Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 2 (1841)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1841)
- Article
- Fünfzigste General-Versammlung der Gesellschaft der Freunde in Berlin
- Date
- 1841-03-20
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
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.96 Früchte tragen! Wie sehe auch unsere Ausgaben wachsen, wie hart auch eine immer größere Zahl alternder Freunde von den Wechselsällen des Geschickes heimgesucht wird, — die Gesellschaft geht aus allen diesen Bedrängnissen mit jedem Jahre kräftiger und zu noch stärkeren Anstrengungen gerüstet hervor. Was wir auch immer von den jährlich wiederkehrenden Ausfällen befürchten; wie ängstlich wir die Ansprüche berechneten, die stets mehr und mehr an unfern von treuer Sparsamkeit gesammelten Hausschatz gemacht werden möchten, — immernoch wurden unsere Berechnungen getäuscht, immer noch hat sich von Jahr zu Jahr das Grundvermögen der Gesellschaft vermehrt. In dem eben abgewichenen Jahre hatte sich bereits em Defizit von siebenhundert Thalern herausgestellt, und eine am 19. Nov. 1810 versammelt gewesene Kommksion von 25 hatte schon statutenmäßig die Verwendung dieser 700 Thlr. ans dem Grundvermögen bewilligt, als unerwartet noch vor Ausgang des Jahres, also in den sechs Wochen vom 19. November bis zum 31. December, zur Aufnahme in die Gesellschaft 28 Kandidaten, und zwar lauter würdige Männer sich meldeten, die wir zum größten Theil noch vor dem Jahresabschluß aufnehmen konnten und durch deren Eintrittsgelder sich das Defizit auf 125 Lhaler verminderte, während die Einzahlungen perpetueller Mitglieder das Grundvermögen um das Vierfache dieses Betrages vermehrt haben. Es ist indessen diese unerwartete Deckung des vorjährigen Defizits mehr ein zufälliges Moment, als ein solches, auf dessen Wiederkehr wir auch in den nächsten Jahren mit Wahrscheinlichkeit rechnen könnten. Der Anschein ist vielmehr dafür, 'daß schon im laufenden Jahre, in welchem neuerdings größere Unterstützungs-Bedürfnisse sich gezeigt haben, der Ausfall noch ansehnlicher seyn werde, als wir ihn für das Jahr 1840 im Monat November berechnet hatten. Sollen wir es mm wieder auf die der Gesellschaft, wie es scheint, einwohnende geheime Kraft, allen Anforderungen zu begegnen, ohne sich doch selbst zu nahe zu treten, sollen wir es darauf ganz allein ankommen lassen? Unser Vertrauen zu ihr giebt uns allerdings'ein Recht, ruhig zuzuwarten und nichts zu thun; der berechnende Verstand macht jedoch Einwendungen dagegen und auch seinerseits Ansprüche geltend, die wir, als vorsichtige Männer, denen vor Allem die auf lange Zeit ungefährdete Lage der Gesellschaft am Herzen Liegen muß, nicht zurückweisen dürfen. Um der Zukunft.die Gesellschaft mit einem sichern Einkommen zu überliefern, das ihren Bedürfnissen entsprechender sey, als das bisherige, bleibt uns, da die Statuten eine andere als freiwillige Erhöhung der Beiträge aller jetzigen Mitglieder nicht gestatten, nur der Ausweg übrig, von den künftig eintretenden einen höhern Beitrag zu fordern. Damit stimmen auch die Anträge überein, die Ihnen heute in Gemäßheit des Beschlusses einer Kommission von 25 vorgelegt werden und in Bezug auf welche ich um Ihre Ansichten bitten werde , sobald unser Freund Secretair seinen Jahresbericht, der über di^e Finanzen der Gesellschaft noch nähern Aufschluß gibt, vorgetragen haben wird. Ich selbst habe zwar in der Kommission, die am 19. November 1840 versammelt war, für diese Anträge gestimmt; das glückliche Herbeiströmen vieler neuen Mitglieder jedoch, das seitdem eingetreten, die fast totale Rcduzirung des Desi- ' zits, hat mich, ich bekenne es, wieder schwankend.gemacht. Es ist mir jetzt, als traten wir dem Glauben an die moralische Macht der Gesellschaft zu nahe, wenn wir so mit einemmale in ihren bisherigen gleichmäßigen Gang eingreisen. Besonders aber sagt mir mein Gefühl — und diesem vertraue ich in Sachen der Menschenliebe mehr als dem Verstände — daß wir vor dem schonen goldenen Jubelfeste der Gesellschaft keine Aenderung in einem Punkte machen sollen, der fast die einzige Bestimmung bildet, die seit dem Jahre 1792 ganz unverändert geblieben ist. Joseph Lehmann. Personalchronik und Miseellen. Ca sch au m Oberungarn will sich in neuester Zeit durch eine Iudenvertrekbung ein geschichtliches Denkmal setzen. — (Erinnert unwillkürlich an jenen jämmerlichen Griechen, der um in der Geschichte sortzuleben, den Tempel der Diana in Feuer steckte.) * * * Bevölkerung Badens. Nach dem Hof- und Staats- Handbuch für das Großherzogthum Baden für 1841 ist die Anzahl der Gemeinden 1595, in welchen nach der Seelenzahl vom Jahre 1839: 401,845 Evangelische, 859,824 Katholiken, 1328 Mennoniterr und 21,368 Israeliten, zusammen 1,277,365 Einwohner wohnen. Gegen den Stand von 1836 hat sich diese Einwohnerzahl um 33,167 vermehrt. Munk's witgebrachte Handschriften. (Forts.) Rabbinische Werke. 10. Der arabische Commentar des Musa Warm uni über die Mischna, Seder Naschim. — 11. Mischna- Commentar desselben über die letzte Hälfte des Seder Nasikin, ferner über Seder Kodoschim und Seder Tahorot.— 12. Commentar des Maimuni über den talmudischen Traktat N o s ch h a - S ch (c n a. Dieses wahrscheinlich einzige Exemplar enthält die merkwürdige in SeferON")N erwähnte Nachschrift Maimuni's und die von seinem Enkel Davud, welche Asarja de Rossi und Asulai citiren (s. Geigers Zeitsch. 11. pag. 127. 514). — 13. Deraschot über verschiedene Abschnitte des Pentateuch (hier nur über Genesis und Erodus) 2 Bde. — 14. Commentar zu Pirke Abot, begleitet von einigen Legenden über I b n - E s r a, Maimuni u. s. w. — 15. Deraschot für die Festtage (unvollständige Handschrift). — Die drei letzten Werke (13. 14. 15.) werden von den Juden zu Kahira dem Rabbi David, Enkel des Maimuni zugeschrieben; es sind wohl dieselben Deraschot, von welchen Conforti in seinem Kore Ha-Dorot spricht (s. de Rassi II. pag. 35), aber sie gehören keineswegs dem Enkel des Maimuni. Die verderbte Sprache zeigt auf den ersten Augenblick schon einen weit spätern Verfasser und eine Stelle derselben zu Genesis lehrt uns in der That, daß der Verfasser sie 1814 der saleuidische Aera, d. h. 1503 der gewöhnlichen Rechnung geschrieben. — Verlag von C. 8, Fritzsch e Druck von I. H. Nagel.