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Der Orient · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 15

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Article
Die Gesellschaft der Freunde in Berlin
Date
1841-01-09
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 Ich brauche Ihnen, geehrte Freunde, nicht ins Gedachtm'ß zurückzurufen, wie die Gesellschaft, die, weil sie selbst auf f Prinzipien der Ehre beruhete, auch ein empfängliches Gefühl | für die edeln Bewegungen der Zeit hatte, in ihrer allerdings j nur auf stille, ja fast verborgend Wirksamkeit beschränkten | Sphäre diesen Bewegungen folgte. Nur cm eine Lhatsache J will ich Sie erinnern, die uns als ein Denkmal jener Zeit f verblieben und die, wenn sie auch klein und unbedeutend im j Verhältniß zu dem erscheint, was von unserm Könige ausgejj gangen war, doch der Gesellschaft reichen Segen getragen hat. l In denselben Jahren nämlich, wo Friedrich Wilhelm 11L. den Boden des Landmannes frei machte, und diesem das schmäh-! liche Joch des Frohndienstes abnahm, in denselben Jahren, wo j die Städte ihre Verfassungen erhielten und der mittelalterliche Zunftzwang aufgehoben wurde, in denselben Jahren endlich, wo des heiligen römischen Reiches Kammerknechte, die Juden, | zu Staatsbürgern, zu Preußen, zu Deutschen erhoben wurz den, stiftete die Gesellschaft der Freunde, angeregt durch so f viel vom Thron ausgehende Menschenliebe, zum Dank für so : viele Wohlthaten, ihr Institut zur Unterstützung von Wirtwen; und Waisen. Durch öicses Institut sind seitdem unzählige Thränen getrocknet, ist vielen würdigen Frauen die Bürde des; Lebensunterhalts und die Pflicht der Kinder-Erziehung erleichtert worden. Mögen wir daher in ihm, nächst dem göttlichen! Beistand, auch den Segen erkennen, der nns durch das Beispiel und die -Wohlthaten eines großsinnigen Königs geworden! Allerdings trat um jene Zeit der großen Regenerationen < des Preußischen Staates auch ein Umstand für uns ein, der •, auf die weniger dem ethischen als dem socialen Bedürfniß zu-; gewandte Seite der Gesellschaft ungünstig einzuwirken schien.! Durch das Gesetz vom 11. März 1812 waren nicht blos die Fesseln gelöst, die das Iudenthum dem Staate gegenüber in feiner unterdrückten und isolirten Stellung gehalten hatten, j sondern als eine natürliche Folge davon, war auch das Band ) gelockert, das die durch gleiche Geschicke und Ausschließungen ' Jahrhunderte lang auf sich selbst Zurückgedrängten, ebenso wie in religiöser , auch in jeder socialen Beziehung zusammen- ] gehalten hatte. Gleichsam zur Widerlegung des Vorwurfs, >i daß die Juden durch ihre Lebensweise, durch Speise und Trank, durch ihren geselligtn Umgang sich selbst abschlössen, bewies! die Erfahrung schon in den ersten Jahren nach dem Edikte : von 1812, daß überall, wo edle christliche Kreise den Juden s sich öffneten, diese mit Freuden die Gelegenheit ergriffen, sich 1 auch in socialer Hinsicht zu emanzipiren. Als die Begeisterung des Kampfes der Jahre 1813—15 sin welchem, beiläufig be-; merkt, vier Mitglieder der Gesellschaft der Freunde das eiserne '' Kreuz erwarben) die mannigfaltigen Bestandtheile des Landes s mehr noch als zu irgend einer frühern Zeit zu einem einigen /j edelsten Erze verschmolzen hatte, da schien es, als sollten, wie die bürgerlichen, so auch die socialen Schranken ganz fallen, | welche Christen und Juden bis dahin getrennt hatten. Und wahrlich, ein solches Ereigniß durften die Juden als eines der -J schönsten Resultate jener großen Zeit begrüßen, wenn nur in ihren Herzen neben dem mächtigen Gefühle für das Vater- \ land auch noch ein Plätzchen für die Gemeinde und deren re- 1 ligiöse Bedürfnisse blieb. Die Gesellschaft der Freunde konnte es als eine natürliche Folge der beginnenden Verschmelzung ansehen, als in jenen Jahren der mit ihr verbundene gesellige ■l Verein kränkelte und seiner völligen Auflösung nahe kam. f Wozu bedurfte es auch