Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 50 (12.12.1840)
- Article
- Die Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht
- Date
- 1840-12-12
- Page
- 771 (sequence 3)
- Language
- German
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Die PsalmüberschttftM in kritische^ historischer und archäologischer Hinsicht. 774 rathen z. B. Ps. 103, 11 — Jes. 65, 9. Ps. 103, 16 — Hiob 7, 10. Ps. 39, 14 — Hiob 10, 21. Ps. 39, 35 — Hiob 5, 3 u. s. w.-ch Endlich verrat!) auch die alfabctische Ordnung, welche mehr davidische Psalmen befolgen, und die das C'rzeugniß eines jungem, gesunkenen Geschmackes ist, daß ihr Ursprung nicht so hoch hinaus zu setzen ist, wie die Ueberschrift angiebt. Hierher gehören Ps. 9. (und 10?) 25. 34. 37. 145., die alle (vielt. mit Ausnahme der beiden erstgenannten (9 und 10) durch ihren matten, der alten Kraft und Fülle entbehrenden, in alten, abgenutzten Sentenzen sich bewegenden, und sich fast zur Prosa hinneigenden Styl auch ohne jenes äußere Zeichen zu demselben Resultate uns berechtigt hatten. Ohne daß wir nun noch darauf Hinweisen wollen, wie durch die vielen Psalmen, die denselben Namen an der Spitze tragen, demselben Individuum die verschiedenartigsten Denkarten und Sinnesweisen und die am weitesten von einander abstehenden stylistischen Charaktere beigelegt werden (ein Umstand, der mehr dem Gefühl des Lesers anheimgcstellt werden muß, als daß er sich Wort für Wort Nachweisen ließe), glauben wir durch das bisher Gesagte hinlänglich erwiesen zu haben, daß ein großer Theil der Ueberschriftenwenigstens was Namen von Verfassern betrifft, unecht sein müsse, d. h. daß der Psalm nicht von der Person herrühre, der er in der Ueberschrift beigelegt wird. Betrachten wir weiter die historischen Ueberschriften, so finden wir zuerst, daß die meisten gar nicht, oder doch nur, wenn sie von der Folter einer ihre vorgefaßte Meinung im Objekt wiedersinden wollenden Unkritik verzerrt worden, mit dem Inhalte übereinstimmen. So Pf. 3. 34. 51. 54. bl u. s. w. Ja noch mehr. ' Einige der historischen Ueberschriften sind säst wörtlich aus den Büchern Sumuel's genommen, die bekanntlich erst nach Salomo geschrieben worden. So ist die Ueberschrift von Ps. 18 aus 2 Sam. 22, 1 entlehnt, wie daraus hervorgeht, das die Worte (Ps. 18, 1) HN hb im im rusin mv^n nin den Worten (2 Sam. 22, 1) idi nain rmri n:n na rb nn -irrm nachgebildet sind, und wahrend sie hier im besten Zusammenhangs stehen, dort offenbar hineingezwängt scheinen. — Ps. 54, 2 findet sich wörtlich 1 Sam. 23, 19 wieder, und steht hier abermals besser im Zusammenhänge als dort, wie es überhaupt, da eine einerseitige Benutzung unabweislich ist, sich gar nicht denken laßt, daß der Verfasser der Bücher Samuel eine Ueberschrift als Quelle ü) Mehre solcher Parallelen aus Jesaja (L und II.) und Ieremia findet man bei Hitzig, wo mit großem (zuweilen zu großem) Scharfsinn fast zu jedem Psalme ein Verfasser aus der uns bekannten Geschichte gesucht und auch gesunden wird. Wir mußten nns hier der Kürze wegen auf die deutlichsten beschranken. benutzt haben sollte. Vergl. auch Ps. 60, 2 mit 2 Sam. 8, 13. 'Aber auch die Sprache der Ausschristen selbst, und zwar vorzüglich der musikalischen, weiset auf ein sehr junges Zeitalter hin; ein Umstand, der sich sogar trotz des sehr dürftigen Umfanges der Inschriften genügend Nachweisen laßt. Ohne hier naher darauf einzugehen, daß die Namen Heman, Etan (außer 1 Kon. 5, 11) und Asaf, Jedutun nur in der Chronik gesunden werden, stimmt die ganze Ausdrucksweise der musikalischen Ueberschriften völlig mitderdiestsBuches. Das Wort PrS.3, die Tempelchöre anführen, in dem so häufigen kommt außer den Ueberschriften nur Habak. 3, 19 (und das in einer Nachschrift) und in der Chronik vor. (1 Chr. 15, 21. 23, 4. 2 Chr. 2, 1. 17. 34, 12. 13. Efta 3, 8. 9.). Mehre Instrumente, die in den Ueberschriften genannt werden, finden sich mrgend's als in der Chronik wieder (rp£>7y Ps. 46, 1 vergl. 1 Chr. 15, 20. bv Ps. 6, 1. 12, 1. vergl. 1 Chr. 15, 21.). Das Wort 7^71 in der Bedeutung: dichten, siegen Ps. 32, 1. 53, 1. u. s. w. 47, 6 findet sich nur in der Chronik wieder 1 Chr. 26, 14. 2 Chr. 30, 22. Man vergleiche ferner Pf. 38, 1 (l^T'ib) mit 1 Chr. 16, 4. NNINv P'r'pö k. —6) Die Inschriften der Pf. 30 und 92 passen endlich zum Inhalte gar nicht, und sind offenbar erst spatere Zuthaten; denn in jenem wird eben so wenig von der Einweihung eines Hauses, als in diesem von der Sabbatfeier gesprochen. Auch dürfte es dm vorurtheilslosen Leser nicht wenig befremden, manche Psalmen, die so recht der Erguß der aufgeregten Gefühle eines Einzelnen zu fein scheinen, ja die sich über die Leiden dieses Einzelnen so bis in's Detail verbreiten, daß diese Schilderung fast auf keinen andern passen könne, durch ihre Ueberschrift für den öffentlichen Gottesdienst bestimmt zu sehen. Aber offenbar geht daraus hervor, daß eben diese Ueberschrift nicht vom Verfasser herrühre, sondern ihren Ursprung einer spätem Zeit verdanke. Man betrachte in dieser Hinsicht z. B. Pf. 6. 11. 22. 31. 38. 42. 51. 54 u. s. w. An das Resultat, das uns die bisherigen Betrachtungen geliefert, das Resultat nämlich, daß ein großer Theil der Ueberschriften unecht sei, alle andern aber einem dringenden Verdachte der Unechtheit unterliegen, knüpfen wir eine Bemerkung, die uns auf den .rechten Standpunkt verhelfen soll, von dem aus wir die Ueberschriften zu betrachten haben. Wenn nämlich unter den Schriften unseres heiligen Kanon's wenige sind, welche von der Macht der Zeit unangegriffen in der Gestatt uns überkamen, wie sie der Verfasser niedergeschrieben; wenn wir sowohl in prophetischen als auch sogar in historischen 6) Lus den Sinn dieser Ueberschriften kommen wir im zweiten und dritten Abschnitt zu sprechen. 50 *