Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1 (1840)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1840)
- Article
- Bericht des Dr. Goldscheider ...
- Date
- 1840-12-12
- Page
- 387 (sequence 3)
- Language
- German
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387 Au dem Ende müßte eine Commission ernannt werden, die über die Ansprüche an die von dem Gouvernement ausgesetzte Gunst zu entscheiden hatte. Unter den jungen Juden, die durch Rechtsspruch Eintritt in das College von Algier erhalten würden, könnte man, da doch rücksi'chtlich einer bequemen Zahl etwas festgesetzt sein muß, eine Auswahl treffen, um die in Colleges nach Frankreich zu schicken, die dies durch besondere Jntereffen am Unterrichte verdienten; und unter diesen Letzteren könnte man noch, wenn man ihre Fortschritte aufmerksam verfolgt hatte, die Bedeutendsten Herauswahlen und sie nach Paris schicken, wo diese Kinder der Elite ohne allen Zweifel die Fähigkeiten erlangen würden, die sie spater für ihre eigne Emancipation so wie für die ihrer afrikanischen Glaubensgenossen brauchen. Wenn man diese Art des Unterrichts, dessen Ausführung uns so leicht dünkt, annähme, so würde Folgendes ungefähr die nothwendigen Kosten sein: Für Miethe zweier Hauser n 700 Fr. 1,400 Fr. Für Salarirung von 6 Lebrem, 3 in jeder Schule ä 720 Fr. 4,320 — Für Errichtung zweier Lehrstühle, eines für die französische, eines andern für die arabische Sprache zu Gunsten der Juden. . An jeden Professor 1800 Fr. 3,600 — Kosten zur Ausmöblirung der obigen beiden Häuser 1,200 — Kosten für jährliche Reparaturen 400 — Gages an zwei jüdische Aufwarter 360 — Zwanzig Stipendien, um tüchtige Zöglinge in Colleges zu versetzen i\ 500 Fr. 10,000 — Sum. 21,280 Fr. Das sind die Kosten, die wir für unumgänglich nöthig erachten, wenn man endlich einmal wirksame Maßregeln ergreifen will hinsichtlich der Emancipation eines sehr bedeutenden Theiles der Bevölkerung Algerien's. (Schl.f.) Deutschland. Wien, 26. Nov. Die hiesigen reichen Israeliten haben dem Advokaten Cremieux, welcher übermorgen nach Paris seine Reise fortsetzt, im Hotel zum „römischen Kaiser" ein prachtvolles Bankett, zum Dank seiner Bemühungen für die Juden im Orient, gegeben. Eine auf Pergament geschriebene Danksagung wurde ihm in einer reich mit Diamanten verzierten Kapsel während der Tafel vom Prediger Dr. Man heim er überreicht, worauf der Gefeierte eine glänzende Dankrede hielt, in welcher auch der humanen Prinzipien unsrer Regierung auf das Anerkennendste gedacht wurde. (N. C.) DetNZiK, 18. Nov. Sie erinnern sich, mein Herr Redakteur, daß id> nicht geglaubt hatte, durch meine frühere, harmlose Mittheilung irgend einen Eindruck Hierselbst zu machen; um so unerwarteter war mir der Erfolg, den die skizzirte Beschreibung der hiesigen Zustande bei unserm jüdischen Publikum gehabt. Es ist eine alte Geschichte: die Wahrheit trifft immer ihr Ziel, nur wird sie von den Getroffenen als Berläumdung verschrieen. So ging es auch hier zum Theil; andere haben ihr Bild gar nicht erkannt, noch andere endlich fühlen mehr und mehr, was. ihnen Noch chitt, und daß möchten leicht die Besten sein, selbst wenn sie nicht so scheinen wollen. Hat sich hin und wieder manch gutes, ernstes Wort vernehmen lassen, so dürste bald in Erfüllung gehen, was ich Ihnen neulich schneb, daß ich nämlich hoffte, Ihnen auch Erfreulicheres von hier aus mittheilen zu können. Aber zur richtigen Erkenntniß und Würdigung des Fortschrittes war ein getreues Bild der Gegenwart als nothwendige Grundlage erforderlich, wenngleich eine kurze Skizze keine weitläufige historische Begründung verlangt. Uebec die öffentliche Demonstration im „Orient," welche jene Skizze hervorgerufen hat, nur ein paar Worte, die mich nur Ihre Diskretion,- mein Herr Redakteur, zu schreiben in den Stand gesetzt; denn eine Replik, wie sie Ihre Anmerkung bezeichnet, würde ich ganz unberücksichtigt gelassen haben. Es wird Ihren Lesern gewiß überaus gleichgültig sein, ob Herr A. Horwitz meines selbst anonymen Aussagen bestätigt, oder ob er dieselben Lügen straft; ich versichere Ihnen auf mein Wort, daß ich mich gar nicht darum bekümmere, ob er meine Treue zu verdächtigen sucht, ob er mein Benehmen selbstsüchtig oder meine Verfahrungsweise unklug findet. Ich zeichnete die Gegenstände betrübten Herzens; aber in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die nun in Erfüllung gehen wird. Nur das setzt mich in Erstaumen, daß der beleidigte Theil der Danziger Juden kein anderes Organ gefunden, als einen Fremden, der sich seit einigen Jahren erst hier niedergelassen hat, und der nur durch vorübergehende Interessen momentan an Danzig gebunden ist. Eben daß der Fremde sich zum Vertheidiger Danzigs aufwirft — in des Wortes eigentlichster Bedeutung — könnte bei Ihren Lesern dm Verdacht erregen, daß kein Eingeborner eine solche Replik zu schreiben im Stande wäre; dagegen kann ich bestimmt versichern, daß es hier wohl Männer giebt, die eine Skizze, wie die weinige, richtiger auffassm und leidenschaftloser und würdiger'besprechen könnten, wenn sie es überhaupt für nöthig erachteten. Zumal unter den jüngern Männern; denn ich erinnere mich nicht, jemals behauptet zu haben, man verkenne in Danzig die Forderungen der Zeit so sehr, *) Auch in diesem Schreiben hier habe ich, wie in dem des Hrn. Horwitz, manche persönliche Ausdrücke gestrichen, da dieses Blatt durchaus keinen polemischen Charakter haben | folT. Ich wünsche, daß weder Hr- D—n noch Hr. Horwitz i n\\v dieses Verfahren als Parteilichkeit anrechnen. ' Red. 50*