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Der Orient · 1841-03-20 · Heft 12 (20.3.1841) · p. Seite 94

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 12 (20.3.1841)
Article
Fünfzigste General-Versammlung der Gesellschaft der Freunde in Berlin
Date
1841-03-20
Page
Seite 94 (sequence 2)
Language
German
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94 Hülfe in Anspeuch nehmenden Freunde in dem Verhältnisse gewachsen, wie die derjenigen, die ihren Beistand uns angeboren. Zwar steigen unsere Ausgaben mit jedem Jahre, und in dem eben verflossenen haben wir eine Summe von nahe an Fünftausen d Lhaler an periodischen Unterstützungen, an Kosten der Krankenpflege, so wie in unserm Institute für Wittwen und Waisen verwendet, aber dessen ohngeachtet ist auch diesmal wieder unser Grundvermögen, in Folge der durch perpetuelle Mitglieder geschehenen Einzahlungen, größer geworden. Allerdings weisen im'Jahre 1840, eben so wie es 1839 der Fall war, die ordentlichen Einnahmen und Ausgaben der Gesellschaft ein kleines Defizit nach, doch die regelmäßige Wiederkehr dieser Erscheinung, die, wie gesagt, unser Grundvermögen nicht einmal berührt, ist nur dem Mißverhältnisse zuzuschreiben, daß unsere jährlichen Beiträge, die, laut §. 23 der Statuten, ohne Einwilligung aller Mitglieder nicht erhöht werden dürfen, noch immer so gering sind, wie sie bereitssbei Begründung der Gesellschaft vor beinahe einem halben Jahrhundert waren, wahrend doch seitdem die häuslichen Bedürfnisse und die Kosten des Lebensunterhaltes bedeutend größer geworden, so daß wir jetzt, wenn wir wirklich Freundes-Pflicht üben wollen, unseren bedrängten Familienvätern ganz andere und viel höhere Unterstützungen gewähren müssen, als man bei der Festsetzung der Betrags-Rate bewilligte, wo die Gesellschaft fast nur aus unverheirateten Mitgliedern bestand. Es wird Ihnen in der heurigen General-Versammlung, zur möglichen Beseitigung dieses Mißverhältnisses, ein Antrag vorgelegt werden, der bereits vom größern Ausschuß, so wie von einer Kommission von 25 geprüft worden. Ich erlaube mir daher, vorläufig noch darüber hinwegzugehen, und zu den erfreulicheren Ereignissen des Jahres zurückzukehren, deren ich im Eingänge meines Vortrages gedacht habe. Zu den erfreulichsten gehört unstreitig das Fest, welches die Gesellschaft am 24. October v. I. veranstaltet hatte, um auch ihrerseits dem..Könige, dessen Thronbesteigung in Preußen, in Deutschland, ja in ganz Europa so viele freudige Hoffnungen geweckt, ihre ehrfurchtsvolle Huldigung darzubringen. Der Gesellschaft ward bei dieser Gelegenheit die Genugthuung, aus dem Munde hochgestellter Männer, die sich zu unserm Feste eingefunden hatten, die freundlichste Anerkennung ihrer Bestrebungen zu vernehmen und das sittliche Prinzip, das unfern Bund Zusammenhalt, in einer Weise ausgezeichnet zu sehen, die zugleich allen Mitgliedern des religiösen Verbandes, dem die Gesellschaft zunächst angehört, als erfreuliche Verkündung einer Zukunft erscheinen konnte, welche jeden politischen Unterschied zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen der Staatsbürger aufheben werde. Lassen Sie mich zunächst mit Dankbarkeit der Worte gedenken, die der Oberbürgermeister unserer Stadt in diesen Räumen ausgesprochen $ denn sie waren ein ehrendes Zeugmß für den Bürgersin n unserer Mitglieder. Sie haben uns in höchster Instanz bestätigt, was in einzelnen Fällen jeder von uns schon erfahren, daß unter den wahrhaft gebildeten christlichen Bürgern Berlins, der geistigen Hauptstadt Deutschlands , die angeerbten Vorurtheile gegen ihre,jüdischen Mitbürger einem erhebenden Gemeinsinne Platz gemacht, der seine eigene Freiheit, sein eigenes Recht, in der Freiheit und dem Rechte aller derjenigen erkennt und rhrt, die gleiche Pflichten zu tragen haben und gleiche Vaterlandsliebe, gleiche Bürgersinnung