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Der Orient · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 14

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Article
Die Gesellschaft der Freunde in Berlin
Date
1841-01-09
Page
Seite 14 (sequence 2)
Language
German
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14 Grundlagen und die Tendenz gemein. Nicht zu verkennen ist aber in jener nur noch von Wenigen unter Ihnen gekannten Schrift der Einfluß der Ideen, die damals nicht blos in Frankreich, sondern mehr oder weniger auch im ganzen übrigen Europa verbreitet waren. So hieß es unter Anderm im Abschnitte 111., hinsichtlich der Gleichheit aller Mitglieder: „Alle Jahre werden die Nummern der Mitglieder aufs Neue gelosi'L. Die Nummern allein bestimmen die Folge und Ordnung der Mitglieder. Stand und Ansehen haben auf diese Gesellschaft gar keinen Bezug und können ihren Besitzer vor andern Mitgliedern nicht auszeichnen, noch weniger aber ihm Vorrechte geben. Der allgemeine Name, den ein Mitglied dem andern giebt, ist Freund. Ein Jeder, der wahrend der Session eine Anrede an die Gesellschaft hält, nennt sie Freunde." Die Gleichheits-Theorie, die diesen Bestimmungen zum Grunde liegt, sprach sich nicht minder bei den Vorschriften aus, die in Bezug auf die Sorge für das geistige und leibliche Wohl der Freunde gegeben waren, und schärfte insbesondere auch jene schöne Pflicht ein, jedem verstorbenen Freunde, mochte er im Leben arm oder reich gewesen sein, auf seinem letzten Wege noch als ein treuer Freund sich zu erweisen. Noch im Jahre 1792 kam die aus jenen Plan gegründete erste Abfassung der Staturen zu Stande. In der Einleitung dazu heißt es: „Kaum verlautete im Publikum, daß man sich mit der Idee zu einer solchen GeseUschaft beschäftigte, als sich schon eine ansehnliche Menge fürtrefflicher Subjekte zu Mitgliedern «infanden und sich mit dem rühmenswerthesren Eifer für die guteOSache allen nötyigen Vorschriften — obgleich sie ihnen nur problematisch vorgetragen wurden — unterzogen." Sohne, Schüler und Verehrer Moses M e n d e l s s o h n 's waren es ursprünglich gewesen, die sich zu jener Idee vereinigt hatten, und auch diejenigen, die sich ihnen später anschlossen, wenngleich sie den sokratischen Geist des edeln Weisen nur noch der Tradition nach kannten, hatten doch noch die ersten Eindrücke der höheren (Zivilisation, die sich im vorigen Jahrhundert von Berlin aus über die jüdischen Gemeinden Deutschlands verbreitete, mit empfunden. Daher war es auch der Name M endclssohn's, den die Gesellschaft als ein sittliches Panier aufpflanzte, um welches sie sich reihete. Schon die ersten Statuten trugen, wie noch jetzt die seitdem vielfach abgeänderten, 'als Wahlspruch ein Wort M e n d e l s so h n 's über die Bestimmung des Menschen: Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, Das Beste thun. Der Gedanke dieses Wahlspruchs war in den Statuten selbst überall zu erkennen, und zwar nicht blos in den Bestimmungen der Pflichten und Rechte der Mitglieder, sondern auch in den moralischen Erläuterungen, von denen diese Bestimmungen damals begleitet waren, vornehmlich aber in der Berufung an das Ehrgefühl der Freunde, das bei allen Gelegenheiten vorangestellt wurde. Ja, diese Berufung an das Ehrgefühl darf man wohl als den stärksten Grundpfeiler betrachten, der dem neuen fßan gegeben wurde. Ihr ist es gewiß hauptsächlich .zuzuschreiben, daß der Bund von Anfang an einen achtunggebietenden Ruf sich erwarb und darin zugleich eine Bürgschaft für seine Dauer fand. Allerdings kam ihm bei seiner Stiftung zu Statten, daß in der Negierungszelt Friedrich