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Der Orient · 1841-03-20 · Heft 12 (20.3.1841) · p. Seite 95

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 12 (20.3.1841)
Article
Fünfzigste General-Versammlung der Gesellschaft der Freunde in Berlin
Date
1841-03-20
Page
Seite 95 (sequence 3)
Language
German
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- 95 wie Me Gesellschaft der Freunde sie in sich vereinigt, an die Verschiedenheit der Abkunft und der Konfession so wenig früher gedacht habe, als jetzt denke oder künftig denken werde, daß vielmehr der wahre innere Werth allein den Ma-crßstab meiner Hochachtung gegeben hat und ferner abgeben wird. St reck fuß. Meine Freunde! In den offenen und biederen Zugeständnissen dieses Schreibens liegt eine Genugtuung für uns, die uns mit Stolz erfüllen darf. Es kommen diese Zugeständnisse von einem Manne, dem irn Rathe des Königs und seiner Minister ein einflußreiches Wort zusteht, wenn cs sich um die Gesetzgebung über Juden handelt. Gebe der Himmel, daß auch die übrigen Rathgeber unseres vorurteilsfreien, jede Religion auf gleiche Weise schützenden Monarchen von solchen Gesinnungen durchdrungen und eben so von dem Wunsche beseelt sein mögen, das, was sie theoretisch als human und recht erkannt, auch praktisch in die Gesetzgebung und in das Leben einzuführen! Bei der Erwähnung des Festes vom 24. Oct. liegt mir die angenehme Pflicht ob, den Directoren des Geselligen Vereins für die Bemühungen zu danken, mit denen sie dieses Fest arrangirt hatten, bei welchem sie natürlich der Gesellschaft den ihr gebührenden Vorrang einräumten. Nicht minder anerkennenswert war die von den Directoren des Geselligen Vereins am Sonntage nach der Huldigung veranstaltete Speisung und Beschenkung christlicher und jüdischer Waffen — ein Akt der Wohltätigkeit, der ganz im Geiste unserer Gesellschaft war, die ja auch,eine Mutter von Waisen ist. Möge der Gesellige Verein, der sich im verflossenen Jahre durch eine Revision seiner Statuten, so wie durch andere zweckmäßige Einrichtungen regenerirt hat, immer in gleicher Art treu den Grundsätzen der Gesellschaft bleiben, deren Begleiter er ist. lluserem Witwen- und Waisen-Jnstitute hat sich im Jahre 1840, nachdem eine Veränderung in den Statuten desselben Gelegenheit dazu gegeben, eine neue Quelle von Einnahmen eröffnet, indem eine Anzahl von Mitgliedern sich durch Einzahlung eines namhaften Geldbetrages als perpetuelle Freunde des Institutes in die Listen desselben hat einzeichnen lassen. Ich danke diesen Freunden, die der bei der vorjährigen General- Versammlung ausgesprochenen Aufforderung so rasch und bereitwillig gefolgt sind, und zweifle nicht, daß ihr Beispiel auch noch viele Nachahmung finden werde. Durch Erhöhung des Maximums der Unterstützungen an Witwen bis auf 160 und an Waisen bis auf 36 Thaler jährlich haben zwar die ordentlichen Ausgaben des Instituts im vorigen Jahre sich vermehrt, doch sind die ordentlichen Einnahmen an Zinsen und freiwilligen Beitragen immer noch bedeutend größer, so daß mit Hinzufügung der Einzahlungen perpetueller Freunde das Grundvermögen des Witwen - und Waisen - Instituts auch im Jahre 1840 einen erfreulichen Zuwachs erhalten hat. Im vorigen Jahre ist, wie Sie sich erinnern werden, von unseren ehrwürdigen. Pflegevater der Wunsch ausgesprochen worden, daß von der'Gesellschaft ein Arzt bestellt werden möge, der ihn bei bei der väterlichen Vorsorge, die Beerdigung verstorbener Freunde erst dann stattsinden zu lassen, wenn unzweifelhafte Zeichen der Verwesung eingetreten, als Sachverständiger unterstütze. Ihr größerer Ausschuß hat sich dadurch zu dem Beschlüsse veranlaßt gefunden, unfern treuen Pflegevater zu ersuchen und zu ermächtigen, bei jedem einzelnen in der Gesellschaft vorkommenden Todesfälle, mit Zustimmung der Familie des