Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1840
- Issue
- 47 (21.11.1840)
- Article
- Zur Geschichte der Homiletik
- Date
- 1840-11-21
- Page
- 731 (sequence 3)
- Language
- German
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733 Sammlung homiletischer Regeln von S. A. Frankel. 734 dasjenige für alle Epochen des menschlichen Lebens, was der religiöse Unterricht für die Jugend ist, nämlich eine Schule religiöser Bildung.—Der Text 4 M. 5. 6. 7 wird in den drei Theilen der Predigt 1. innerer, 2, äußerer Gottesdienst, 3. religiöse Erziehung der Jugend trefflich durchgeführt. Im ersten Lheile wird Zelt ans dem Texte 'OVO DD als Wohnstätte Israels, ferner als der Berg Sinai, der wie ein Zelt bei der Gesetzgebung vor Israel ausgespannt lag, und endlich als die Lehre selbst erklärt, zum Schatten (nicht Beschattung) am Tage des Glücks vor der Gluth der Sinnlichkeit und zum Schutz und zur Zuflucht vor Sturm und Regen des tausendjährigen Mißgeschickes. Das festeste Gebäude kann erschüttert, von den Fluthen fortgerissen und auf ewig zerstört werden, das leichtbewegliche Zelt, die Lehre Israels, wird von den Wellen dorthin getragen, wo es einen neuen Boden und einen neuen Festhaltungspunkc gewinnnt. Denn wie Gott erhaben über Zeit und Raum, so seine Lehre (Kant: Raum und Zeit sind synthetische Begriffe ix priori). Hm Ende dieses THeils wird gesagt, daß der äußere Gottesdienst (Gebet und Predigt nach des Verfassers Desiuirion) nach göttlich-weisem Rathschluffe bei der Zerstörung Jerusalems unter gehen(?) konnte, ohne daß der innere Gottesdienst, die Religion selbst, etwas von ihrem Wesen und Gehalt verlor. Gebet und Predigt konnten und dursten nimmer untergehm (denn jedes Volk, auch ein heidnisches, hac Gebet), wohl aber sich verändern, welche Veränderung jedoch dem eigentlichen Gottesdienst keinen Abbruch thur. Der zweite Theil, den äußern Gottesdienst behandelnd, führt mit dem Verse des Lettes M gründlich und rhetorisch den Gedanken durch, daß, wie der Bach nicht getrübt und auf andern Boden geleitet, der Gottesdienst nicht in neue Formen, gebracht werden darf(?). Im dritten Lheile wird zuerst niJJD "ii“U auf die religiöse Erziehung der Kinder in Anwendung gebracht, daß das kindliche Gemüth „wie Garten am Strome gepflanzt" in göttlicher Kraft erblüht, wenn es früher schon aus den Heilquellen der Religion fromme Begeisterung getrunken; doch S. 18. wird, etwas inconsequent, derselbe Vers auf die Jugendlehrer HplVH nach dem Jalkut, bezogen. Auf derselben Seite heißt es: „Wie die Muttermilch ihren(!) Körper stärkt, so nährt die Religion ihren(!) Geist," welche Worte „ihren" auf die im vorigen Satze eewähnten Kinder bezogen werden sollen; allein eine solche Zweideutigkeit mußte vermieden werden. — Am Schluffe wird Eine Wahrheit hervorgehoben und den Zuhörern ans Herz gelegt, sie mögen auf ihre religiöse Ausbildung, durch die Predigt in der Synagoge, wie auf die ihrer Kinder, durch dm Unterricht in der Schule, ihr Augenmerk richten, welche Wahrheit mit einem Gebete an Gott endigt. Obgleich der zweite „die Bedeutung des Sabbat" betitelte und ebenfalls zur Meßzeit (S. 22) gehaltene Vortrag in keine Lheile zerMt: so ist dennoch die logische Entwickelung und Folgerung richtig. Nachdem in der Einleitung der Gottesdienst mit der SabbaLfeier recht geistreich (nach Jebamot 6 a,b) verglichen und der Zusammenhang beider im Leben nachgewiesen ist, werden Betrachtungen, die ein tieferes Eindringen in die Verhältnisse der handeltreibenden Israeliten bekunden, an den Vers 2M. 16, 23. 1DNH lü/N ON INO 'lb t£nj> fOty prOitf, 1DN, in Verbindung mit dem Talmudspruch 2*"iJO HTOttf TDLiQ rDW, geknüpft. Wir wollen einige philosophische, in der Predigt rein theologisch entwickelte Gedanken hervorheben : S. 26. „Zur Thätigkeit ist der Mensch geboren * . * Thätigkeit ist Leben, träge Ruhe ist Tod. Auch die Pflanze ist thätt'g, aber ohne Bewußtsein; auch das Thier ist thatig..., aber ohne Freiheit, ohne Willen. Nur der Mensch ist thätig mit Bewußtsein, Freiheit und Willen . . . Selber kann sich die Thätigkeit nicht Zweck sein, sonst wäre sie zwecklos. S. 33. Heilig war der Sabbat unfern Vätern ... Heiligkeit ist das Höchste, nach welchem der menschliche Geist ringen.kann . . . Heiligkeit die Krone aller Lugenden. Lugend ist das Ringen des Geistes «ach dem Göttlichen, Heiligkeit das errungene Göttliche selbst . . . Tugend ist der Kampf des Geistes mit den finstern Mächten des Irdischen, Heiligkeit des Kampfes Preis. S. 36. Man erfindet allerlei Mittel, Zeit zu verkürzen. O sinnet nicht auf das Verkürzen der Zeit; denn dies verkürzt euer Leben." Diese, wie alle andern schönen Gedanken, philosophische Sentenzen und richtige Betrachtungen über jüdische Kaufleute und deren Verhältnisse, werden stets in den Text mit solcher Genauigkeit und Schärfe hinein getragen (denn die Predigt ist synthetisch), daß der aufmerksame Leser überrascht und erstaunt das Gesagte und Hineingetragene in der, leider nur in deutscher Sprache, citirten enthalten wähnt. Zu rügen sinder Ree. S. 21. „hier (im schmuck- und prunklosen Gotteshause) verehren Israeliten, die wenigen -Nachkömmlinge eines der größtenf?) Völker des Alterthums den Gott ihrer Väter;" „größte" steht im Gegensatz von „wenigen" quantitativ, welches Pradicat den Israeliten, im Vergleich mit den andern Völkern des Werthums nicht zukommt. S. 28. „über deiner (sie!) Sinnlichkeit," richtiger: ob deiner u. s. w. In der Einleitung der dritten am Neujahrstage gehaltenen Predigt werben drei Grundlehren oder Stammwahrheiten der jüdischen Religion ausgestellt: DUD&T) JD >T)n, nvintt/ tfiOyft aus welchen alle übrigen Lehren, wie aus den drei Erzvätern alle Israeliten, herzuleiten sind. Diese drei Grundwahrheiten sind nicht nur in den Neujahrstag - Gebeten als nnDity, nimm, nobo bezeichnet, so daß nv^a 3) Ob nicht in den erwähnten Erzvätern die drei Grundwahrheiten personisicirt dargestellt werden könnten, so daß in einem Jeden von ihnen eine vorwaltende Eigentümlichkeit nachgcwiesen würde, wodurch er das Bild, der Typus, das Symbol einer Grundwahrheit ausgemacht hatte? Unserm scharfsinnigen Verfasser dürste ein solches Philonisiren nicht schwer fallen, wie er auch wirklich an andern Stellen (in der 8„ 9, und 19. Predigt) zeigt.