Wilhelm's 11. ganz, ähnliche, von philanthropischen Ansichten geleitete Vereine, wie namentlich die der Freimaurer und Illuminaten, einen großen Einfluß nicht bloß in Berlin, solidem in 'ganz Deutschland gewonnen hatten. Unsere Gesellschaft unterschied sich jedoch von diesen Verbindungen darin, daß sie keinerlei Geheimlehre besaß, keinerlei Eid oder auch nur Handschlag von den Eintretenden verlangte und nur die Bedingung stellte, daß, neben der Förderung der allgemeinen Humanitäts- Zwecke der Gesellschaft, Jeder die besondere Art ihrer Wohltaten und vornehmlich die Namen der Empfänger auf das Strengste geheim halte. Wenige Jahre nach ihrer Stiftung besaß die Gesellschaft bereits eine ansehnliche Zahl von Mitgliedern in Berlin und in fast allen größeren Städten der Monarchie. In Königsberg war die Zahl der Freunde so groß geworden, daß diese eine 'eigne Tochter-Gesellschaft bildeten, welche sich jedoch, da die Central-Verwaltung, um ihre Einheit zu bewahren, die Rechte der Mutter-Loge streng fcsthielt, im Verlaufe der Zeit von dieser trennte und zu einer selbstständigen Verbindung sich koastituirte. Am 16. November 1797 starb König Friedrich Wilhelm 11., der die Gesellschaft durch seine Genehmigung und durch Anerkennung ihrer Tendenzen geehrt hatte. Damals I stand an der Spitze derselben einer der berühmteren und geistvolleren Schüler Mendelssohn's, Isaak Euchel. Dieser nahm die Gelegenheit wahr, dem jungen Monarchen, Friedrich Wilhelm IN., der ein Herz zur Anerkennung alles Guten mit auf den Thron gebracht hatte, eine Anzeige von dem Dasein der Gesellschaft, so wie von ihren sittlichen und wochlthatigen Zwecken zu machen. Am 21. Januar 1798 erfolgte daraus nachstehende Erwiederung aus dem Königl.Kabinet: „Sr. König!. Majestät von Preußen rc., unserm allergnädigsten Herrn, ist in der That nicht gleichgültig, daß die jüdische Gemeinde in Höchstdero Staaten mehr und mehr einer Kultur sich nähert, die auf jeden Fall deren gesellschaftlichen Verbindung mit den anderen Staatsbürgern und für ihre eigne Glückseligkeit beförderlich sein muß. Die zur Erweckung wahrer Teilnahme und Wohlthatigkeit seit Anno 1792 in der jüdischen Gemeinde bestehende sogenannte Gesellschaft der Freunde kann daher mit Zuverlässigkeit darauf rechnen, daß Se. Majestät allen Schutz ferner ihr angedeihen lassen werden, der zu jenem Zwecke von Höchstdero in Gott ruhenden Herrn Vaters Majestät bewilligt war; auch werden Se. Majestät mit Wohlgefallen bemerken, wenn der aus jener Verbindung entstandene Entwurf zu einer Leichen- und Rettungs - Anstalt für die Gemeinde durch deren thatigen Beitritt bald seiner ganzen Absicht nach ausgeführt werden kann, und wollen Höchstdieselben solches dem Gesellschafts- Vorsteher Isaak Euchel, auf dessen Schreiben vom 19. Januar, mit Dank für die gegebenen Nachrichten, bekannt machen. Auf Befehl Sr. Könkgl. Majestät, während Höchstdero Krankheit, durch das vorgedruckte Znsiegel vollzogen. Berlin,^ M e n ck e n, d. 21. Jan. 1798. Geheimer Kabinetsrath." Wenige Tage nach Eingang dieses Schreibens fand , die Generalversammlung von 1798 statt, in welcher der Vorsteher den Inhalt desselben den versammelten Freunden mittheiltr, und so feierte unsere Gesellschaft vor beinahe 43 Jahren ein ganz ähnliches Fest, wie wir es heute begehen, nämlich den Beginn der Negierung eines Fürsten, den alle Freunde der Menschenbildung und des Fortschrittes voll freudiger Erwartungen den Thron besteigen sahen, und der diese Erwartungen auch in einer Zeit, in der das Vaterland auf das Härteste geprüft war, in herrlicher Weise erfüllt hat.

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