Vorstorbenen, nöthkgenfalls einen besondere Arzt herbeizuführen, der ihn als Sachverständiger unterstütze und dafür in jedem einzelnen Falle aus der Kasse der Gesellschaft zu honorieren sein würde. Noch habe ich aus dem Laufe des vorigen Jahres eines Ereignisses zu gedenken, das, wenn es auch mehr dem stillen Kreise des Familienlebens, als der Oeffentlichkeit angehörte, doch auch für die Gesellschaft mit freudiger Erinnerung verbunden war. Unser ehrwürdiger Freund B. L. Lindau, mehrere Jahre hindurch Vorfleher der Gesellschaft, hat nämlich am 12. August 1840 seine goldene Hochzeit gefeiert. Ihr engerer Ausschuß hat sich an jenem Tage in corpore zu dem Jubelpaare begeben, um demselben die Glückwünsche der Gesellschaft zu überbringen, und hat dadurch gewiß in Ihrer Aller Sinn gehandelt. Wer unter uns sollte nicht in den Wunsch einstimmen, daß dem ehrwürdigen Greise, der zu dem vielen Guten, das er in seinem Leben gefördert, auch unsere Gesell- ' schafc zählen darf, noch lange vom Himmel vergönnt sein möge, die Saat des Edeln auf Erden gedeihen zu sehen. Wie von selbst bringt mich dieses Wort der Erinnerung an das Jubiläum unseres ehemaligen Vorstehers auf die nun auch der Gesellschaft selbst bald bevorstehende herrliche Jubelfeier. Schon hat das Jahr begonnen, welches ein halbes Jahrhundert ununterbrochener treuer Wirksamkeit abschlicßt; schon sind wir heute seit dem 29. Januar 1792 zum fünfzigsten Male versammelt, um uns die Hand zu einem neuen Jahre der Freundschaft und der Bruderliebe zu reichen. Ihr edle Männer von 1792, die Ihr in dieser Versammlung anwesend seyd, oder denen dieses Wort noch auf dem Zimmer zukömmt, an das Ihr vielleicht durch Alter und Unwohlsein gefesselt werdet, möge der schützende Genius der Gesellschaft, möge die allwaltende Liebe' Gottes Euch Gesundheit und neue Kraft'verleihen, damit Ihr Euern und der Gesellschaft Ehrentag um so freudiger mit uns feiern, könnet. Wir, die Jüngeren, wir ärndten ja nur, was Ihr gesäet habt. Alle Anerkennung, alle Liebe, die der Gesellschaft, und durch diese zum Theil auch uns selber gezollt wird — sie ist Euer Verdienst, Euch allein gebührt sie und Euch bringen wir sie dar, wir, die Jüngeren der Gesellschaft, die wir auch die Dankbaren zu sein die Verpflichtung haben. Steht uns bei, Ihr Freunde von 1792, steht uns bei mit Eurer Erfahrung, die im Dienste der Gesellschaft, in der Liebe zu ihr ergraut ist, auf daß wir im Geiste E ur e^r Stiftung den Jubeltag eines Bundes feiern, dessen Gedanken Ihr zuerst gefaßt, dessen Wirksamkeit Ihr in's Leben gerufen und fortgeführt, und dessen in weiten Kreisen gefeierten Namen Ihr unserer Zeit überliefert habt. Ihr habt sie ja auch persönlich gekannt, die vielen Edeln, die mit Euch an dem schönen Baue gearbeitet und denen wir nicht mehr selbst danken können, weil sie bereits heimgegangen zu dem Vater, der sie gerufen. Mögt Ihr auch sie unter uns vertreten $ mögt Ihr in ihrem geheiligten Namen uns an den ursprünglichen, rein der Menschenliebe gewidmeten Gedanken der Gesellschaft erinnern, wenn wir vielleicht, auf die Anerkennung der Welt zu großes Werth legend, uns von diesem Gedanken hier und da entfernen sollten. Möge aber auch Eure Stimme, sich mit der unserigen verbinden, um einzuladen die nah und fern lebenden Freunde, damit Keiner an dem schönen Tag uns fehle, Keiner — auch der Entfernteste nicht! Selbst, wer jahrelang sich bebegnügte, zwar voll Theilnahme, aber aus stiller Zurückgezogenheit, das Wirken der Gesellschaft zu beobachten, der wird doch bei ihrem Jubelfest erscheinen und dadurch gern zur Verherrlichung einer Idee beitragen, die fünfzig Jahre lang Saaten der Liebe ausgestreut und auch künftigen Geschlechtern noch gesegnete Früchte tragen wird. Ja, auch künftigen Geschlechtern noch wird sie gesegnete

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