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Der Orient · 1840-12-12 · 50 (12.12.1840) · p. 769

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
50 (12.12.1840)
Article
Die Psalmüberschriften in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht
Date
1840-12-12
Page
769 (sequence 1)
Language
German
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Literaturblatt -es Orients. Berichte, Studien und Kritiken für jüdische Geschichte und Literatur. M 50« Leipzig, den 12. Lecember 1840« Die Psalmüberschriften in kritische-, historischer und archäologischer Hinsicht in drei Abschnitten. — Die Bibelübersetzung von Dr. G. Salomon, beurtheilt von Skreinka. — Zur GeschichtL der Homiletik. Die Vorträge des Dr. Holdheim, beurtheilt von I- A. Frankel. — Lit. Ankündigungen. Die Psalmüberschriften, in kritischer, historischer und archäologischer Hinsicht. Wie uns das Psalmbuch heute im hebräischen Texte vorliegt, finden wir von den darin enthaltenen 150 Lieden den größeren Theil (116) mit Ueberschriften sehr mannigfachen Inhalts versehen. Und zwar laßt sich dieser Inhalt am besten nach folgenden fünf Rubriken ordnen: 1) Namen von Männern; 2) Historische Data, die als Veranlassung zur Abfassung der resp. Psalmen bezeichnet werden; 3) Namen von Gedichten; 4) Namen musikalischer Instrumente oder besonderer Melodieen, wonach die Psalmen gesungen wurden. 5) Verschiedene auf den Tempeldienst bezügliche Dinge. Wie aus dieser übersichtlichen Jnhaltsanzeige sich ergeht, dürfte eine nähere Beleuchtung derselben für das Gebiet der Geschichte sowohl, als auch der biblischen Archäologie von nicht geringer Wichtigkeit-sein, und es sollen die folgenden Betrachtungen dazu diendn, dasjenige zusammenzustetten, was sich zur näheren Kenntnißncchme mancher darin enthaltenen Dunkelheiten aus den noch vorhandenen Quellen eruiren läßt. Aber auch außerdem haben jene Aufschriften für das Psalmbuch selbst die hohe Bedeutung, daß durch sie der größte Theil dieser Lieder nicht nur Verfasser und Zeit, sondern auch oft Veranlassung angewiesen erhält; ein Umstand, der natürlich zum Verstandniß der Psalmen viel beitragen muß. Es ftägt sich nun vor allen Dingen *): Sind in der That diese Ueberschriften von den Verfassern der Psalmen 1) Wie mir zu büfcr Frage kommen, wird sich sogleich ergeben. selbst hinzugesügt worden, oder verdanken sie ihren Ursprung einer spatem Hand? Und wenn das Letztere, was läßt sich wohl Gewisses, und was Wahrscheinliches über Ursprung und Alter derselben aufstellen? Unsere Abhandlung zerfallt demnach in drei Abschnitte: 1) den kritischen, über Ursprung, Alter und Autorität der Ueberschriften; 2) den historischen, der die beiden ersten der angegebenen Rubriken umfaßt; 3) dm archäologischen, der die drei letzten Klassen bespricht. Erster Abschnitt. Kritik der Psalmüberschriften. Es bedarf kaum einer mehr als oberflächlichen Durchlesung der Psalmen, um bei Vergleichung des Inhalts mit den Ueberschriften auf Erscheinungen zu stoßen, die uns gegen die Echtheit der Ueberschriften einen Verdacht einflößen könnten; den Verdacht nämlich, daß der in der Ueberschrift genannte Dichter nicht Verfasser des ihm zugeschriebenen Psalmes sein könne. Auffallend ist es z. B., davidische 2) Psalmen vom Hause (no) Gottes, vom Tempel (^fi) u. dergl. sprechen zu hören (5, 8. 23, 6. 27, 4. 36, 9. 55,15. 65,5. 69,10. 122,1.), da es doch aus der Geschichte bekannt ist, daß unter David noch kein Tempel erbaut war, sondern daß, wie es 2 Sam. 7, 2. 6 heißt, die Bundeslade Gottes sich unter HpT, pt^D, befand; daher 2 Sam. 7, 1. und 1 Kön. 5, 19. 20 mit Recht der Wohnung Gottes bis auf Salomo's Zeit das Prädikat abgesprochen wird. Man könnte zwar hiergegen einwenden, in jenen Psalmstellen waren die Ausdrücke rP2 u. f. w. nicht dem Woctverstande nach zu nehmen, sondern sie bezeichnten in der poetischen Sprache überhaupt: Woh- 2) Wir verstehen im folgenden immer unter „davidische" Psalmen solche, die David's Namen in der Überschrift tragen; außerdem fassen wir die seinen Zeitgenossen zugeschriebenen Psalmen mit unter seinem Namen zusammen. 50

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