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Der Orient · 1841-04-24 · Heft 17 (24.4.1841) · p. Seite 130

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 17 (24.4.1841)
Article
Abyssinien: die frühe Judäisirung dieses Landes
Date
1841-04-24
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 noch bis heute der Stammahn aller regierenden Kaiserfamilien sei. Gewiß ist nur, daß die.Juden schon in frühester Zeit da gewesen, daß das Judenthum, obgleich zwar entstellt, bis auf das 4. Jahrhundert herab ausschließlich geherrscht, und daß selbst nach so langen Jahren der Christianisirung, von dem heiligen Frumentius bis auf die Jesuiten und die jetzigen katholischen und protestantischen Missionen herab, wo die furchtbare Gewalt des Proselyteuthums das Leben und Weben dieses Volkes durchwühlte, der christliche Cultus noch bis auf diesen Tag von jüdischen Gebrauchen fast verschlungen wird. Nur durch das hohe Alter des Jubenthums daselbst laßt es sich 'erklären, warum man in Abyssinien nicht die mindeste Spur von egyptischen Religionsweisen oder von egyptischen Religionsdenkmälern findet, obgleich das Reich Mer oe so nahe war. Vom vierten Jahrhunderte an suchte das Christenthum anfangs in (manischer Form, spater in monophysitifcher sich Eingang zu verschaffen, aber schon vom 8. Jahrhunderte an erwachte das Judenthum wieder und führte bittere, blutige Kämpfe mit dem Christenthum; und obgleich nun auch der Isla nieder sich nun auch allmalig eingeschlichen, mit gegen das Judenthum kämpfte, so gelang es doch dem festgewurzelten Judenthum e im 10. Jahrhundert die Oberherrschaft über das ganze Land wieder zu besitzen, und ^war 300 Jahre lang. Die blutigen Kampfe hörten aber nicht auf; im 13. Jahrhundert hatte das Christenthum wieder den Sieg und die Obergewalt, und zwar einige Jahrhunderte lang, wozu der Egypter Tekla Haimarant vorzüglich beigetragen; da kamen die Kämpfe mit dem Muhawmedanismus von Neuem, und wären die Portugiesen im 16. Jahrhundert nicht den fast Besiegten zu Hilfe geeilt, sie würden kaum sich haben erheben können. Mit den Portugiesen kamen die Jesuiten m das Land, und. nach einem Schalten und Fanatistren von 110 Jahren (1530—1640) wurden sie verjagt. Jetzt ist das Christenthum, obgleich 'herrschend, zum Jndifserentismus herabgesunken und der Islam gewinnt immer mehr Platz. Seit der Besiegung des Judenthums wurden die Juden immer wehr zu den andern zwei Hauptreligionen hingezogen, zumal sie von ihren übrigen Glaubensbrüdern ganz abgeschnitten sind, und noch vor fünfzig Jahren wurde eine große Zahl zum Christenthume gezwungen. Jetzt wohnen sie großentheils in dem Gebirge Samen, nahe bei dem sehr spitz zulaufenden Berge Amba Gidron (Judenburg), und ihre Weiler und Dörfer sind alle befestigt, um vor Ueberfall zu schützen. Der Fleiß und die Arbeitsamkeit dieser Juden sticht sehr gegen die trägen und entsittlichten andersgläubigen Abyssinier ab; sie allein sind die eigentlichen abyssinischen Handwerker, sie sind die Maurer, Töpfer rc. Außer diesen ursprünglichen abyssinischen Juden, die man Felasga's nennt, gibt es noch einen jüdischen Stamm, der sich von den gewöhnlichen Juden getrennt, und durch minder strenge Grundsätze eine eigene Sekte bildet. Diese erwähnenswerte Sekte, welche auch in Bezug auf ihre Wohnsitze sich von den Juden losgerissen, denn sie wohnt einige Meilen nördlich von Gondar in einer durch ihren Fleiß sehr angebauten Gegend, führt den Namen Ga man t, und wird von Muhammedanern und Christen als heidnisch verachtet und von den Juden lieblos zurückgestoßen. Diese Gaman t's glauben an einen Gott, an Unsterblichkeit der Seele, und nur Moses allein gilt ihnen als Prophet Gottes. Sie bekümmern sich aber wenig um den Pentateuch, noch um die jüdischen Fest- oder Fasttage, und das Einzige was sie thun ist, daß sie sich am Sabbat des Ackerbaues enthalten. Auch die complicirten Gesetze des Viehschlachems, wie sie bei den echten Juden dort beobachtet werden, achten sie nicht, und sie effen ohne Rücksicht jedes Fleisch, weshalb sie aber auch sehr verabscheut werden. Es sind aber diese Gam an t die gutmüthigsten, ruhigsten und fleißigsten abyssinischen Bürger, obgleich sie viele Verfolgungen von allen drei Religionen zu ertragen haben. Ihre Sprache ist die der Felasga oder ursprünglichen Juden; sie waren auch, nach der Sage im Volke, früher echte und rechte Juden, und erst gegen das Ende des 13. Jahrhunderts, wo das Christenthum sie hart und furchtbar mitverfolgte, sonderten sie sich von den Juden als eigene Sekte ab. Man glaubt aus ihrer Kopfform und aus ihren Gesichtszügen schließen zu dürfen, daß sie zu dem durch das Jndenthum bekehrten alten Geschlechts der Aethiopier gehören; es ist aber noch sehr zweifelhaft, da die abyssinischen Juden überhaupt gar keine jüdisch-nationale Physiognomie haben. Da das ganze tiefgesunkene Land von verschiedenen Ras (Reichsverwesern) regiert wird, haben die Inden auch ihren eigenen Ras. — Bon den noch übriggebliebenen jüdischen Gebräuchen im Christenthume sind etwa folgende, welche am meisten in die Augen fallen. Ihre Kirchen haben keine Glocken, wie die Synagogen bei den Juden; Bilder von hocherhabener Arbeit sirrdet man in ihren Kirchen nicht, solche Bilder werden als Götzendienst verabscheut, aber wohl dulden sie gemalte Bilder. In jeder Kircheistein Tad o t (Teba)oder M an der, ungefähr wie die Gesetzlos in den Synagogen, und dieser Teba werden die großen Verehrungen erwiesen. Das Neujahrsfest wird nur zur Zeit des jüdischen Rosch Ha-Schana (ungef. Ende August und Anfang September) gefeiert, nie aber zur Zeit des christlichen. Als Rüppel da war, wurde es den 10. Sept. gefeiert. Das Osterfest dauert acht Tage. Das Fasten der abyssinischen Christen besteht in dem Sichenthalten von aller Speise und Trank von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergang, und außer dieser Zeit hält man alles für erlaubt. Daß von den Christen der jüdische Sabbat gefeiert und die Beschneidung beobachtet wird ist bekannt, obgleich es I auch wahr ist, daß alle diese Reste von jüdischen Ge-

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