Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1841-03-27 · 13 (27.3.1841) · p. Spalte 187-188

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
13 (27.3.1841)
Article
Ueber den Kanon
Date
1841-03-27
Page
Spalte 187-188 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8555529-9897381-9897430-2365168--1261-2365196
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

188 187 Ueber den Kanon der jüdischen heiligen Schriften. Eine kritische Untersuchung. ren, wenn sie uns wahrscheinlich erscheinen. Auf die Ansicht, das manche Verfasser absichtlich Lügen verbreiteten, und zu irgend einem Zwecke mit Vorbedacht sich Mährchen ersannen, auf die der Historiker demnach gar keine Rücksicht zu nehmen habe, gehen wir nicht ein; wir halten es nicht der Mühe werth, dieselbe zu widerlegen. Sie hat bereits durch die trefflichen Arbeiten eines Keil, Dahler K. ihre Würdigung gefunden, und über-sich selbst dm Stab gebrochen. Die Verfasser der biblischen Bücher, und namentlich meinen wir hier für die Folge unserer Untersuchung, Len Chronisten, waren weit entfernt von absichtlichem Trug, und wollten sicher nicht durch die Menge ihrer Citate in eitlem Prunke glänzen. Sie berichteren nach ihrer frommen Ueberzeugung, was sie gehört, und was sie in frommer Unschuld und in begeisterter Liebe für den erhabenen Zweck ihrer Erzählungen mit glühendem Eifer glaubten. Die Bücher und die Schriften, die sie erwähnen, haben sie gesehen, oder sie waren ihnen bekannt. Wir wiederholen es: eine schlau berechnete Lüge maßen wir nicht den Verfassern der biblischen Bücher bei; und wenngleich wir es versprachen, unsere Untersuchung von dem Einflüße jeder Privatansicht fern zu halten, und jedweder Meinung .zu acommodicen, so glauben wir dennoch nicht, so leicht selbst dieses uns hätte werden können, indem wir die Wahrscheinlichkeit und Richtigkeit jedes einzelnen angeführten Berichts nachzuweisen uns bemüheten, auch dieser griesgrämigen Ansicht sich fügen zu müssen. Sie tragt zu sehr das Gepräge derer an sich, 'die sie erfanden und vertheidigten, als daß sie des Beifalls sich erfreuen, oder eine Berücksichtigung verdienen dürfte. Wie diese Herren einseitig die Wahrheit zu behandeln und zu verkehren gewohnt sein mögen, wie sie durch eine herbeigeschleppte Gelehrsamkeit gern zu glänzen sich bestreben, maßen sie gleiche Verderbtheit, gleiche Eitelkeit den einfältigen frommen Verfassern der heiligen Bücher bei, eine Eitelkeit, an die dazumal, da weder eine Professur noch der Ruf einer literarischen Notabilitat zu erringen stand, gewiß nicht im entferntesten gedacht wurde. Man sieht gelb mit gelbsüchtigen Augen, und bei einem Vorurtheil wird man in Allem egoistische Beweggründe finden. Wir nehmen von dergleichen Ansichten keine Notiz, und halten, insoweit uns dieBerichte in der Bibel wahrscheinlich erscheinen, dieselben auch für glaubwürdig, und gehen mit diesem Grundsatz zur Untersuchung und Ermittelung der vorhandenen Bücher und ihres gegenseitigen Verhältnisses. Mosis hat, nach Exodus 24, 4 Gesetze publicirt und niedergeschrieben; es heißt: „und Moses verzeichnete die Worte des Herrn; und 24, 1: er nahm das Bundesbuch und verlas es dem Wolke". Daß dieses möglich und wahrscheinlich, wird jetzt von Niemand mehr, da das Alter der Schreibekunst erwiesen sich von der vormosaischen Zeit herdiktirt, bestritten werden. In diesem Gesetzbuchs, oder in dieser Gesetzsammlung, waren nun ferner die Segnungen und die Flüche des Bündnisses verzeichnet, nach Jofua 24. „und Josüa verlas die Worte deS Gesetzes, den Segen und den Fluch, ganz wie es geschrieben ist, in dem Buche der Lehret Auch den Krieg der Amalekiter, wahrscheinlich mit dem daran verknüpften Gesetz über die Dauer des Hasses, beschrieb Moses, nach Exodus 17,13; und die Züge der Israeliten durch die Wüste, nach Num. 33/ 2. Dieses Alles, constatirt nach jedweder Ansicht über das Zeitalter des Pentateuchs, muß unbedingt von Allen angenommen, und als eine historische Thatsache anerkannt werden. Vor seinem Tode, lesen wir nun Dt. 31, 16, befahl Moses den Leviten, den Trägern der Bundeslade: nehmet dieses Buch der Lehre, und leget es zur Seite der Bundeslade des Ewigen, Eueres Gottes, daß es dort zum Zeugnis sei. Dieses Buch waren nun eben diese erwähnten Monumente, selbst wiederum, wenn Moses der Verfasser des Pentateuchs ist; weil wie wir aus Josua 7, 33 erfahren, von eben diesem Gesetze, das Moses schrieb für die Kinder Israel, eine Abschrift iWD auf Steine eingegraben wurde, es aber durchaus unmöglich erscheint, daß der umfangreiche Pentateuch auf Steinen sollte eingegraben worden sein. Es war also nothwendig das Buch, das spater unter Josua eingegraben wurde, nur der Inhalt der Gesetze und des Bündnisses, die beide Moses niederschrieb, und zur Seite der Bundeslade legen ließ. Abgesehen daher von dem Pentateuch tag zur Seite der Bundeslade ein Codex von Gesetzen, unter dem Namen, „die Lehre Mosis"; bei welchem sich auch einige geschichtliche Notizen gefunden haben mögen. Zu diesem Buche schrieb Josua noch Einiges hinzu. Es war dieses wohl, auch Gesetze und die Erneuerung des Bündnisses. Denn also lesen wir Jos. 24,25,26 „und Josua stiftete ein Bündnis mit dem Volke an jenem Tage, und gab ihm Gesetze und ordnete Gebrauche an zu Sichern"; es heißt dann ferner: „Josuaschrieb n^NSTOnTin triefe SBorte in das Buch der Lehre Mosis". Diese Worte sind aber offenbar nichts anderes als das vorangegangene, nämlich : die Gesetze und die Erneuerung des Bündnisses, das Moses schloß; vielleicht mögen auch hier die Grenzbestimmungon und die Eroberungen und Züge nach dem Vorbilde „der Lehre Mosis" verzeichnet worden sein; denn dieses ist alles, was unter der Bezeichnung „diese Worte" begriffen werden kann; mehr kann nach dem natürlichen Wortsinn damit nicht bezeichnet worden sein. Jedenfalls aber geht daraus hervor, daß man sich zu dem vorhandenen Buche „Lehre Mosis" Zusätze zu machen erlaubte, und daß daher dasselbe-nicht der Peutateuch, in dem diese Zusätze sich nicht befinden, mindestens nicht in der Form, die derselbe jetzt hat, gewesen sein kann. Denn die Annahme Abrabanels, das Buch Josua mit dem Pentateu^) sich verbun-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.