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Der Orient · 1840-12-05 · 49 (5.12.1840) · p. 763

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Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
49 (5.12.1840)
Article
Zur Geschichte der Homiletik
Date
1840-12-05
Page
763 (sequence 3)
Language
German
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765 Zur Geschichte der Homiletik von Frankel. trefflicher Gedanke!), Moses allein blieb frei an Körper, frei im Geiste. Er erweckte in uns die dem Geiste inwohnende Freiheit wieder, erinnerte uns an den einzigen Gott der Väter, und führte uns zum Glauben zurück. Darum tragen wir die nW© yiHK enthaltenden in welchen Gott als der Einzige und als der Beschützer der Unterdrückten dargestellt ist, damit wir an Freiheit denken, und nicht Sclaven unserer Leidenschaften werden; damit wir uns erinnern bei jeder Unterdrückung, die uns von Rußen zugesügt wird, daß Gott unser Erlöser ist. —- Im andern Theile wird das zweite Erinnerungszeichen der Befreiung erläutert, die V& p^DfV welche gegen das Herz um den Arm gebunden werden »•brr» irmjpb tob rvoi£Wi rms'n rro, damit der Mensch nicht ein geknechteter Unterthan der Begierden des Herzens sei. Aber auch für das Herz selbst (S. 116) haben diese pb©n eine Bedeutung; denn wir sollen nicht nur denken, sondern auch fühlen unsere Freiheit. (Hier ist S. 117 „der Vater durfte ff." eine herzergreifende und erschütternde Schilderung des Sklaventhums). Wer diese Erinnerungszeichen jetzt verspottet, der ist wieder ein Sklave geworden seines Herzens, wer da verachtet die Wunder beim Auszüge aus Egypten, der ist nicht frei, und wäre auch dort nicht erlöst, nicht frei geworden. „Du bist ein Sclave geworden deiner Begierden (118)/ und bist zurückgekehrt in das finstre Land Egyptens, wohin der Ewige besohlen jlEODlfl *Tiy Hiil (sinnreiche Deutung dieses Verses!). — So ungern wir auch an dieser Musterpredigt, reich an den schönsten Gedanken, reich kan den kräftigsten Worten, etwas rügen: so sehen wir dennoch die Nothwendigkeit ein, in welche und das Recenstntenamt versetzt, daß wir, wie die Anatomen, an dem schönsten Körper seciren und auf jeden organischen Fehler merken müssen. Wir können mit Recht Einen Fehler einen organischen nennen; denn, einverleibt allen diesen Predigten, geht er aus dem iarrern Streben des Vers, selbst hervor, rein theologisch und biblisch zu sprechen. Der Vers, nämlich stellt stets die Verba oder überhaupt das Prädikat vor das Objekt und sogar vor das Subjekt, wodurch die Satze mitunter sonderbar tönen, und beachtet nicht: sit modus in rebus. So S. 102 „unftr Haus ist geworden eine Stätte des Friedens" 111. „Das sie in dir haben neu belebt ... das sie in dir haben erzeugt ..." 114 „die Hand Gottes, die sich hat ausgestreckt und sich gewaltig hat erhoben" u. s. w. Falsch ist S. 109 der Conjunktiv des Imp. „muffe," welcher sich im Deutschen gewöhnlich auf die Gegenwart oder Zukunft bezieht, für das plusquamp. Conj., welches die unbestimmte Veegangenheit bezeichnet. — Wenn wir die 7. Predigt als geistreich und kräftig Lezeichneten, so müssen wir die achte, eine Fortsetzung der vorigen, indem hier Htitft, das Haus oder häusliche Leben, behandelt wird, anmuthig, ansprechend, sanft, gefühlvoll nennen. Die drei Hauptgedanken der in der Mesusa, dem Erinnerungszeichen der Befreiung, ausgeschriebenen Worte bilden drei, wenn auch nicht bezeichnen Abheilungen der Predigt: M'27 oderber Glaube an einen einigen Gott; hn die Liebe zu Gott; die Aufrechterhaltung dieser Glaubensartikel durch Erziehung und Belehrung der Kinder. Der erste Theil, in welchem die Talmudstelle 'ft "IDNH DN D l’TJJD DIN b\0 irra nmp 1'ZD einfach, aber passend erklärt ist, und in welchem das Mystische, das unter Mesusa gedacht und gesucht wird, durch eine rationelle Erklärung so dargestellt ist, daß es selber aufhört mystisch zu fein, zeichnet sich besonders durch gefühlvolle, herzliche und innige Sprache aus. — Unedel ist S. 122 „und inniger und schöner als je wiedercrklungen ist aus allen Kehlen(!), aus allen Herzen u. s. w." — Der 9. Vortrag, Leben und Beruf behandelnd, lauft wie eine gegliederte Kette, ohne Unterbrechung und Abtheilung fort, und dennoch ist gegen die logische Entwickelung nichts einzuwenden. Besonders streng religiös ist S. 132 „Wie dieses Zeichen ff."; dichterisch S. 134 „Nicht zu fragen ff."; rein theologischS. 136 die treffliche Erklärung von rn'oyß ppp m’oy mrnn/ Die 10. und 11. Predigt, gehalten an den beiden Tagen des Wochenfestes, bilden ein in zwei Abtheilungen gebrachtes Ganzes „ welches die Ueberschrist tragt: „durch die zehn Worte am Sinai ist Israel zum Propheten der Völker geworden." Im Exordium der zehnten wird erwiesen, daß Freiheit ohne Gesetzmäßigkeit nicht denkbar ist, daß also die Gesetzgebung gleich nach der Erlösung und Befreiung aus Egypten folgen mußte, und daß wir deshalb das Wochenfest, an welchem die zehn, alle andere Gesetze nnt einbegreifenden Gebote gegeben wurden, gleich nach dem Pescrch- oder Befreiungsfeste feiern. In dieser fünfgetheilten Predigt werden die ersten fünf Gebote oder die Eine Gesetztafel, enthaltend die Pflichten gegen Gott, als Inbegriff aller andern, erwiesen und erklärt, und bei jedem Gebote wird besonders bemerkt, daß durch dasselbe Israel zum Propheten der Völker geworden ist. Im zweiten, gut durchgeführten Theile wird die Rache Gottes vertheidigt, oder besser in Liebe verwandelt. Der schwache Mensch/ nur das Concrete erfassend, hasset die Sünde und mit ihr den Sünder; nicht so der allweise Schöpfer, er liebt die Lugend und hasset darum die Sünde, liebthingegen den Sündhaften wie den Tugendhaften. Im dritten Theile wird.beim 3. Gebote „du sollst den Namen deines Gottes nicht entweihen durch Lüge" aufmerksam gemacht, wie der bloße Lügner schon sich selbst ein Gegenstand der Verachtung sein muß, wie dann der Lügner, der bei Gottes Namen etwas betheuert, und seinen eigenen, unsterblichen Geist zur Bürgschaft hingiebt, den bösen Geistern des eigenen, quälenden Gewissens und der ewigen Straft verfallen muß; denn Gott laßt den nicht ungestraft, der des Herrn Namen zum Truge anrust. Heilig ist uns also der Eid, und dennoch ward der Jude, dem zuerst dies heilige Gebot geworden/ der es am höchsten von jeher achtete, von Vielen des Meineides beschuldigt; dennoch traut man ihm nicht und nimmt den Eid von ihm auf eine ihn entehrende Weift ab, ihm, dem Juden, der, nach einer Talmudstelle, <iitf keine Weift den falschen Eid (nicht durch eine reservatio mentalis ete.) rechtfertigen kann,

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