an den Tag legen. Es erhielten aber jene Worte des Bürgerhauptes unserer Stadt eine noch größere Bedeutung dadurch, daß sich ihnen auch ein Mann anschloß, der, eben so hoch stehend durch seine Stellung in der amtlichen wie durch seinen Namen in der literarischen Welt, theoretisch und praktisch Anlaß und Beruf hat, das gegenseitige Verhältniß der christlichen und der jüdischen Staatsbürger zu ermitteln und ftstzustellen. Herr Geheimer Oberregierungsrath S tr e ck fu ß, dessen hier vernommenes Wort gleich würdig des Staatsmannes wie des Biedermannes war, hat, was er damals gesprochen, auch noch in einem besondern Schreiben an mich wiederholt, ja sogar verstärkt. Ich glaubte, Ihnen in der heutigen General-Versammlung kaum etwas Angenehmeres, als den Inhalt dieses Schreibens, das sich hauptsächlich auch auf unsere Gesellschaft bezieht, mittheilen zu können, und habe dazu die Erlaubniß des Herrn Verfassers nachgesucht, die mir derselbe mit der Bemerkung ertheilte, daß er keinen Anstand nehmen würde, dasjenige, was er mir geschrieben, gegen Jedermann, wer es auch sey, zu vertreten, und daß er daher auch gegen die Veröffentlichung dieses Schreibens nichts könne einzuwenden haben. Es ist dasselbe eine Erwiederung auf zwei meiner Zuschriften, womit ich dem Herrn G. R. Streckfuß in Bezug auf die Gesellschaft, über die er sich so wohlwollend ausgesprochen, zuerst einen meiner früheren gedruckten Jahresberichte und alsdann einen Abdruck des am 24. October von mir gehaltenen Vortrags übersandt hatte; es lautet folgendermaßen: Berlin, 13. Nov. 1840. Mein verehrter H e r r l Eine lange und beschwerliche Arbeit hat mich seit der Huldigung so unausgesetzt beschäftigt, daß ich an nichts Anderes habe denken, nicht einmal die wöchentlichen Mnisterial- Konserenzen habe besuchen können. Dies möge mich entschuldigen, wenn ich für die an mich gerichteten beiden freundlichen Schreiben und die demselben beigesügten........ Reden erst heut Ihnen meinen besten Dank sage. Der Abend, welchen ich neulich in der Gesellschaft der Freunde zugebracht, hat, wie ich Ihnen mit voller Aufrichtigkeit sagen kann, einen sehr angenehmen Eindruck in mir zurückgelassen. Indessen kann ich auch versichern, daß es nicht erst dieses Abends bedurft hat, um mich zu überzeugen, daß es unter den mosaischen Glaubens- Genossen höchst gebildete, edle und wohlgesinnte Männer gebe, die in moralischer und intellektueller Hinsicht mit den besten unter den Christen ganz auf gleicher Höhe stehen.' In dieser Hinsicht habe ich daher meinerseits kein Vorurtheil abzulegen gehabt, wie Sie, wenn Sie meine so sehr angefochtene Schrift über die Verhältnisse der Juden zu den christlichen Staaten nochmals mit Aufmerksamkeil durchlesen wollen, wohl erkennen werden. Wohl aber habe ich über die Mittel, die minder gebildeten, in ihrem Separatismus verharrenden und von der übrigen Gesellschaft sich trennenden Juden in diese Gesellschaft auch wider ihren Willen einzuführen, in früherer Zeit manche Ansichten gehabt, welche die Zeit und weitere. Erfahrung berichtigt hat. Da ich meine Ehre darin suche, nicht zu denjenigen zu gehören, welche zu lernen und zu vergessen gleich unfähig sind, und einen abgelegten Irrthum als solchen zu erkennen, und dies zu bekennen zu jeder Zeit bereit bin, so gestehe ich auch ohne alles Bedenken, daß. ich gegenwärtig, wenn ich auf die Gesetzgebung einen Einfluß hätte, die Emcmciparion der Juden so vollständig, als sie, ohne tief eingewurzelte Vorurtheile der Masse zu sehr zu verletzen, irgend möglich ist, für diejenige Maaßregel hatte, welche alle zeithcrige Uebelstande am leichtesten, sichersten, und ohne alle nachtheilige Folgen für den Staat beseitigen würde. Was aber auch in dieser Beziehung beschlossen werden möchte, so mögen Sie glauben, daß ich Männern gegenüber,.

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