Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1840)
- Article
- Bericht des Dr. Goldscheider ...
- Date
- 1840-12-12
- Page
- 386 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2360092-2360093-2360144-2364299--1191-2364330- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
386 ten, die ein großer Poet mit dem Namen eines F ü rftenknechts (i'umi du prince) unbJne 2traber mit dem Titel caxouad(?) bezeichnen; was Menschen bezeichnet, die wenn sie nicht unter dem Volke zufällig die höchsten Stellen gefunden haben, sich wenig Ehre daraus machen, um ähnliche Dienste sich zu bewerben, dagegen aber auch, zum Scandal ehrenwerther Leute einem großen herablassenden Einflüsse weichen. Doch sind diese Schwachen jetzt ein wenig gewichen, da Juden und Europäer die traurigen Folgen davon gefühlt haben. Wir kehren zu Ihrer Instruction zurück. Seit der französischen Besitznahme hat sich das Unterrichtswesen nicht eben verbessert; die Synagogen dienen als Schulen, d. h. es ist der Ort, wo man sich ohne Ordnung und Sauberkeit unter der Leitung von Lehrern versammelt, die sich von andern Juden rücksichtlich der Haltung, der Sittlichkeit, der Ausbildung durchaus in nichts unterscheiden, so daß etliche Dutzend Kinder bald eben so viel wissen, wie ihre Lehrer. Indessen hat die Verwaltung, von der Leichtigkeit, mit der jene Kinder französisch lernen, angeregt, diese Neigung, die von glücklichen Anlagen Zeugniß gab, zu begünstigen gewünscht, indem sie 1832 zwei Freischulen einrichtete, deren.Organisation und Direction einem von uns anvertraut wurde. Die eine war für die Erziehung der Juden bestimmt, die andere für die der Mauren. Die jüdische Schule nahm bald eine gewisse Entwicklung an, und die Zahl von 200 Zöglingen verschaffte ihr eine gewisse Geltung. Der muselmännische Fanatismus vernichtete die für junge Mauren begründete Schule in ihrer Geburt und sie hat nie mehr' als sechs Schüler gezählt. Die Existenz dieser beiden Schulen hörte eines Tages auf, wo man für nöthig fand, die Zöglinge in den Schooß einer Schule des gegenseitigen Unterrichts zu geben, welche die Administration für Kinder jedes Alters, jedes Standes und jedes Glaubens zu eröffnen für gut fand. Die Juden, die nun kein Lokal mehr für sich allein hatten, vernachlässigten den Besuch der Schule des wechselseitigen Unterrichts.^) Das Schuletablissement, das sich seitdem gebildet hat, hat keine besseren Bedingungen geboten. Es hat durch jene stolze Verachtung, die man rücksichtlich anderer Kinder nicht kennt, diejenigen unter den eingebornen Juden zurückgescheucht, welche beabsichtigen, ihre Kinder die Anstalt besuchen zu lassen. Die Erfahrung wird ohne Zweifel diese Fehler verbessern und eine fühlbare Verbesserung in dem Systeme Hervorbringen, den Unter- 2) Die Redaktion der Arch. Isr. wacht hierbei darauf aufmerksam, daß diese Lücke seitdem durch die Schulanstalt der Md. Hartoch (vergl. Orient Nr. 34 und 39 und weiter unten) ausgefüllt worden sei. Wenigstens ist ein lobenswerther Anfang dazu gemacht. D. Uebers. terricht den verschiedenen Völkerschaften, die die Bevölkerung Algiers bilden/ anzupassen. Die Juden sprechen arabisch, aber ein verderbtes Arabisch, das sich darum auch aller grammatikalischen Regeln begeben hat. Sie geben im allgemeinen auch sehr wenig auf eine bessere Sprachkenntniß; man findet in Algier kaum 8—10 Juden, die leidlich correkt schreiben. Sie sind wirklich sehr eifrig auf Erlernung des Französischen) denn sie wissen, daß die Kenntniß dieser Sprache für sie von Belang ist, sie berechnen im Voraus den Nutzen, den das auf ihre kaufmännischen Geschäfte hoben muß. Wir hatten uns vorgenammen, hier ein Resüms von unfern Beobachtungen hinsichtlich des Gerichtsbrauches der Juden zu geben; allein da dieser Auszug beinahe selbst ein Buch geworden ist, und die Aufmerksamkeit ermüdet, so hatten wir geglaubt, das Betreffende diesem Briefe anhängen zu müssen.3 *) Indem wir hier die Reihenfolge unsrer Beobachtungen unterbrechen, bleibt uns noch übrig, die Mittel anzuführen, welche als die geeignetsten erscheinen, um diesen Theil des israelitischen Volkes der Ignoranz und der Erniedrigung zu entreißen, unter denen wir sie schmachten sehen. Unter allen zum Zweck dienenden Mitteln prasentirt sich uns in erster Linie: Unterricht. Denn diejenigen Juden, denen man durch Unterricht Kenntnisse beigebcacht hat, werden auch für immer sich) an uns attachirm und jeder von ihnen kann dann in seinem Kreise ein Mittelpunkt der Belehrung für seine Glaubensgenossen werden. . Wenn das Gouvernement erst die Ansicht ftsthält, daß ohne Unterricht jede Civilisation unmöglich ist, wird es, von Allem Andern, zuvörderst die Schulen resormiren, welche die Rabbinen in den Synagogen halten, wo die Kinder alle Fehler einer elenden Lage sich aneignen, wo sie alles lernen, nur nichts Gutes. Neue Schulen zu gründen, ist etwas sehr Einfaches. Zwei geräumige und gesunder Lust ausgesetzte Hauser, gelegen in zweien der bevölkertsten Quartieren 5bec Stadt, würden hinreichen zum Dienste für Schulgebäude. Man suche für" den Unterricht gebildete, unbescholtene, gottesfürchtige, doch nicht fanatische Männer zu gewinnen, die der Staat, oder das israelitische Volk salarice, und die geschickt waren, ihren Zöglingen Unterricht im Lesen der Bibel und der heiligen Schriften zu ertheilen, zugleich Ehrfurcht gegen ihre altehrwürdige Religion einzuflößen und die ersten Begriffe für die französische Sprache " beizubringen. Man begreift schon, daß die besten Zöglinge die Aufmerksamkeit des Gouvernements fesseln müßten, so daß man ihnen die Versetzung in eine Classe des Colleges zu Algier in Aussicht stelle. 3) Die Arch. Isr. versprachen diesen Auszugs spater mit einer andern Arbeit über die Juden in Algier zu geben.