noch besonderer jüdischer Ressourcen | in einer Zeit, wo die christlichen ihre bis dahin den Juden 1 verschlossen gewesenen Pforten ihnen öffneten, — in einer Zeit,;j wo Bürger und Bürger sich zwar noch durch ihre Gottes- 1 Hauser, nicht mehr aber durch ihre Lehr- und Wohnhäuser, zwar noch durch ihre Bekenntnisse, nicht mehr aber durch ihre Gesinnungen unterschieden, mochte diese nun auf die heiligen Zwecke des Krieges oder auf die sittenverfeinernden Künste des Friedens gerichtet sein? Erst als die Begeisterung der kriegerischen Jahre verraucht war, als eine nüchterne Zeit ansing, Vieles, was die vocangegangene große Epoche gestaltet hatte, zu belächeln und für das bloße Resultat eines flüchtigen Rausches zu erklären, als es dem ungeselligen Geiste, der überall Stände absondert und Kasten unterscheidet, gelang, aus dem engen Kreise zu entweichen, in den der Kriegsgott ihn gebannt hatte, da schlossen sich auch hier und da wieder die Pforten, die so gast- und geistesfrei geöffnet worden waren, und da entstand auch wiederum die Norhwendigkeit, den beinahe untergeganZenen Geselligen Verein zu restauriren, oder vielmehr neu zu begründen. Es ist dies in den letzten Jahren geschehen, und zwar müssen wir den Direktoren das Verdienst zuerkennen, daß sie, so viel an ihnen ist, den Verein in möglichsten Contact mit der socialen Rührigkeit der Hauptstadt halten und dergestalt ihrerseits gegen jeden Geist der Abschließung protestiren. Auch der Gesellige Verein also, wie er nothwendig mit zur Geschichte der Gesellschaft gehört, hilft den Mikrokosmus vollenden, das Bild abschließen, welches diese im Kleinen von der Geschichte der humanen und socialen Zustande der Regierungszeit unseres verewigten Königs liefert. Fortschreitend mit dem allgemeinen Fortschritt, hat sich die Gesellschaft der Freunde natürlich auch den Einflüssen nicht entziehen können, welche Momente des Stillstandes, der Stagnation und der retrograden Bewegung auf sie übten. Aber sie kann uns darum auch ein erfreulicher Beweis sein, daß diese Momente nicht überwiegend gewesen, ja, daß manchmal nur ein Schritt zurückgethan wurde, um dann mit vermehrter Schnellkraft wieder zwei Schritte vorwärts zu thun. Unsere Gesellschaft, als Trägerin einer sittlichen Idee, als eine unsichtbare Loge verbündeter Geister, die das Gute ohne alle irdische Nebenzwecke wollen, kann ihr preußisches Vaterland unmöglich verlaugnen. Wo sie auch außerhalb Preußens im vorigen^Jahrhundert gestiftet worden wäre, würde sie entweder auf politische Abwege gerathen sein, oder sie wäre eine jener vielen Anstalten geworden, die zwar von dem Wohlthätigkeitsst'nne der Juden ein treffliches Zeugniß, aber zuweilen auch den Beweis liefern, welche verkehrte Ansichten vom Glücke im diesseitigen, wie im zukünftigen Leben noch unter uns verbreitet sind. Nur in der dunstfreien geistigen Atmosphäre unseres Vaterlandes konnte es jungen jüdischen Männern, wie den Stiftern unserer Gesellschaft, verstattct sein, sich zu einem Bunde zu vereinigen, der aus dem Bedürfnisse hervorgegangen war, die Fesseln nationaler Absonderung nicht blos in d.er Gesinnung ihrer christlichen Nebeirmenschen, sondern auch von ihrem eignen Denken und Thun abgestreift zu sehen. Diese dunstfreie geistige Atmosphäre unserm theuern Vaterlande zu erhalten, hat König Friedrich W i l h e l m 1V. gelobt, — gelobt aus der Fülle seines Herzens, aus der Tiefe seines Gemüthes und mit der ganzen Macht seines hervorragenden Geistes. Er selbst hat im Angesichte seines Volkes die Atome seiner geistigen Atmosphäre genau bezeichnet. Sie heißen, dies waren seine eignen Worte: „Ehre, Treue, Streben nach Licht, Recht und Wahrheit, vorwärtsschreiten in Altersweisheit zugleich und heldenmüthiger Iugendkrast." Wer vermag es, schöner und erschöpfender als der Königliche Redner den Gedanken auszudrücken, den Preußen durch seine Geschichte

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