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Der Orient · 1841-01-09 · Heft 2 (9.1.1841) · p. Seite 16

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Journal
Der Orient
Volume
2 (1841)
Issue
Heft 2 (9.1.1841)
Article
Die Gesellschaft der Freunde in Berlin
Date
1841-01-09
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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- 16 — 'und durch seine europäische Stellung repräscntirt? Ein König, der so, wie der unsrige, den Begriff seines Staates in sich ausgenommen, der wird, ja der muß, durch die Gesammtheit seiner Handlungen diesem Begriffe auch entsprechen. Es ist nicht möglich, daß unter diesem Könige Rückschritte geschehen: keine Rückschritte nach dem Maß von Jahren, geschweige denn nach dem Maße von Jahrhunderten. Das Preußen, welches der Schild ist für die Sicherheit und die Rechte Deutschlands, kann nur der Gegenwart oder der Zukunft angehören. Preußen und Deutschland, wie sie sich auch gegenseitig als europäische Macht ergänzen, so verbürgen sie sich auch gegenseitig ihre würdige Stellung unter den intelligenten Nationen des Welttheils. Schild der Sicherheit und der Rechte, Eines dem Andern, kann auf ganz Deutschland eben so treffend, als auf Preußen das schöne Wort unseres Königs angewandt werden: „Mannigfach und doch Eins, wie das edle Erz, das aus vielen Metallen zusammengeschmolzen, nur ein einiges edelstes ist, keinem andern Roste unterworfen, als allein dem verschönernden der Jahrhunderte." Eines solchen Herrschers Regierungsantritt kann auch die Gesellschaft der Freunde nicht ungefeiert lassen. Sie fühlt, daß auch sie der Zeit, dem Lande, dem Fürsten .angehört, deren Streben dem Licht, dem Rechte und der Wahrheit zugewandt ist. Auch wir, wenngleich vor, Jahrhunderten unsere Vorfahren dem Orient angehörten, auch wir sind jetzt Preußen, sind Deutsche, so gut es nur irgend Einer unserer Mitbürger sein kann. Auch wir empfinden in der Tiefe der Seele, was das Vaterland niederdrückt und was es emporhebt. Auch unsere Jünglinge waren zum Kampfe gerüstet, als es galt, die Schmach zu vertilgen, die der fremde Eroberer über Deutschland gebracht hatte, und auch unsre Herzen schlagen freier und freudiger bei dem Gedanken, daß ein geisteskräftiger, charaktervoller und gemüthreicher König den Thron bestiegen, ein König, der durch die Macht des Gedankens, durch die Macht seines christlich-religiösen, aufgeklärten Strebens, Preußen und Deutschland dem großen Ziele, an der Spitze der civilisirten Völker des Erdbodens zu stehen, zuführen wird. Und so wollen wir denn, meine geehrten Freunde,, auch in unsrer theuern Gesellschaft im Sinne unseres Königs wirken. Sind wir auch nur eine ganz kleine Partikel seines großen Reiches, so hat er doch auch uns berufen; denn eben nur durch die Vereinigung aller Elementarkrafte desselben, der geringfügigeren wie der bedeutenden, sieht er ja das Große sich gestalten, welches „Einheit ist an Haupt und Gliedern, an Fürst und Volk, und wo herrliche Einheit des Strebens ist aller Stände, aller Bekenntnisse nach Einem schönen Ziele." Wir haben daher auch in seinem, wie im Sinne unserer Gesellschaft zu handeln geglaubt, als wir in den Huldigungs- Tagen hier arme Waisen von allen Bekenntnissen, christliche und jüdische, versammelten, um sie festlich zu bewirthen. Und wir handelten gewiß auch wieder in seinem Sinne, wenn wir heute in dielen Räumen nicht das Wort der knechtischen Unterthanigkeit und Schmeichelei, sondern das Wort der Wahrheit und der freien Verehrung haben vernehmen laffen. I. Lehmann. Sind jüdische Schulanstalten Bedürfnis, UNd wie müssen solche beschaffen sein, UM ihrem Zwecke zu entsprechen? (Fortsetzung.) Ferner sind die Gegenstände des Religlünsunterrichts mannigfach und erfordern viel Zeit. Es ist nicht gut, wenn man dem Kinde etwa in einem Auszuge kürzlich die Grundsätze der jüdischen Religion und eine allgemeine Moral lehrt, und dabei verabsäumt, es mit der Quelle, der heiligen Schrift selbst, vertraut zu machen. Dadurch würde, wie die Beispiele lehren, nur oberflächliches Räsoniren und kalter Schematismus an die Stelle des warmen Glaubens, treten. Dem Kinde muß bie HEge Schrift , so weit es seine Jugend zulaßt, unverkürzt geboten werden, und alles Gute was es lernt, muß aus ihr, nicht aus dem Kopfe des Lehrers zu entspringen scheinen. Das Kind muß überzeugt sein, daß der Lehrer nur Erklärer der heil. Schrift ist; es darf aber nicht das Ansehen haben, als benutze der Lehrer nur gelegentlich die heil. Schrift für seine eigenen Gedanken. Die heil. Schrift soll daher dem Kinde treu gegeben werden, dem Knaben der sich für den strengem Unterricht mehr eignet, und bei seinem künftigen bewegtem Leben desselben mehr bedarf, iir der Ursprache, dem Mädchen in der Übersetzung. Dann wird das Kind durch fleißiges und vernünftiges Lesen der heil. Schrift gewiß Inhalt, Sprechweise und Sprache derselben liebgewinnen, und nur so wird es auch mit ganzem Gemüthe Jude sein«. Es versteht sich von selbst, daß die Knaben auch einigen Unterricht in hebr. Grammatik erhalten müssen. Da ferner der jüdische Gottesdienst nicht nur zur Zeit in hebr.. Sprache gehalten wird, sondern, wenn man nicht die Selbstständigkeit der jüdischen Religion gefährden will, gehalten werden muß; (ich verweise hier auf die Vorrede des Dr. Z. Frankel zu einer Gelegenheitspredigt, gehalten in Teplitz nach dem Attentat auf den Kronprinzen von Oesterreich im Jahre 1834) so müssen beide Theile, Knaben und Mädchen, die hebräischen Gebete übersetzen lernen. Die Kinder sollen aber nicht bei der heil. Schrift stehen bleiben. Sie sollen auch mit vielen vortrefflichen Lehren unserer Rabbinen, die aus der Zeit noch näher stehen, und deren Aussprüche daher für unsere Verhältnisse besonders praktisch sind, vertraut, mit den „Sprüchen der Vater" Talmud und mit spatem religiösen Schriften bekannt werden, und dadurch zugleich unsere Literatur achten lernen. Es ist dies bei uns um so nöthiger, da sie oft mit Geringschätzung von ihr sprechen Horm, was nicht sonderlich ersprießlich, zur Begeisterung für ihren Glauben und ihre Glaubensbrüder ist. Sie müssen also angeleitet merden, solche Schriften, die faßlichem wenigstens, einst selbst lesen zu können. Und dies ist keine unbillige Forderung; denn warum sollte man überall Gründlichkeit verlangen, und gerade in Religionserkenntmß, dem Grunde und Ziele alles Wissens, Oberflächlichkeit lieben? (Schluß folgt.) Verlag von C. L. Fritzsche. Druck'von Z. H. Ragel.

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