Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 50 (12.12.1840)
- Article
- Die Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht
- Date
- 1840-12-12
- Page
- 770 (sequence 2)
- Language
- German
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771 Die Psalmüberschnften in historischer und archäologischer Hinsicht. nung Gottes, -heilige Statte, allein eine unbefangene Prüfung jener Stellen, und vorzüglich 55, 15. 65, 5. 122, 1. 9. dürste eine solche Deutung als gezwungen anerkennen. Auch das kann unseren erregten Zweifel nicht völlig beschwichtigen, daß in den Büchern Josua 6, 24. Richter 18, 31. 19, 18 und 1 Samuel 1, 7. 24. 3, 15. 2 Sam. 12, 20 von der Stiftshütte der Name rvo gebraucht wird. Denn da jene Bücher jünger als Salomo ftnb,3 4) so war es dem Schreiber natürlich, den einmal Ln Gebrauch gekommenen. Namen für das Gotteshaus auch aus eine frühere Zeit zu übertragen. Daß aber strenggenommen das Wort ETQ, von der Stiftshütte gebraucht im Munde desjenigen, der keinen Tempel Gottes gesehen, befremdend ist, lehren 2 Sam. 7, 2. 6. 1 Kön. 5, 19. 20. so wie die mosaischen Bücher consequent nur da no brauchen, wo von dem künftig zu erbauenden Tempel die Rede ist (Ex. 23, 19. 34, 26. Deut. 24, 19) nie aber vom ■una brw Jndeß man lege diesem Beweis so viel Kraft bei als man wolle, ja man glaube sogar Gen. 28, 17 gegen -ihn anwenden zu können; sein Resultat wird durch noch andere Bedenklichkeiten unterstützt, die sich gegen die, Echtheit der Ueberschristen erheben. Die Psalmen selbst deuten durch ihren Inhalt oft genug auf Ereignisse hin, die erst später als David vorsielen. So beklagen sich die davidischen Psalmen 12, 2. 14, 3. (53, 4) über eine so totale Sittenverderbniß des israelitischen Volkes, wie sie gewiß weder zu Saul's, noch zu David's Zeit stattgefunden. Und mochte David auch durch einzelne verleumderische Hofieute (Doög, Kusch ec.) zu leiden haben, so war es ihm doch unmöglich zu sagen: 7D ‘PDH -IHN' DÜ ]’X 2W TWV 1'tt ir6iÜ NN' (14, Z) u. dergl. — Pst 76, 2 werden Juda und Israel einander gegenüber gestellt, ein Beweis, daß dieser Psalm erst nach der Theilung geschrieben ist. —• Jerusalem und ganz Judäa befinden sich in großer Gefahr (60, 3 — 5. 80, 5 ff. 83, 3 ff.) - ja es wird ganz offenbar gesagt, daß ein feindliches Heer Jerusalem belagere (59, 7* 15), und die Beziehung von 76, 6 auf Sanherib's Niederlage ist so unverkennbar, daß die LXX diesen Psalm neben der gewöhnlichen Aufschrift auch noch tov ’Aöövqoov überschrieben ^). Waren solche Begebenheiten zu David's oder zu Asaf's Zeit vorgefallen, so hätten wohl die Bücher Samuel und Chronik wenigstens etwas davon erwähnt, da sie ja sonst so viele einzelne Züge aus dem Leben David's erzählen. — Endlich wird in davidischen Psalmen mit klaren Worten gesagt, das Land sei verwüstet, der Tempel zerstört, die Bewohner in die Gefangenschaft geführt; Gebete um die Befreiung 3) Man sehe die Einleitungen in's A. T. 4) Hitzig vindicirt diesen Psalm dem Jesaja. aus dem Exil (74, 3 ff. 79, 1 ff. 14, 4. 7. 53, 5. 7. 69,36.51,20. 21.) und Dankgebete für die Befreiung aus dem Exil (68, 7. 23. 124, 1) werden zu Gott emporgesendet. Und alle diese Lieder sollen David und seine Zeitgenossen 400 Jahre voraus, gleichsam zum Borrath, gedichtet haben? Ja sogar diejenigen, die von dogmatischen Vorurtheilen besangen, den Beruf eines heiligen Mannes gern nur darin sehen, daß er sich mit kommenden Jahrhunderten unterhält, werden dieser ganzen Befangenheit bedürfen, um in den citirten Psalmstelteu eine Idee von Prophezeiung, von Bo raus Verkündigung zu finden, wie z. 83. im Daniel. Der unbefangene Beobachter hingegen wird nicht anstehen, diese klaren Zeugnisse für eine feste Consiituirung der Zeit jener Psalmen zu benutzen; ja er wird die Genugthuung haben, zu bemerken, daß gewöhnlich nicht Ein Zeichen allein kömmt, sondern meistens (wie eine Vergleichung der schon angegebenen und noch anzugebenden Verdachtsgründe lehrt) mehre sich vereinigen, und so sich gegenseitig unterstützen. Haben wir es bisher versucht, aus einigen innern Gründen die Echtheit der Psalmüberschriften zu erschüttern, so wollen wir jetzt auch der äußern Form, in welche die Psalmen gekleidet sind, einige Aufmerksamkeit schenken. Und zwar zuerst der Sprache. Hier fallen uns bei einer aufmerksamen Lektüre in angeblich bis David hinaufreichenden Psalmen eine Menge Ausdrücke und Wendungen aus, die aus ein ganz anderes Zeitalter der Sprache hindeuten, als das ihnen die Ueberschrist vindicirt. Solcher Ausdrücke sind, um die stärksten hervorzuheben: leuchten, (in der altern Sprache: fließen, Micha. 4, 1. Jes. 2, 2. Jerem. 31, 12. 51, 44. in der jüngern aramaisirenden: leuchten Jes. 60, 5. Hiob 3, 4.) Ps. 34, 6.; Min anzeigen, sagen Ps. 19, 5, außerdem nur Hiob 13, 17. 15, 17+ 32, 2. 6. 10. 17, also im Eli hu am häufigsten; Rolle, Buch; Ps. 40, 8 (aus Jerem. 36, 6. 14 ff. Ezech. 2, 9. 3, 1 ff. Zachar. 5, 1. 2, was auch mit der Geschichte des Schreibmaterials convenirt; pCO hinaufsteigen Ps. 139, 8. (im Hebr. sonst nicht vorkommend, im Chald. Dan. 3, 22. 6, 24. und Syr. pDD sehr häufig, eben so im Talmud); ‘Pftp tobten Ps. 139, 19. (außerdem nur Hiod 13, 15. 24, 14. Obad. i, 9. im Chald. Dan. % 13. 14. 3, 22. 5, 19. 30. 7, 11. in den Targumim und im Syrischen sehr häufig.). Hierher gehört ferner das präsixe W (l&‘^), das in sicher vorexilischen Schriften sich nur Nicht. 5, 7./ indenjüngern (Jona, Hoheslied, Kohelet, Chronik immer gehauster findet, in den davidischen Psalmen 124, 1. 2. 6. 122, 3. 4. 130, 2. 3. 144, 15; hierher ferner die aramaisirenden Formen j-VDrp Pst 36, 8. )T)? (ib, 9.) p’on’ (39, 7), '-M und (103, 3) das syr. (141, 5) u. s. w.; endlich einige Wendungen, die deutlich eine Abhängigkeit von jüngern^Schristen ver-