist aber jedenfalls ein neuer Beweis, wie hoch sein Ansehen bei den Arabern war, da sie sich so sehr bemühen, ihn für einen der Ihrigen zu erklären. Daß er aber viel unter Muhammedanern gelebt und sich keiner Enthaltsamkeit nach den Regeln der strengen Orthodoxie unterworfen habe, möchten wir für sicher halten. Kurz vor seinem Tode im Jahre ging bekanntlich Sevilla in die Hände des Castilischen Königs Ferdinand über. Vertragsmäßig dursten die Einwohner (die sich heldenmüthig vertheidigten) mit ihrer Habe abziehen. Juden und Moslems eilten in der That nach Afrika hinüber 8) Jbn Chaldun bei De ®aaj> (Anthologie Gramnsaticale Aral)e p. 429) spricht von einem Ibrahim Sahili, der eine neue poetische Schule stiftete; aber nach der Stelle zu urtheklen, die er in der Reihe der aufgezahlten Schulen einnimmt, hat er nichts mit unserem Sahl gemein. Sein Vorgänger ftarb 749 d. H. De Sacy muß die Beschreibung des Leo Afrikanus entgangen sein. Eben so wenig verweist Casiri 1. 1. auf ihn. 9) S. unten bei Leo Astikanus.