Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1840-11-21 · 47 (21.11.1840) · p. 730

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
1840
Issue
47 (21.11.1840)
Article
Zur Geschichte der Homiletik
Date
1840-11-21
Page
730 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/8555529-9891396-9891464-2364142--0949-2364171
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

731 BourtlMung der Predigten des Dr. Holdhekm von I. A. Frankel. 732 schlagen, und an denen es krank danieder liegt, betrachtet, und heilen will: so erblicken wir in der kräftigen Ausführung des zweiten oder äußern Grundes einen rüstigen Kämpfer für Gleichheit aller Neligionsbekenner. Wenn wir ferner beim ersten Grunde Umstände erwogen sehen, die schon oft unv vielleicht noch weitläufiger von Andern auseinander gesetzt sind: so überraschen uns bei dem zweiten Grunde neue Anklänge, die in jeder Brust, ihr Echo findend, wiedertönen, neue Verhältnisse und neue Beziehungen, die bis jetzt außerhalb des Horizontes der jüdischen Geistlichen lagen; es sind die Verhältnisse der Juden und besonders der jüdischen Religionslehrer zum Staate. Welcher jüdische Geistliche wagte es noch, so offen und so kräftig die drückenden Gesetze — grausame Ueberreste des Mittelalters — welche selbst von unsrer toleranten und weisen Regierung aus dem allgemeinen Landrechte noch nicht getilgt sind, vor das Forum der Gerechtigkeit zu fordern? Hegel sagt einmal: Leben, schläfrig sein, Beamte sein, macht noch nicht das eigentliche Sein aus, wohl aber kein Sklave sein. An den letzten Theil dieser Vorrede, welcher, um nicht seine wirkende Kraft zu verlieren, in einem Auszuge nicht gegeben werden kann, sondern vollständig gelesen werden muß, schließt sich theilweise dem Inhalte nach die in mchrern Zeitungen schon besprochenen Gedachtnißrede zur Todtenfeker des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm des Dritten. — In der Einleitung dieser Rede wird der Tod als ein die Zurückbleibenden treffender Schmerz geschildert, welcher sich steigert, je mehr Menschen ihn empfinden, wenn also ein König, ein gerechter König stirbt, Md die Bewohner eines ganzen Landes trauern, so hat der Schmerz den höchsten Grad erreicht. Der 1. Theil, an dessen Spitze der Text TlBW nmfl .p steht, zeigt nach, wie der König, ein Sprosse großer Ahnen, schon bei seinem Regierungsantritte die Hoffnung^ seine Unterthanen zu beglücken, durch weise Aussprüche in uns rege machte. Wie der Herrscher, geprüft durch die dem Varerlande geschlagenen Wunden und durch den Tod seiner königlichen Gemahlin, fest da stand, ein unerschütterlicher Fels im brausenden Sturm der unglücklichen Ereignisse, und mir unermüdetem Eifer bemüht war, Balsam für die Wunden zu bereiten; denn was das Land an Umfang verloren, sollte es an Inhalt reichlich gewinnen. Wie der Regent ferner, als der Uebermuth des Feindes gebrochen, uns Allen ein Engel des Friedens auf dem Throne war, da er selbst, ein Muster der Gerechtigkeit, Gerechtigkeit auszuüben, Religion und Bildung zu verbreiten suchte; und wie er endlich die Israeliten von dem weltgeschichtlichen Rufe an sein freies Volk nicht ausgeschlossen und mit der Theilnahme am Kriege uns auch Theilnahme an den Segnungen des Friedens gewährt hat(?). Im zweiten Theile wendet der Redner den Blick hoffnungs - und vertrauungsvoll auf unfern jetzigen König, und ruft ihm zu: Ö'Hlfi p flS' > dieser Monarch, erzogen in der Schule der schweren Prüfung, wird im Geiste seines Vaters fortwirken, vollenden, was der Vollendung entbehrt und uns ein Trost für den harten Verlust werden; denn unser König ist nicht gestorben, so sein Geist in seinem Sohne fortlebt, wie von unserm Stammvater Jakob gesagt wird: HD iS'!?. MN. SpJT, weil er in seinem Sohne Joseph einen Erben seiner Tugenden hinterlassen. Aber auch wir Israeliten dürfen hoffen, daß unser geliebter König uns als seine Unterthanen betrachten, die uns gewährten Rechte in jener denkwürdigen Epoche nicht schmälern, sondern erweitern wird, wohl weislich einsehend, daß wir uns der königlichen Wohlthaten nicht unwürdig zeigten, daß er uns ferner die Theilnahme an größeren Pflichten, die aus dem Rechte uns erwächst, nicht versagen und uns im Kriege mit unserm Blute und Gute und im Frieden mit unserm Geist und Herzen dem Vaterlande dienen lassen wird. Den Schluß bildet ein inyaltvolles, herzliches und rührendes Gebet an Gott für den verstorbenen König, ein Gebet, das seine Wirkung nicht verfehlen kann, woran sich ein anderes für den lebenden König und seine ganze hohe Familie knüpft. Diese schon öffentlich vielfach gelobte, synthetische Predigt oder besser geistliche Rede ist frei von manchen Fehlern, die sich in ander:! von demselben Verfasser vorfinden, und die wir später werden rügen müssen; sie übertreibt nicht das Lob, gespendet dem seligen König, artet nicht in eine bloße Panegyrik aus, und spricht frei und gemessen, kühn und würdig die Hoffnungen aus, die wir uns vom Regierungsantritt unsers weisen Königs zu machen berechtigt sind. In der Einleitung der ersten, „die zwei wichtigsten Anstalten (?) des Heils" überschriebene Predigt wird folgende Eintheilung gegeben: 1. Gottesdienst. 2. Religiöse Erziehung. a. innerer, unsichtbarer; b. äußerer, sichtbarer. a, häuslicher, ß< öffentlicher; welche Eintheilung uns zu der Erwartung berechtigt, eine zwei - oder etwa fünfgegliederte, nicht aber eine dreigegliederte Predigt zu lesen, worin ein subordinirtes Glied coordinirt wird. Zum in ne nt oder unsichtbaren Gottesdienst rechnet der Vers, „die Erfüllung des göttlichen Gesetzes;" allein, da das Gesetz auch praktische Gebote .enthalt, die ein äußerliches Handeln erfordern: so kann die Erfüllung derselben ebensowenig, wie Gebet und Predigt, zum innen Gottesdienst gehören. Man könnte allerdings das Ausüben der praktischen Gebote, in sofern der Mensch jede gottgeweihte Handlung aus innerer Liebe zu Gott und vermöge des Strebens, Gott einen Wohlgefallen zu erweisen, verrichtet, einen innern Gottesdienst nennen; aber dann gehört Gebet und Predigt, die der Vers, selbst zum äußern Gottesdienst rechnet, bestimmt in die Kategorie des innern, und der äußere Gottesdienst würde nur heißen: äußerlicher, das Verrichten solcher Handlung gedankenlos, ohne Reflexion', »TId!?D DWN NIM. —- Sehr passend und richtig erklärt der Dr. Holdheim den Gottesdienst, der das Predigen begreift, als eine durch das ganze menschliche Leben fortdauernde und fortwirkende religiöse Erziehung, und als

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.