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Der Orient · 1841-03-27 · 13 (27.3.1841) · p. Spalte 185-186

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Journal
Der Orient
Volume
1841
Issue
13 (27.3.1841)
Article
Ueber den Kanon
Date
1841-03-27
Page
Spalte 185-186 (sequence 1)
Language
German
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185 UeLer den Kanon der jüdischen heiligen Schrksten. Esra's wiederhergestellten Bücher. 186 Ueber den Kanon. V (Fortsetzung.) Denn in derselben werden die abgeschmacktesten Legenden mit einer solchen Leichtgläubigkeit als historische Begebenheiten erzählt, daß wir weder der Kritik noch.der historischen Treue des Werfassers sonderlichen Glauben beimessen dürfen. Gleichwohl hat der angeführte Bericht, über die Herstellung des Gesetzes durch Esra, auf eine eigenthümliche Weise eine gewisse Glaubwürdigkeit für sich. Derselbe befindet sich im 14. Kap. d. B., und wir führen hier ihn in seinen Hauptmomenten wörtlich an. Er lautet wie folgt: 6t dixit Esdras: positum est seculum in tenebris, et qui babitant in eo sine lurnine9 quoniam ]ex sua incensa est, propter quod nejno seit, quae a te facta sintr et quae ineipianfc^opera; und Gott befiehlt ihm hierauf fünf Männer'zu wählen, denen er das Gesetz vordiktiren soll. Und nun heißt es ferner: et illi viri scripsere, quas dicebam, excessiones notis5 qnas non sciebant, noctu. autem-manducabant panem, ego autem per diem loquor et per noctem non tacebam.1) Scripti sunt autem per quadraginti dies (die gewöhnliche volle Zahl, oder als ein Nachbild der Gesetzgebung durch Mofis) Iibri ducenti quatuor. Et factum est, cum complevissent quadraginti dies, et locutns est altissimus dicens, priora quae scripsisti in palam pone, et legant digni et indigni, novis.simos autem Septuaginta conservabis, ut tradas eos sapientibus ac populo tiso; et feci sie." Der arabische Paraphrast zu dieser Stelle liest zwar an dieser Stelle statt 204 Bücher 94, so daß, wenn man die 7O, die er nicht der Deffentlichkeit übergab, hinwegnimmt, gerade 24 Bücher chleiben, so viel es ihrer etwa wirklich im heiligen Kanon sind. Allem da zur Zeit, da Esra diese Bücher geschrieben haben soll, doch unmöglich alle Bücher, die uns erhalten worden sind, 1) Ueber diese schwierige Stelle vergl. Corrodi: Beleuchtung des Kanon's. Halle p. 173. Er meint, da sie Nachts nicht schrieben, so habe er. wohl schweigen können; und er will darum das non vor tacebam streichen. Allein bei dieser Lesart wäre autem nach ego unpassend; man würde eher et ego eüam* erwarten. Es scheint mir daher, was bei den schlechten Latim'tat des -Buches leicht denkbar ist, tacere die Bedeutung von „ruhig sein" „Ruhe haben" an dieser Stelle zu. haben. Eine Bedeutung, die jedenfalls mit der ursprünglichen in gewisser Beziehung verwandt ist. Der Sinn dieser Stelle ist dann folgender. Da er des Nachts Erscheinungen, exce8siones hatte, so hatte um diese Zeit selbst, während welcher sich die fünf Männer pflegten, auch nicht einmal Ruhe. Und dieses bildet einen vortrefflichen Gegensatz: ego autem ne noctu quidem quiescebam, quia excessiones habucrain. — und unter denen auch das Buch Esra und Nehemja gehört, als Denkmäler einer alten Zeit gesammelt werden konnten, da ferner nach andern Berichten, die wir weiter unten anführen werden, ein Theil der Bibliothek ..durch Nehemja hergestellt wurde, fo hat die Variante des arabischen Paraphrasten für uns keine größere Glaubwürdigkeit als die des lateinischen Urtextes. Und da nun diese entschieden älter ist, jene dagegen' in eine Zeit. fällt, da die Spur jeder Sage völlig verwischt ist (etwa in das eilfte Jahrhundert), so haben wir der des lateinischen Textes einen größeren Werth in Betreff der Glaubwürdigkeit beizumeffen. Es wird dieses noch ferner dadurch bestätigt, daß, wie es in einem sehr gründlichen Aussatz in der Bibliothek von Eichhorn Bd. IX. „über die arabische Paraphrase des vierten Buches Esra" dargethan wird, der Verfasser mitunter das..Streben, das Unglaubwürdige und Auffallende in dem Buche zu beseitigen, verleitet hat, den Text nach beliebiger Weise auf eine Conjettur gestützt zu verändern^ Dieses Streben scheint wohl auch hier die von dem lateinischen Text abweichende Zahl erzeugt zu haben; sie 'stimmt mit der vorhandenen Zahl der biblischen Bücher; die ursprüngliche und richtige dagegen war aller Wahrscheinlichkeit nach die des lateinischen Textes, nämlich 204, gewesen. Nun ist aber diese Zahl weder eine runde, noch stimmt sie überhaupt auf irgend eine Weise mit den Büchern oder Abschnitten der vorhandenen Bücher. Dagegen aber zeigt sie gerade, daß die Erzählung nicht eine reine Diction sei; denn es giebt keine Analogie in irgendeiner Legende oder Sage für dieselbe. Sie scheint vielmehr eine historische Basis zu haben, und eine traditionelle Thatsache zu enthalten, welche die dichtende Sage zu einer Legende ausspann. Die benannte Zahl deutet demnach auf Bücher hin, unter denen durchaus nicht die vorhandenen biblischen Bücher zu verstehen sind; wie dieses zudem auch durch jene Bücher, die mit der ungefähren runden Zahl „siebzig" gezahlt, und geheim gehalten wurden, hinlänglich erweislich ist. Es geht deutlich daraus hervor, daß diese Sage , die überdies auch nur von dem Gesetze spricht, auf eine factische Sammlung von Büchern durch Esra hindeute, die aber durchaus nicht die vorhandenen Bücher des Kanons sind. Was für Bücher indessen es waren, darüber haben wir uns Raths aus den Büchern des Kanons zu Holm. Sie sollten nach der Sage eine Reproduktion der verloren gegangenen oder verbrannten Bücher sein, und wir müssen darum in den vorexilianischen Zeiten uns nach den erwähnten umseherr, als welche von Esra restitm'rt wurden. Wir werden alle betreffende Notizen sammeln, und bemerken wiederholentlich zum voraus, daß wir die Authenticität und die Glaubwürdigkeit der Berichte voraussetzen, insofern nicht innere'Gründe dagegen sprechen, und daß wir denselben eine historische Gewißheit vindici-

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